Antirassismus

Leticia Parks: Im Kampf der Schwarzen gegen Ausbeutung die Spielregeln ändern

Ausgehend von den militanten Protesten in den USA hat sich der Kampf gegen den Rassismus wie eine Flut weltweit ausgebreitet. Leticia Parks, die in der MRT, der brasilianischen Sektion der FT-CI, unserer internationalen Strömung, ist, sprach bei der internationalen Veranstaltung über die Notwendigkeit der gemeinsamen Organisierung von Schwarzen und weißen Arbeiter*innen, jenseits von den verräterischen Gewerkschaften und reformistischen Parteien.

Leticia Parks: Im Kampf der Schwarzen gegen Ausbeutung die Spielregeln ändern

Leticia Parks ist Lehrerin, Kolumnistin von Esquerda Diário, ein Mitglied der MRT [Bewegung revolutionärer Arbeiter*innen] und Gründerin der Schwarzen, antikapitalistischen Gruppierung Quilombo Vermehlo. Zusammen mit Marcello Pablito ist sie Autorin des Buchs „Revolution und Schwarze Befreiung” über die Geschichte des Schwarzen Kampfes in Brasilien.

Auf der vergangenen internationalen Veranstaltung unserer internationalen Strömung sprach sie über die Realität Schwarzer und dabei insbesondere Schwarzer Frauen im südamerikanischen Land und die Strategie, die ihren Kampf zum Sieg führen wird.

Wir spiegeln hier ihre Rede, die auch ab Minute 31:07 nachzuhören ist.

Kinder durch Polizeikugeln, prekäre Arbeit, Coronavirus oder brutale kapitalistische Ausbeutung verloren

Hallo liebe Genossinnen und Genossen,

Die größten Massenproteste in der Geschichte der USA gegen den imperialistischen Rassismus haben in Brasilien Großdemonstrationen gegen die reaktionäre Regierung von Bolsonaro, Mourão und Militär beflügelt und beeinflusst. Aber auch wegen der tragischen Situation wegen der Pandemie, die unser Land bereits zum Spitzenreiter an Toten und Infizierten macht, die immense Mehrheit davon sind Schwarze. Zig Tausende, darunter selbst Fußballfans, sind bei den antifaschistischen und antirassistischen Demonstrationen auf die Straße gegangen. Dabei riefen wir die Namen von João Pedro und so vielen anderen, die von der Polizei ermordet wurden. Schwarze Leben zählen!

Als ich das Video dieses schwarzen Mädchens in den Vereinigten Staaten sah, das schrie: „Keine Gerechtigkeit, kein Frieden!“ habe ich über die Situation aller Mütter in Brasilien nachgedacht, die ihre Kinder durch Polizeikugeln, prekäre Arbeit, Coronavirus oder sogar brutale kapitalistische Ausbeutung verlieren – Kinder, die von Geburt an kein Recht auf Leben und keine Entscheidungsgewalt über ihre eigene Zukunft haben, wie der kleine fünfjährige Miguel, der, während seine Mutter, ein Dienstmädchen, mit dem Hund ihres Chefs spazieren ging, vom Chef der Mutter allein im Aufzug ausgesetzt wurde und schließlich vom Gebäude runterfiel. Dies ist ein Symbol für das Vermächtnis der Sklaverei im Leben der immensen Masse Schwarzer Frauen und den Schmerz, den sie täglich in Brasilien erleiden.

Gerechtigkeit bedeutet, nicht nur Spieler auf dem Spielfeld auszutauschen

Diese kapitalistischen Tragödien spielen sich unter der Bolsonaro-Regierung ab, einem Präsidenten, der, obwohl er die Gefahren der Pandemie leugnet, selbst infiziert ist. Eine Regierung, die der faschistischste Ausdruck des politischen Regimes, Erbe des institutionellen Putsches von 2016, ist. Es war ein von der aristokratischen und rassistischen Justiz artikulierter Putsch, die politische Operationen zum Regierungswechsel gegen den Willen des Volkes organisierte, wie wir bei der willkürlichen Verhaftung von Lula sehen konnten. Ein rassistischer Autoritarismus der Justiz, die Schwarze massenhaft inhaftiert und während der Regierungen der PT [Partei der Arbeiter] verstärkt wurde. Heute erleben wir ein politisches Regime mit dem ultra-neoliberalen Paulo Guedes an der Spitze, der arbeiter*innenfeindliche Reformen und Privatisierungen durchführt und das Leben der Schwarzen prekärer macht. Ein Kongress, in dem Parteien ihre Stimmen für Gefälligkeiten verkaufen, rassistische Polizist*innen, die Milizen organisieren, um junge Schwarze zu ermorden, und die Armut unter dem Vorwand des „Kriegs gegen den Drogen“ kriminalisieren. Deshalb setzen wir uns mit aller Kraft für die Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung des Staates nach Gerechtigkeit für Marielle Franco ein, eine Schwarze, lesbische Stadträtin der PSOL [Sozialismus- und Freiheitspartei], die brutal ermordet wurde. Und wir müssen auch sagen, dass dies ein Regime ist, das unter der Aufsicht des Militärs steht, die für ihre Verbrechen während der Diktatur ungestraft davon gekommen sind, und nun mit Mourão als Vizepräsidenten.

