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Österreich: wilder Streik wegen Corona gegen Untätigkeit des Unternehmens in Linz

Coronavirus: Beim Kunst- und Schaumstoffhersteller Greiner Perfoam GmbH legten heute früh die Schichtarbeiter*innen für zwei Stunden die Arbeit nieder und hielten trotz Versammlungsverbot eine Kundgebung vor dem Unternehmen statt. Sie begründen dies mit dem “unverantwortlichen Verhalten der Firmenleitung”, die gesundheitliche Risiken ihrer Beschäftigten in Kauf nimmt. Der Betriebsrat und der Produktionsleiter brachten die Streikenden jedoch dazu, den Protest zu beenden und die Arbeit wieder aufzunehmen.

Österreich: wilder Streik wegen Corona gegen Untätigkeit des Unternehmens in Linz

Bild: laumat.at/leserfoto

Fast 300 bestätigte Coro­n­avirus­fälle sind in der Haupt­stadt Oberöster­re­ichs zu verze­ich­nen, in der gesamten Repub­lik sind es bere­its über 1.400. Es ist daher nicht ver­wun­der­lich, dass die Beschäftigten das Ver­hal­ten der Fir­men­leitung ankla­gen, die sich weigert, die Pro­duk­tion auf eine der­ar­tige Weise umzustellen, dass die Gesund­heit der Beschäftigten und ihrer Ange­höri­gen nicht in Gefahr gerät.

Die Schichtarbeiter*innen beschlossen, laut Öster­re­ichis­chem Gew­erkschafts­bund ÖGB auf Anfrage von Klasse Gegen Klasse, vor die Pforten des Unternehmens zu gehen, da inner­halb der Fab­rik keine Ver­samm­lung mit dem notwendi­gen Sicher­heitsab­stand hätte stat­tfind­en kön­nen. Sie zeigen damit, wie das Ver­samm­lungsver­bot wirken soll: die Bevölkerung soll sich weit­ge­hend aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, um die Aus­bre­itung der Pan­demie zu ver­langsamen. Gle­ichzeit­ig soll die Pro­duk­tion weit­er­laufen, damit die Unternehmen daraus Prof­ite schla­gen kön­nen. Der Betrieb­srat stellte sich jedoch nicht hin­ter die Forderun­gen der Arbeiter*innen und pak­tierte mit dem Man­age­ment. Dabei bildet er bei weit­em keine Aus­nahme: der Öster­re­ichis­che Gew­erkschafts­bund ver­han­delt zwar mit „Sozial­part­nern“ um Net­to­er­satzrat­en von 80 Prozent im Falle von Kurzarbeit, brach jedoch die Ver­hand­lun­gen für die Bere­iche Pflege, Soziales und Gesund­heit auf­grund des Virus ab.

Öster­re­ich ist nicht das erste europäis­che Land, in dem Arbeiter*innen sich mit Streiks gegen die Angriffe auf ihr kör­per­lich­es Wohlbefind­en wehren. Im Basken­land hat­ten 5.000 Arbeiter*innen von Mer­cedes Benz am Mon­tag die Pro­duk­tion im Werk von Vito­ria-Gasteiz lah­mgelegt. Sie zeigen, dass die Wahrung der Men­schen­leben nicht im Inter­esse der Fir­men­leit­er ste­ht, die die Gesund­heit ihrer Belegschaft in Kauf nehmen.

Anstatt auf einen Burgfrieden zwis­chen Arbeiter*innen und Kap­i­tal zu set­zen, wie es der ÖGB oder der DGB hierzu­lande tun, zeigen uns diese Beispiele den Weg: um unsere Gesund­heit und Leben zu sich­ern, müssen wir auf unsere eigene Kraft als Arbeiter*innen, Jugendliche und Unter­drück­te ver­trauen. Für selb­stver­wal­teten Hygiene- und Gesund­heit­skomis­sio­nen in allen Betrieben sowie bezahlte Freis­tel­lun­gen mit 100 Prozent des Gehalts.

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