Geschichte und Kultur

Leo Trotzki: Das Übergangsprogramm (1938)

Leo Trotzki: Das Übergangsprogramm (1938)

Es ist erstaunlich, wie manche Pas­sagen, die der rus­sis­che Rev­o­lu­tionär Leo Trotz­ki in einem Doku­ment über die „Auf­gaben der Vierten Inter­na­tionale“ im Jahr 1938 schrieb, im Angesicht der kap­i­tal­is­tis­chen Krise aktuell klin­gen. So der Abschnitt über die „Enteig­nung bes­timmter Grup­pen von Kap­i­tal­is­ten“, die ziem­lich genau das beschreibt, was die Arbei­t­erIn­nen von Zanon gemacht haben. Ihre Strate­gie ist näm­lich die Umset­zung des marx­is­tis­chen Pro­gramms:

Die Enteig­nung bes­timmter Grup­pen von Kap­i­tal­is­ten

Das sozial­is­tis­che Pro­gramm der Enteig­nung – d.h. des poli­tis­chen Sturzes der Bour­geoisie und der Besei­t­i­gung ihrer wirtschaftlichen Herrschaft – darf uns auf keinen Fall in der gegen­wär­ti­gen Über­gangspe­ri­ode, wenn die Gele­gen­heit sich bietet, davon abhal­ten zu fordern, daß bes­timmte Indus­triezweige, die für die nationale Exis­tenz am wichtig­sten sind, oder bes­timmte Grup­pen der Bour­geoisie, die am par­a­sitärsten sind, enteignet wer­den.

So stellen wir den wim­mern­den Predigten der Her­ren Demokrat­en über die Dik­tatur der „60“ Fam­i­lien in den Vere­inigten Staat­en oder der „200“ Fam­i­lien in Frankre­ich die Forderung nach Enteig­nung dieser 60 oder 200 Feu­dalka­p­i­tal­is­ten ent­ge­gen. Genau­so fordern wir die Enteig­nung der monop­o­lis­tis­chen Gesellschaften der Kriegsin­dus­trie, der Eisen­bah­nen, der wichtig­sten Rohstof­fquellen usw.

Der Unter­schied zwis­chen diesen Forderun­gen und der ver­wasch­enen reformistis­chen Losung der „Nation­al­isierung“ beste­ht in fol­gen­dem:

1. Wir lehnen die Entschädi­gung ab;

2. Wir war­nen die Massen vor den Schar­la­ta­nen der Volks­front, die zwar ein Lip­pen­beken­nt­nis für die Nation­al­isierung abgeben, in Wirk­lichkeit aber Agen­ten des Kap­i­tals bleiben;

3. Wir rufen die Massen dazu auf, nur auf ihre rev­o­lu­tionäre Kraft zu ver­trauen;

4. Wir verbinden die Frage der Enteig­nung mit der Frage der Arbeit­er und Bauern­macht.

Die Notwendigkeit, die Losung der Enteig­nung in der täglichen Agi­ta­tion, und demzu­folge bruch­stück­haft, und nicht nur von einem pro­pa­gan­dis­tis­chen Gesicht­spunkt aus unter ihrer ver­all­ge­mein­erten Form auszugeben, ergibt sich aus der Tat­sache, daß die ver­schiede­nen Indus­triezweige unter­schiedliche Entwick­lungsstufen erre­icht haben, im Leben der Gesellschaft von unter­schiedlich­er Bedeu­tung sind und unter­schiedliche Sta­di­en im Klassenkampf durch­laufen. Nur der all­ge­meine rev­o­lu­tionäre Auf­schwung des Pro­le­tari­ats kann die all­ge­meine Enteig­nung der Bour­geoisie auf die Tage­sor­d­nung set­zen. Es ist Ziel der Über­gangs­forderun­gen, daß Pro­le­tari­at auf die Lösung dieses Prob­lems vorzu­bere­it­en.

Quelle: marxists.org

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