Deshalb kämpfen wir für den Sturz von Bolsonaro und Mourão, aber auch für den Sturz dieses ganzen verrotteten Regimes, wohl wissend, dass uns institutionelle Lösungen wie ein Amtsenthebungsverfahren nicht helfen werden. Deshalb kämpfen wir für eine freie und souveräne Verfassungsgebende Versammlung, die nicht nur die Spieler auf dem Spielfeld austauscht, sondern auch die Regeln des Spiels selbst ändert, indem sie den Weg für eine wahre Volkssouveränität ebnet, die über die großen Probleme der arbeitenden Massen entscheiden kann. In diesem Prozess treten wir für die Selbstorganisation der Arbeiter*innen ein, um für eine Regierung der Arbeiter*innen zu kämpfen, die mit dem Kapitalismus bricht, diesem elenden System, das sich Rassismus und Patriarchat bedient, um mehr Prekarität, Gewalt und Elend gegenüber Frauen und Schwarzen durchzusetzen. Der Kampf der Schwarzen muss ein Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung sein.

Der Reformismus will den Kapitalismus verwalten während wir das Leben mit den Augen Schwarzer Frauen sehen

Aber es muss auch gesagt werden: Während der Kampf in den USA die Jugend und die Arbeiter*innen hier beeinflusst hat, haben die Gewerkschaften und insbesondere die PT, durch ihr Gewicht in den Gewerkschaften wie die CUT [Vereinte Arbeiterzentrale], die Kämpfe gespalten und die Arbeiter*innen dazu aufgerufen, wegen der Pandemie zu Hause zu bleiben. Somit haben sie einen brutalen Waffenstillstand mit der Regierung aufrechterhalten, zu einem Zeitpunkt, wo Lieferfahrer*innen im ganzen Land sich erhoben haben mit einem starken Streik der Tausenden von Jugendlichen von Rappi, Ifood, UberEats, mehrheitlich Schwarze. Diese auf Wahlen fixierte Passivität und der Boykott der Kämpfe in den Gewerkschaften ist nur ein weiterer Ausdruck der Politik einer Partei, die in ihren Regierungen den Weg für die Rechten frei gemacht hat, indem sie damit begonnen hat, Kürzungspläne umzusetzen und sich mit der Agrarindustrie und der evangelikalen Fraktion verbündet hat. Während den PT-Regierungen nahm das Outsourcing von vier auf zwölf Millionen exponentiell zu, und das Volk von Haiti wurde von den UN-Truppen unter Führung Brasiliens massakriert.

Genau deshalb sind sich der Reformismus und all seine Varianten unfähig, die Unterdrückung von Schwarzen und Frauen zu beenden, weil sie den Kapitalismus verwalten wollen. Die sich abzeichnenden breiten Fronten, in denen Sektoren der PSOL mit Putschist*innen und Unternehmer*innen zusammenkommen, sind bereits der Beweis für eine Niederlage mit Vorankündigung. Die Einheit, die wir brauchen, ist die der Arbeiter*innenklasse, die mehrheitlich weiblich und Schwarz ist, Seite an Seite mit unseren ausgebeuteten weißen, indigenen, LGBTI- und migrantischen Geschwistern.

Wie Leo Trotzki sagte: Um ein Revolutionär zu sein, muss man das Leben mit den Augen der Frauen sehen. In diesem Moment der Schwarzen Wut und der brutalen rassistischen und patriarchalen Gewalt, rufe ich euch alle auf, das Leben mit den kraftvollen Augen Schwarzer Frauen zu sehen, die überall auf der Welt nichts zu verlieren haben – außer ihren Fesseln.

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