Brot und Rosen

¿Pan y Rosas?

Warum „Brot und Rosen“? Über eine internationale revolutionär-sozialistische Frauenorganisation

¿Pan y Rosas?

// Warum „Brot und Rosen“? Über eine internationale revolutionär-sozialistische Frauenorganisation //

Am 8. März, dem internationalen Frauenkampftag, gingen Frauen in aller Welt auf die Straße. Die Demonstration in Barcelona hatte eine Besonderheit: An der Spitze liefen Arbeiterinnen der Donutfabrik Panrico, die zu jenem Zeitpunkt bereits seit fünf Monaten gegen Entlassungen gestreikt hatten. Es erinnerte ein bisschen an den sozialistischen Ursprung des Frauenkampftages im Jahr 1910.

Diese Verbindung zwischen ArbeiterInnen- und Frauenbewegung fiel aber nicht vom Himmel. Die revolutionär-sozialistische Frauengruppe Pan y Rosas hatte den Streik von Anfang an unterstützt und die besonderen Probleme der weiblichen Streikenden thematisiert. Dazu führten sie Interviews und machten Videos, genauso halfen sie den Panrico-Frauen, sich mit anderen Kämpfen zu verbinden. Diese Verbindungen machen den Streik bekannter und lassen Solidarität entstehen.

Frauen müssen nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch kämpfen, um sich von ihrer Unterdrückung zu befreien. So waren die Arbeiterinnen von Panrico auch gemeinsam mit Pan y Rosas an den Mobilisierungen gegen die Anti-Abtreibungs-Gesetze beteiligt. In einem Manifest hieß es: „Wir vom Kollektiv Pan y Rosas sind von der dringenden Notwendigkeit überzeugt, sich unabhängig vom Staat, der Kirche und den Parteien der Bosse zu mobilisieren, um unsere Rechte zu erkämpfen.”

Dieses Beispiel zeigt, wie ein Feminismus aussehen kann, für den der Kampf für die Frauenbefreiung nicht auf die Erweiterung demokratischer Rechte im Rahmen des kapitalistischen Staats beschränkt ist. Ein sozialistischer Feminismus bekämpft die Frauenunterdrückung als Teil des Kampfes gegen die kapitalistische Ausbeutung. Gleichzeitig kämpft ein sozialistischer Feminismus auch gegen sexistische Bedingungen und Vorstellungen außerhalb des Arbeitsplatzes. Denn anders als ihnen oft vorgeworfen wird, ist für MarxistInnen die Unterdrückung der Frauen kein bloßer „Nebenwiderspruch“.

„Brot und Rosen“ war das Motto eines Streiks von über 20.000 Textilarbeiterinnen in Lawrence, Massachusetts, im Jahr 1912. Dieser Name wurde 2003 von einer revolutionären Frauengruppe in Argentinien aufgegriffen, die von Aktivistinnen der PTS zusammen mit unabhängigen Frauen gegründet wurde.1 Diese Gruppe hat mittlerweile mehr als 1.000 Mitglieder und kämpft für ein Recht auf Abtreibung (das es bis heute in Argentinien nicht gibt), mobilisiert gegen Menschenhandelsnetzwerke und unterstützt zahlreiche Arbeitskämpfe von Frauen.

In vielen anderen Ländern sind Pan y Rosas-Gruppen entstanden: In Brasilien unterstützten die Genossinnen einen Streik der prekär beschäftigten Reinigerinnen an der Universität; in Mexiko kämpfen sie gegen die Mordserien an Frauen; in Chile kämpfen sie für die Rechte sexueller Minderheiten; und jetzt hat sich auch in Bolivien ein Initiativausschuss für eine solche Gruppe gegründet, nachdem die marxistische Feministin Andrea D‘Atri eine Rundreise durch das Andenland machte.2 Letztes Jahr gründete sich im Spanischen Staat die erste Pan y Rosas-Gruppe in Europa.

Der Zeitpunkt ist bedeutsam: Gerade heute wird wieder stärker ersichtlich, dass Frauen von der Weltwirtschaftskrise sehr viel stärker betroffen sind als Männer. Dies reiht sich ein in einen allgemeinen konservativen Rollback, wenn beispielsweise in Deutschland die „Herdprämie“ eingeführt, im Spanischen Staat neue Anti-Abtreibungs-Gesetze verabschiedet und in Frankreich zu Hunderttausenden gegen gleichgeschlechtliche Ehen mobilisiert wird. Aktuell erwacht in der Krise aber auch wieder der Kampfeswille eines Teils der ArbeiterInnenklasse gegen ihre sich immer mehr verschlechternden Lebensbedingungen. Es zeigt sich der herausragende Protagonismus von Frauen in diesen Kämpfen, sowie ein erstarkendes Interesse von Arbeiterinnen für feministische Forderungen.

Dies steht in scharfem Kontrast zu einem offiziellen Feminismus hierzulande, der abgeschirmt an den Universitäten, fernab der Arbeitsplätze existiert. Dieser „Feminismus“ bürgerlicher Frauen geht so weit, reaktionäre Projekte wie die Merkel-Regierung oder den Afghanistan-Krieg zu unterstützen, die arbeitende Frauen ins Elend reißen. Während der bürgerliche Feminismus nämlich davon ausgeht, dass der größte Teil der „Gleichberechtigung“ schon erreicht wäre, stehen die Zugeständnisse, die die Frauenbewegungen erkämpfen konnte, in der Krise wieder zur Disposition.3 Doch die ersten Anzeichen einer neuen proletarischen Frauenbewegung sorgen auch für ein größeres Interesse daran, den Kampf gegen Unterdrückung und gegen Ausbeutung wieder miteinander zu verbinden.

In Berlin organisierte die Offene Gruppe Marxismus und Geschlecht Ende April die Auftaktveranstaltung einer Diskussionsreihe zur Frage, wie Marxismus und Feminismus zusammengedacht werden können. Mehr als 70 Personen diskutierten zwei Stunden lang angeregt über die Notwendigkeit, einen klassenkämpferischen Feminismus wieder aufzubauen. Besonders die Selbstorganisation von Frauen am Arbeitsplatz müsse gestärkt werden – um im Gegenzug auch die Präsenz arbeitender Frauen und Gewerkschafterinnen in der breiteren Frauen­bewegung zu vergrößern. Die konkrete Verbindung zwischen dem Kampf gegen das Kapital und dem Kampf gegen das Patriarchat ist der notwendige Anknüpfungspunkt zwischen Marxismus und Feminismus, um aus der „unglücklichen Ehe“ (Heidi Hartmann) der beiden eine klassenkämpferische und sozialistische Frauenbewegung neu aufzubauen.

Fußnoten

1. Rote Frauenorganisation.

2. ¡Nace Pan y Rosas – Bolivia!

3. Andrea D‘Atri: Emanzipation der Frauen in Zeiten der weltweiten Krise. In: Klasse Gegen Klasse Nr. 9.

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