Frauen und LGBTI*

Nach der Kundgebung im Trocadéro: der 101. Femizid.

Die Anzahl an Frauenmorden in Frankreich hat 2019 im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Unsere Genossinnen von Du Pain Et Des Roses schließen sich dem Aufruf der #Femmesgiletsjaunes an, gegen diese patriarchale Gewalt zu protestieren.
Wir spiegeln hier eine Übersetzung ihres Artikels auf Révolution Permanente.

Nach der Kundgebung im Trocadéro: der 101. Femizid.

Während am Son­ntag im Tro­cadéro eine Kundge­bung zur Anklage des 100. Fem­izids von 2019 stat­tfand, wurde eine 92-jährige Frau im Départe­ment Tarn von ihrem Mann getötet. Dieser neue Fem­izid kommt wenige Tage vor dem von der Staatssekretärin für die Gle­ich­stel­lung der Geschlechter, Mar­lène Schi­ap­pa, organ­isierten “Run­den Tisch”.

Die Zahl der Fem­izide in Frankre­ich ist dieses Jahr stetig gestiegen. Am Sam­stag, den 31. August, wurde eine weit­ere Frau von ihrem Mann in Cagnes-sur-mer (Alpes-Mar­itimes) getötet. Sie wurde zu Tode geprügelt und unter einem Haufen Müll aufge­fun­den. Wenige Stun­den zuvor hat­te ein Nach­bar die Polizei über einen “Ehekon­flikt” in der gle­ichen Straße informiert. Dieser neue Mord brachte die Zahl der Fem­izide im Jahr 2019 auf sym­bol­is­che 100. Für das gesamte Jahr 2018 wur­den 121 Morde an Frauen durch ihre Part­ner oder Ex-Part­ner von der Regierung gemeldet, eine Frau alle drei Tage. Seit Anfang 2019 ist es ein Frauen­mord alle zwei Tage. Wie viele weit­ere wer­den bis Ende des Jahres auf diese grausige Liste geset­zt?

Angesichts des Aus­maßes der geschlechtsspez­i­fis­chen Gewalt, von der Fem­izid — der Mord an Frauen wegen ihres Geschlechts — der akuteste Aus­druck ist, mobil­isieren Tausende von Frauen inter­na­tion­al. In Frankre­ich trafen sich am 24. Novem­ber 2018 Tausende von Men­schen zu Demon­stra­tio­nen anlässlich des Tages gegen Gewalt gegen Frauen. Seit­dem haben sich Aktio­nen und Kundge­bun­gen gegen Frauen­morde im ganzen Land vervielfacht. Am 6. Juli 2019 ver­sam­melten sich in Paris 2000 Men­schen auf Ini­tia­tive der Fam­i­lien der Opfer, um die Untätigkeit der Regierung anzuprangern und die Öffentlichkeit zu alarmieren. Am Son­ntag, den 1. Sep­tem­ber, fand auf Ini­tia­tive des Kollek­tivs #NousToutes eine weit­ere Kundge­bung im Tro­cadéro in Paris statt, um diesen hun­dert­sten Mord zu verurteilen. Bei dieser Gele­gen­heit zeigten Hun­dert Demonstrant*innen 100 Schilder, die auf der einen Seite die Zahlen von 1 bis 100 und auf der anderen Seite den Namen jed­er getöteten Frau zeigten. Ziel dieser Aktion war es, sowohl das Aus­maß des Phänomens zu zeigen, als auch diesen Frauen und dieser unsicht­baren Gewalt eine Iden­tität zu ver­lei­hen. Am sel­ben Tag wurde im Départe­ment Tarn die 101. Frau von ihrem Mann getötet. Sie starb, nach­dem sie von ihrem Mann mit Fäusten und Stöck­en geschla­gen wor­den war, und erin­nert uns grausam daran, dass es drin­gend notwendig ist, auf das Aus­maß dieser patri­ar­chalen Gewalt zu reagieren.

Die Aktion im Tro­cadéro fand wenige Tage vor dem “Run­den Tisch” statt, der von der Staatssekretärin für Gle­ich­stel­lung, Mar­lène Schi­ap­pa, ein­berufen wurde. Seit Beginn der präsi­den­tiellen Amt­szeit ver­sucht die Regierung, sich einen fortschrit­tlichen Anstrich zu geben, indem sie die soge­nan­nte Geschlechter­gle­ich­stel­lung zu einem Schw­er­punkt des “Macro­nis­mus” macht. Wir kön­nen jedoch nichts von ein­er Regierung erwarten, deren Geset­ze Frauen ver­ar­men und prekär­er wer­den lässt. Dadurch wer­den Frauen immer anfäl­liger für die Gewalt, die die Regierung vorgibt anzuprangern. Als Kollek­tiv von “Du Pain et Des Ros­es” (Brot und Rosen) haben wir am 8. Sep­tem­ber auf Ini­tia­tive der “Femmes Gilets jaunes” (Gelb­west­en-Frauen) den Aufruf zur Kundge­bung gegen geschlechtsspez­i­fis­che Gewalt, aber auch gegen die Heuchelei der Regierung und ihres “Run­den Tischs” unterze­ich­net.

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