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Polnische Amazon-Kolleg*innen protestieren gegen Leiharbeit

Am gestrigen Mittwoch protestierten Arbeiter*innen von Amazon aus Poznán gegen Leiharbeit und für bessere Löhne. Ihr Kampf um bessere Arbeitsbedingungen reiht sich ein in die Auseinandersetzungen bei Amazon in ganz Europa. Der nächste Schritt sind Streiks auch in Polen.

Polnische Amazon-Kolleg*innen protestieren gegen Leiharbeit

Kurz vor Weihnachten verschärfen nicht nur die Arbeiter*innen von Amazon in Deutschland den Konflikt mit dem Management des multinationalen Konzerns. Während hier schon seit Wochen wieder für einen Tarifvertrag gestreikt wird, gehen jetzt auch die Arbeiter*innen von Amazon in Polen in die Offensive.

Am gestrigen Mittwoch organisierten die Beschäftigten des Versandzentrums in Poznań eine Kundgebung gegen Leiharbeit und für eine Lohnerhöhung sowie verbindliche Schichtpläne und bessere Pausenzeiten. Gleich drei internationale Leiharbeitsfirmen — Adecco, Randstad und Manpower — vermitteln Arbeiter*innen in das Poznaner Fulfillment Center, allein in den letzten zwei Wochen mindestens 360. Damit bauen sie Druck auf die gesamte Belegschaft auf. Die in der Inicjatywa Pracownicza organisierten Kolleg*innen, die den Protest organisierten, fordern dauerhafte Beschäftigung mit Direktverträgen bei Amazon, aber mindestens die Vergabe von Verträgen für länger als drei Monate. Ihre Losung: „Wir haben genug von Junk-Verträgen und Hungerlöhnen!“

Am gleichen Tag sorgte ein Feueralarm im Poznaner Versandzentrum für eine Evakuation aller Beschäftigten.

Die Beschäftigten in Poznań befinden sich seit Monaten im Konflikt mit Amazon. Erst am 24. November hatte Amazon die Verhandlungen über einen Tarifvertrag platzen lassen, die formal im Juni begonnen worden waren. In drei Verhandlungsrunden machte Amazon kein Angebot und lehnte alle fünf Forderungen ab (nach höheren Löhnen, Lohnerhöhungen nach einer gewissen Betriebszugehörigkeit, Arbeiteraktien, jährlicher Einsatzplanung und einer Änderung der Pausenzeitregelung).

Trotz des restriktiven polnischen Streikrechts bereiten sich die Amazon-Arbeiter*innen in Poznań Schritt für Schritt auf einen Ausstand vor. Schon im Juni hatten sie spontan einen „Bummelstreik“ organisiert, um ihre Solidarität mit den streikenden Kolleg*innen in Deutschland zu zeigen. Auch die darauffolgende Repression – Amazon entließ mindestens fünf Beschäftigte, die Arbeitsgerichtsprozesse stehen noch aus – konnte sie nicht einschüchtern. Voraussichtlich werden sie am 22. Dezember ihre Streikbereitschaft erklären.

Damit wird sich auch Poznań in die Streikfront gegen das Milliarden-Unternehmen von Jeff Bezos einreihen – ein notwendiger Schritt, um international die Forderungen der Arbeiter*innen gegen diesen Vorreiter der Prekarisierung voranzutreiben.

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