“Neue Bildung braucht eine neue Gesellschaft”

13.06.2017, Lesezeit 4 Min.
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Bundesweit bewegt sich seit einiger Zeit im Bereich der Bildungsproteste wieder einiges. Von 2008 bis 2011 gab es mit der Bildungsstreikbewegung das letzte Mal einen Protest, der bundesweit große Aufmerksamkeit erregte und nicht zuletzt viele politisch Aktive von heute hervorbrachte. Nun gibt es seit einiger Zeit das bundesweite Bündnis “Lernfabriken ...Meutern!”, das für Ende Juni 2017 zu Aktionen in ganz Deutschland aufruft. Wir haben mit Timo von der Kölner Ortsgruppe gesprochen. Er ist auch aktiv in der Bezirksschüler*innenvertretung Köln.

„Lernfabriken …Meutern!“ ist der Titel eurer Aktionen am 21. Juni. Wofür werdet ihr auf die Straße gehen?

Wir kämpfen für ein radikal anderes Bildungssystem. Das heißt für uns, dass wir miteinander statt gegeneinander, für uns selbst und nicht für den Arbeitsmarkt oder den Lehrer lernen möchten. Und dabei brauchen wir keine Bewertung unseres Lernprozesses. Diese vollkommen neue Bildung braucht aber natürlich auch eine neue Gesellschaft, die diesen Bedingungen entspricht.

Warum braucht man denn für bessere Bildung direkt eine neue Gesellschaft?

Naja, kleinere Reformen, z.B. die Abschaffung von Studiengebühren und Kopfnoten, kann man vielleicht auch so umsetzen. Aber das Bildungssystem basiert ja trotzdem, genauso wie die ganze Gesellschaft, auf dem Prinzip der Konkurrenz und des Wettbewerbs. Schule und Uni sind ja so ungerecht, weil sie uns auf ein ungerechtes Leben vorbereiten sollen. Und wenn wir alle solidarisch statt gegeneinander leben und lernen möchten, brauchen wir eben eine neue Gesellschaft, die nicht auf dieser Ungerechtigkeit, auf verschiedenen Klassen aufbaut.

Und welche konkreten Forderungen beschäftigen euch?

Wir stehen für G9 und eine einheitliche Schulform, und an den Universitäten sind aktuell die Ablehnung von Studiengebühren und Zwangsexmatrikulationen ein großes Thema.
Außerdem spielt momentan natürlich der Kampf gegen Abschiebungen – insbesondere aus der Schule – eine wichtige Rolle im Bereich Antirassismus. Am 2. Juni gab es unter dem Motto #allebleiben schon einen spontanen Schulstreik dazu. Und insgesamt braucht das Bildungssystem viel mehr Geld.

Wie kommst du zur Organisation des Protests? Gab’s einen bestimmten Auslöser?

2011 war ich in Köln beim Bildungsstreik involviert und seit 4 Jahren bin ich in der Bezirksschüler*innenvertretung Köln aktiv. „Lernfabriken …Meutern!“ ist also genau mein Ding.

Und wer steckt hinter „Lernfabriken meutern“? Schüler*innen? Studis? Kanntet ihr euch schon vorher?

2015 haben sich aus ganz Deutschland verschiedene Menschen zusammengesetzt, um einen weitreichenderen, radikaleren Bildungsprotest auf die Beine zu stellen. In Köln sind wir vor allem Schüler*innen, Studierende und Lehrkräfte, aber Bildung fängt für uns natürlich trotzdem schon im Kindergarten an und hört auch nach der Ausbildung oder Hochschule nicht auf. Viele unter uns waren schon vorher politisch aktiv und manche kannten sich auch bereits, aber ich sehe bei jedem Treffen ständig neue Gesichter.

Wenn auch ich die Schnauze voll vom Bildungssystem hab, was muss ich dann tun?

Komm auf jeden Fall am 21. Juni zu den Protesten, bestreike einen Tag lang die Uni oder Schule und nimm am besten noch ganz viele Freund*innen mit. Aktionen am 21., aber auch während der ganzen Woche finden in vielen Städten statt. Infos bekommst du auf lernfabriken-meutern.de oder bei Facebook.

Was muss ich sonst noch für den 21.6. wissen? Und was kann ich danach tun?

Je nach Stadt ist die Situation für Schüler*innen bezüglich Fehlzeiten unterschiedlich. In Köln können wir von der BSV alle Schüler*innen entschuldigen. Außerdem gibt es neben den bundesweiten Demos wie gesagt auch eine Aktionswoche. Damit es dabei aber nicht bleibt, gibt es die Ortsgruppen natürlich auch weiter und unseren Protest auch. Also organisiert euch, werdet aktiv und informiert euch. Die Aktiven bei “Lernfabriken …Meutern!” sind dafür sicher gute Ansprechpartner*innen.

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