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Nach langem Kampf gegen Outsourcing: Reiniger*innen an Universität in Santiago werden eingegliedert

Nach fast 10 Jahren gemeinsamer Kämpfe von Reinigungskräften und Studierenden der Universidad de Santiago de Chile (USACH) gegen Outsourcing haben sie die Eingliederung in die Institution erreicht – im Kontext der aktuellen Massenrebellion. Von Robert Samstag

Nach langem Kampf gegen Outsourcing: Reiniger*innen an Universität in Santiago werden eingegliedert

Bild: La Izquier­da Diario Chile

Das Out­sourc­ing der Reini­gungskräfte an der Uni­ver­si­dad de San­ti­a­go de Chile (USACH), ein­er der tra­di­tion­sre­ich­sten öffentlichen Hochschulen im Land, wird been­det. Dies hat­te die Hochschulleitung in der ver­gan­genen Woche beschlossen, nach­dem die Arbeiter*innen seit Jahren gegen die schlecht­en Arbeits­be­din­gun­gen kämpften. Am ver­gan­genen Fre­itag fand eine Vol­lver­samm­lung der Gew­erkschaft der Reini­gungs- und Gartenarbeiter*innen der Uni­ver­sität statt, um über diese Entwick­lun­gen zu disku­tieren und den Sieg zu feiern.

Die Sit­u­a­tion wurde schon lange bekämpft — bere­its 2009 hat­te es einen wilden Streik der Reinigungsarbeiter*innen der USACH gegeben, die damit auf ihre prekären Arbeits­be­din­gun­gen, schlechte Löhne und eine von ihnen erwartete extreme Flex­i­bil­ität, aufmerk­sam macht­en. Studierende ver­schieden­er Insti­tute unter­stützten den Kampf und gin­gen eben­falls in den Streik. Doch die Hochschule blieb stur.

Als 2011 mas­sive Studieren­den­proteste kosten­lose Bil­dung forderten, wur­den rasch auch die Arbeits­be­din­gun­gen der Hochschulbeschäftigten the­ma­tisiert. Seit­dem gehören das Ende von Out­sourc­ing und die Demokratisierung der Hochschulen mit tat­säch­lichen Mit­spracherecht­en für die Beschäftigten zu den Haupt­forderun­gen der Studieren­den.

2016 kon­nten die Reiniger*innen eine Gew­erkschaft grün­den, die Gew­erkschaft der Reini­gungs- und Gartenarbeiter*innen der USACH. Im sel­ben Jahr fand auch eine Tar­i­fau­seinan­der­set­zung statt, die auch von den Studieren­den mit Kam­pag­nen und Aktio­nen unter­stützt wurde. Doch wieder schob die Hochschule dem Ende des Out­sourc­ing einen Riegel vor und wälzte die Ver­ant­wor­tung für die Beschäftigten und ihre Arbeits­be­din­gun­gen auf das Sub­un­ternehmen ab.

Laut ein­er Studie der SOL Stiftung Bürg­er­lichen Rechts ist das Out­sourc­ing der Reini­gungskräfte eine gängige Prax­is an chilenis­chen Hochschulen. Die Arbeits­be­din­gun­gen der Reiniger*innen sind von unzure­ichen­der Ausstat­tung, schlecht­en Löh­nen und dem Miss­brauch durch Vorge­set­zte geprägt.

2019 wen­dete sich das Blatt: Im Rah­men ein­er aktuell stat­tfind­en­den Hochschul­re­form kon­nten die Arbeiter*innen gemein­sam mit den Studieren­den ihre Forderun­gen ein­brin­gen und wur­den für den lan­gan­hal­tenden Kampf belohnt. Auch die Eingliederung der Hochschulbeschäftigten in Hochschu­lor­gane wird disku­tiert, wobei die Vorschläge der Hochschulleitung weit hin­ter den Forderun­gen nach tat­säch­lich­er Demokratisierung zurück­bleiben.

Ein wichtiger Grund für dieses Zugeständ­nis wird neben dem Durch­hal­tev­er­mö­gen der Reiniger*innen auch die Massen­re­bel­lion gewe­sen sein, die ger­ade in Chile stat­tfind­et. Mil­lio­nen Men­schen fordern auf den Straßen Bil­dung, Gesund­heit, Arbeit und ein würde­volles Leben. Diese Bewe­gung erre­icht auch immer mehr die Arbeiter*innenklasse, die bish­er in drei Gen­er­al­streiks – beson­ders im Bil­dungs- und Gesund­heitssek­tor, aber auch den strate­gis­chen Häfen – ihre Kraft unter Beweis gestellt hat, das Land lah­mzule­gen. In allen Bere­ichen ver­lieren die Men­schen die Angst und stellen höhere Erwartun­gen und Forderun­gen. Das Ende des Out­sourcings der Reiniger*innen an der USACH ist ein Erfolg des jahre­lan­gen Kampfes von Arbeiter*innen im Bünd­nis mit den Studieren­den, aber auch Ergeb­nis dieser verän­derten Sit­u­a­tion.

Auch hier in Deutsch­land ist diese Nachricht von Bedeu­tung. Das Out­sourc­ing hat sich seit der Agen­da 2010 zusam­men mit Mini-Jobs und ein­er all­ge­meinen Prekarisierung mas­siv aus­ge­bre­it­et. Beson­ders Reini­gungskräfte sind davon betrof­fen, auch an den Hochschulen. Vor weni­gen Monat­en macht­en zwei Reini­gungskräfte der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin auf ihre schlecht­en Arbeits­be­di­gun­gen als out­ge­sourcte Reinigerin­nen aufmerk­sam, worauf sich ein Sol­i­dar­ität­skomi­tee von Studieren­den gegrün­det hat. Das Komi­tee sucht seit­dem die Verbindung mit den Reini­gungskräften und set­zt sich für bessere Arbeits­be­din­gun­gen und die Eingliederung der Reiniger*innen ein.

Erfol­gre­iche Kämpfe wie der der Beschäftigten vom Botanis­chen Garten in Berlin, die die Wiedere­ingliederung in die Freie Uni­ver­sität erre­ichen kon­nten, zeigen, dass es auch in Deutsch­land möglich ist, gegen Out­sourc­ing zu kämpfen.

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