Jugend

Liebe Hochschulen, wo ist euer Hygienekonzept?

Mit dem Start des Wintersemesters finden Seminare und Vorlesungen an den Hochschulen wieder in Präsenz statt. Doch von einer Uni, an der es sich mit sicherem Gefühl lernen lässt, kann keine Rede sein.

Liebe Hochschulen, wo ist euer Hygienekonzept?
Foto: Matej Kastelic/ Shutterstock.com

Studentischer Alltag in den letzten anderthalb Jahren: für jedes Seminar nur auf einen Laptopbildschirm starren, keinen wirklichen Austausch mit anderen Studierenden haben und gefühlt nur vom Bett zum Schreibtisch und zurück pendeln – anstrengend, Kräfte raubend und frustrierend. Umso mehr haben sich Studierende gefreut, als verkündet wurde, dass ab diesem Semester wieder Präsenzseminare an der Uni angeboten werden können. Ein Lichtblick, endlich wieder wirklich an die Unis zu gehen, in Präsenz lernen zu können, Kommiliton:innen zu sehen und der Isolation zuhause vielleicht etwas mehr zu entkommen als letztes Wintersemester.

Doch die Ernüchterung über die Wiedereröffnung der Hochschulen ließ nicht lange auf sich warten. Obwohl für die Öffnung von Schulen immer wieder betont wurde, wie wichtig Luftfilter, regelmäßige Schnelltests, kleine Gruppen und Lüften sind, scheinen die Universitäten in vielen Fällen nichts von den besprochenen Hygienemaßnahmen behalten zu haben. Dass Präsenzveranstaltungen an Hochschulen stattfinden würden, war seit Längerem absehbar, trotzdem mangelt es hinten und vorne an vernünftiger Vorbereitung auf die Massen an Studierenden, die seit dem Start des Wintersemesters wieder an die Uni gehen.

Die Freude wieder an der Uni zu sein, sich zwischen Seminaren und Vorlesungen wieder mit Komilliton:innen, die plötzlich nicht mehr nur kleine Kästchen auf dem Bildschirm des Laptops sind, austauschen zu können, wird überschattet durch ein Gefühl starker Verunsicherung. Fallzahlen steigen, fast ein Viertel der Menschen auf den Coronastationen in den Krankenhäusern liegen dort trotz Impfung. Der letzte Winter hat uns gezeigt, dass die kalte Jahreszeit im Vergleich zum Sommer mit einer Verschlimmerung der epidemischen Lage einhergeht. Umso größer war deshalb die Hoffnung, dass uns an den Unis wegen der langen Vorbereitungszeit und den mittlerweile gut bekannten Maßnahmen gegen das Virus ein sichereres Hygienekonzept für entspanntes Lernen erwarten wird – doch davon ist nichts zu sehen.

Die ernüchternde Realität

Diverse Möglichkeiten, durch die man ein sicheres Miteinander gestalten kann, wie z.B. Luftfilter, kleinere Menschengruppen, regelmäßiges Testen und Lüften, sind schon seit längerem bekannt. Und trotzdem tun die Universitäten so, als ob sie noch nie was davon gehört hätten. Denn Selbsttests sind nicht zugänglich, es sei denn man bezahlt sie aus eigener Tasche, Hörsäle sind mit zu vielen Studierenden überfüllt, die 3G-Regel wird nur ab und zu überprüft, gelüftet wird, wenn überhaupt, nur Studierende danach fragen und trotzdem ist es okay die Masken abzunehmen.

Dazu kommt noch eine Präsenzpflicht, welche nur bei einem positiven Corona-Test oder offensichtlichen Symptomen entfällt, völlig außer Acht lassend, dass Schnelltests eine hohe Fehlerquote haben und Corona bei Geimpften asymptomatisch verlaufen kann.

Trotz des zeitlichen Vorlaufs, den die Universitäten hatten um sich ein vernünftiges Unterrichtskonzept zu überlegen, lässt der bestehende Mix zwischen Online- und Präsenzunterricht extrem zu wünschen übrig. Oft können Studierende sich nicht sicher sein, ob ihr Kurs nun tatsächlich stattfindet oder nicht, und die Zeiten zwischen dem Online- und Präsenzunterricht sind oft zu kurz, um den Ort zu wechseln. So landen die meisten dann in einer völlig überfüllten Mensa mit hunderten von Studierenden,  weil keine Räumlichkeiten zum ruhigen Lernen zur Verfügung gestellt werden.

Durch all diese mangelhaften Maßnahmen kommt nicht das Gefühl auf, dass es sicher ist in die Uni zu gehen, was dazu führt, dass die Studierenden entweder mit Angst oder gar nicht kommen, weil ihnen das Gesundheitsrisiko zu groß ist.

Schuld trägt nicht nur die Regierung mit ihrer abgemilderten Coronapolitik, die das Gefühl vermittelt, dass Corona kein Problem mehr ist, sondern auch die Unis, welche zum Teil riesige Haushaltsüberschüsse haben und diese Gelder aber nicht in ein Vernünftiges Hygienekonzept stecken wollen.

Für mehr Sicherheit und Selbstbestimmung

Deshalb ist es wichtig an den Unis Druck aufzubauen, damit es kostenlose Selbsttests vor Ort gibt und Luftfilter in allen Räumen, denn eine Impfung ist keine Garantie nicht doch Corona zu kriegen. Studierende, Dozierende und die Beschäftigten der Universitäten sollten sich zusammentun und selbstbestimmt entscheiden können, wie ein Hygienekonzept an den Unis aussehen sollte, weil sie diejenigen sind, die am meisten von den Konsequenzen betroffen sind und nach anderthalb Jahren Pandemie die nötige Erfahrung haben, um bestimmen zu können, was gebraucht wird und was nicht.

So könnten sie gemeinsam festlegen, wie sie die 3G-Regel untereinander kontrollieren wollen, ab wann es zu viele Studierende in einem Seminar sind, wie das Verhältnis von Online- und Präsenzunterricht sein sollte, sowie eine Auflockerung der Präsenzpflicht, um aufeinander mehr Rücksicht nehmen zu können. Orte, an denen wir arbeiten und studieren, sollten wir kontrollieren.

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