Frauen und LGBTI*

Polen: Frauenfeinde wollen Abtreibungen vollständig verbieten

In Polen dürfen Frauen nur in wenigen Fällen legal abtreiben. Dieses Recht wollen Konservative nun noch weiter einschränken. Dafür bekommen sie massive Unterstützung, aber es regt sich auch Widerstand.

Polen: Frauenfeinde wollen Abtreibungen vollständig verbieten

Während es in Berlin ein­mal im Jahr ein paar Tausend christliche Fundamentalist*innen sind, die mit weißen Kreuzen für das “unge­borene Leben” demon­stri­eren, ver­suchen Abtreibungsgegner*innen in Polen das dort ohne­hin schon stark eingeschränk­te Recht auf Abtrei­bung kom­plett abzuschaf­fen. Neben Demon­stra­tio­nen und erzkon­ser­v­a­tiv­er Pro­pa­gan­da ver­suchen sie ihr Ziel mit ein­er Peti­tion an das pol­nis­che Par­la­ment zu erre­ichen – und haben nach eige­nen Angaben schon mehr als die erforder­lichen 100.000 Unter­schriften beisam­men. Auch die Unter­stützung der kon­ser­v­a­tiv­en Regierung ist ihnen sich­er.

Nach Vorstel­lung dieser Frauenfeind*innen soll es in Zukun­ft nur noch bei ein­er für die Frau lebens­ge­fährden­den Schwanger­schaft möglich sein abzutreiben. Bish­er sind noch in zwei weit­eren Fällen Abbrüche legal: nach ein­er Verge­wal­ti­gung oder bei Behin­derung des Fötus.

Schon jet­zt ist es in eini­gen Regio­nen Polens unmöglich, legal eine Abtrei­bung zu bekom­men, selb­st wenn eine dieser Sit­u­a­tio­nen vor­liegt. So beispiel­sweise im Karpaten­vor­land, der kon­ser­v­a­tivsten Region Polens: Die Gynäkolog*innen hier haben den Druck der soge­nan­nten “Pro-Lebens”-Bewegung nicht mehr aus­ge­hal­ten.

Hin­ter dieser Bewe­gung ste­ht vor allem die in Polen sehr ein­flussre­iche katholis­che Kirche, für die die Rolle der Ver­fech­terin der bürg­er­lichen Kle­in­fam­i­lie nichts Neues ist. Dafür wer­den auch Frauen in die Krim­i­nal­ität, und sog­ar den Tod gezwun­gen. Schon jet­zt ste­hen 2 Jahre Gefäng­nis auf ille­gale Abtrei­bung; zukün­ftig sollen es fünf sein.

Heute schon treiben schätzungsweise 100.000 Polin­nen im Aus­land oder ille­gal in Inland ab – dage­gen standen im Jahr 2014 nur 977 offizielle Ein­griffe. Die Bedin­gun­gen unter denen die ille­galen Abtrei­bun­gen stat­tfind­en sind dabei beson­ders schlecht für Frauen, die nur wenig Geld haben, wenn sie sich es über­haupt leis­ten kön­nen. Der Zugang zu Abtrei­bung ist also klar eine Klassen­frage.

Von Feminist*innen und Linken gibt es Wider­stand gegen den Geset­ze­sen­twurf. Tausende demon­stri­eren auf der Straße und fordern eine Lib­er­al­isierung. Laut ein­er Umfrage ist mit 51 Prozent der Befragten sog­ar die Mehrheit der pol­nis­chen Bevölkerung auf ihrer Seite. Vor der pol­nis­chen Frauen­be­we­gung ste­ht eine harte Auseinan­der­set­zung – inter­na­tionale Sol­i­dar­ität ist dabei unbe­d­ingt wichtig. Ein Beispiel für prak­tis­che Sol­i­dar­ität ist dabei die fem­i­nis­tis­che Gruppe Cio­cia Basia, die von Berlin aus pol­nis­chen Frauen Abtrei­bun­gen in Deutsch­land ermöglicht. Aber auch poli­tis­che Unter­stützung ist zen­tral.

Frauen auf der ganzen Welt müssen dazu auch aus den Erfahrun­gen Ander­er im Kampf gegen die Ver­schär­fung des Abtrei­bungs­ge­set­zes ler­nen, wie beispiel­sweise aus dem Kampf der Frauen im Spanis­chen Staat. Denn es ist kein Zufall, dass ger­ade in Zeit­en der Krise Angriffe auf das kör­per­liche Selb­st­bes­tim­mungsrecht von Frauen aus­ge­führt wer­den. Und umso nötiger ist Wider­stand dage­gen auf ein­er klassenkämpferischen Basis.

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