Jugend

“Neue Bildung braucht eine neue Gesellschaft”

Bundesweit bewegt sich seit einiger Zeit im Bereich der Bildungsproteste wieder einiges. Von 2008 bis 2011 gab es mit der Bildungsstreikbewegung das letzte Mal einen Protest, der bundesweit große Aufmerksamkeit erregte und nicht zuletzt viele politisch Aktive von heute hervorbrachte. Nun gibt es seit einiger Zeit das bundesweite Bündnis “Lernfabriken ...Meutern!”, das für Ende Juni 2017 zu Aktionen in ganz Deutschland aufruft. Wir haben mit Timo von der Kölner Ortsgruppe gesprochen. Er ist auch aktiv in der Bezirksschüler*innenvertretung Köln.

“Neue Bildung braucht eine neue Gesellschaft”

“Lern­fab­riken …Meutern!” ist der Titel eur­er Aktio­nen am 21. Juni. Wofür werdet ihr auf die Straße gehen?

Wir kämpfen für ein radikal anderes Bil­dungssys­tem. Das heißt für uns, dass wir miteinan­der statt gegeneinan­der, für uns selb­st und nicht für den Arbeits­markt oder den Lehrer ler­nen möcht­en. Und dabei brauchen wir keine Bew­er­tung unseres Lern­prozess­es. Diese vol­lkom­men neue Bil­dung braucht aber natür­lich auch eine neue Gesellschaft, die diesen Bedin­gun­gen entspricht.

Warum braucht man denn für bessere Bil­dung direkt eine neue Gesellschaft?

Naja, kleinere Refor­men, z.B. die Abschaf­fung von Stu­di­enge­bühren und Kopfnoten, kann man vielle­icht auch so umset­zen. Aber das Bil­dungssys­tem basiert ja trotz­dem, genau­so wie die ganze Gesellschaft, auf dem Prinzip der Konkur­renz und des Wet­tbe­werbs. Schule und Uni sind ja so ungerecht, weil sie uns auf ein ungerecht­es Leben vor­bere­it­en sollen. Und wenn wir alle sol­i­darisch statt gegeneinan­der leben und ler­nen möcht­en, brauchen wir eben eine neue Gesellschaft, die nicht auf dieser Ungerechtigkeit, auf ver­schiede­nen Klassen auf­baut.

Und welche konkreten Forderun­gen beschäfti­gen euch?

Wir ste­hen für G9 und eine ein­heitliche Schul­form, und an den Uni­ver­sitäten sind aktuell die Ablehnung von Stu­di­enge­bühren und Zwang­sex­ma­triku­la­tio­nen ein großes The­ma.
Außer­dem spielt momen­tan natür­lich der Kampf gegen Abschiebun­gen – ins­beson­dere aus der Schule – eine wichtige Rolle im Bere­ich Anti­ras­sis­mus. Am 2. Juni gab es unter dem Mot­to #alle­bleiben schon einen spon­ta­nen Schul­streik dazu. Und ins­ge­samt braucht das Bil­dungssys­tem viel mehr Geld.

Wie kommst du zur Organ­i­sa­tion des Protests? Gab’s einen bes­timmten Aus­lös­er?

2011 war ich in Köln beim Bil­dungsstreik involviert und seit 4 Jahren bin ich in der Bezirksschüler*innenvertretung Köln aktiv. “Lern­fab­riken …Meutern!” ist also genau mein Ding.

Und wer steckt hin­ter “Lern­fab­riken meutern”? Schüler*innen? Stud­is? Kan­ntet ihr euch schon vorher?

2015 haben sich aus ganz Deutsch­land ver­schiedene Men­schen zusam­menge­set­zt, um einen weitre­ichen­deren, radikaleren Bil­dung­sprotest auf die Beine zu stellen. In Köln sind wir vor allem Schüler*innen, Studierende und Lehrkräfte, aber Bil­dung fängt für uns natür­lich trotz­dem schon im Kinder­garten an und hört auch nach der Aus­bil­dung oder Hochschule nicht auf. Viele unter uns waren schon vorher poli­tisch aktiv und manche kan­nten sich auch bere­its, aber ich sehe bei jedem Tre­f­fen ständig neue Gesichter.

Wenn auch ich die Schnau­ze voll vom Bil­dungssys­tem hab, was muss ich dann tun?

Komm auf jeden Fall am 21. Juni zu den Protesten, bestreike einen Tag lang die Uni oder Schule und nimm am besten noch ganz viele Freund*innen mit. Aktio­nen am 21., aber auch während der ganzen Woche find­en in vie­len Städten statt. Infos bekommst du auf lernfabriken-meutern.de oder bei Face­book.

Was muss ich son­st noch für den 21.6. wis­sen? Und was kann ich danach tun?

Je nach Stadt ist die Sit­u­a­tion für Schüler*innen bezüglich Fehlzeit­en unter­schiedlich. In Köln kön­nen wir von der BSV alle Schüler*innen entschuldigen. Außer­dem gibt es neben den bun­desweit­en Demos wie gesagt auch eine Aktionswoche. Damit es dabei aber nicht bleibt, gibt es die Orts­grup­pen natür­lich auch weit­er und unseren Protest auch. Also organ­isiert euch, werdet aktiv und informiert euch. Die Aktiv­en bei “Lern­fab­riken …Meutern!” sind dafür sich­er gute Ansprechpartner*innen.

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