Jugend

“Lasst uns TVStud als Beispiel nehmen und die Uni und die Gesellschaft von Kopf bis Fuß neu gestalten!”

Bei der studentischen Vollversammlung an der Freien Universität Berlin sprach Sören Luxbach über die Verbindung zwischen dem Kampf der studentischen Beschäftigten, dem Kampf gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft, und der Perspektive einer grundlegend anderen Gesellschaft.

Mein Name ist Sören, ich spreche heute für die marx­is­tis­che Hochschul­gruppe “Waf­fen Der Kri­tik”, die bei den Stu­pawahlen die Offene Liste gegen Recht­sruck und Prekarisierung angestoßen hat und die Web­seite KlasseGegenKlasse.org mit­be­treibt.

Der Arbeit­skampf der Stu­den­tis­chen Beschäftigten in Berlin ist nicht nur eine Geschichte von lange zurück liegen­den Errun­gen­schaften ohne “Update”. Es ist auch die Geschichte von vie­len gescheit­erten Organ­isierungsver­suchen in diesen Jahren, mit vie­len Tricks der Unileitun­gen und Ver­säum­nis­sen der Gew­erkschafts­führun­gen. Diese Kam­pagne hat es nun also nach mehr als zwei Jahren geschafft, aus der Kette der Nieder­la­gen auszubrechen und tausende neue Gew­er­schaftsmit­glieder zu organ­isieren. Auch wir sind seit Langem in der Kam­pagne dabei und mit ihr durch viele Höhen und Tiefen gegan­gen! Dabei haben wir stets auf die bre­ite Selb­stor­gan­isierung und Kraft der Basis gepocht. Unser­er­seits fol­gt die Beteili­gung an dieser Kam­pagne einem ganz ein­fachen Prinzip:

Unser entsch­ieden­er Wille ist es, dass die TVS­tud-Kam­pagne siegre­ich sein muss und wir wer­den alle unsere Kräfte dafür auf­brin­gen, damit dieser Kampf gewon­nen wird!

Die Kam­pagne von TVS­tud hat in viel­er­lei Hin­sicht Mod­ellcharak­ter: Es ist eine Kam­pagne, in der ver­schiedene Grup­pen und Aktivist*innen sich zusam­men­find­en und für bes­timmte Forderun­gen kämpfen, die mit bre­it­er Selb­stor­gan­isierung und Aktion­sein­heit durchge­set­zt wer­den kön­nen. Schon von Anfang an lief die Kam­pagne im Ver­gle­ich zu anderen gew­erkschaftlichen Kämpfen beson­ders kreativ und demokratisch ab – den bre­itesten und höch­sten Aus­druck dessen sehen wir jet­zt in den Streik­grup­pen und Streikver­samm­lun­gen.

Aber um wirk­lich erfol­gre­ich zu wer­den, müssen wir bei allem Erre­icht­en noch viel bre­it­er wer­den! Lasst uns noch ein­mal einen Weck­ruf durch die FU schick­en – Wir rufen hier nochmal alle anderen sol­i­darischen Hochschul­grup­pen und stu­den­tis­chen Ini­tia­tiv­en auf, ihrer Sol­i­dar­ität einen realen Aus­druck zu ver­lei­hen und sich an der Kam­pagne an der FU und darüber hin­aus zu beteili­gen!

Eben­so haben wir immer auch nicht nur die Ein­heit zwis­chen den Stu­den­tis­chen Beschäftigten und den übri­gen Studieren­den gesucht, son­dern auch immer wieder die Sol­i­darisierung mit anderen Kämpfen und Betrieben: Botanis­ch­er Garten, prekäre Beschäftigte in den Berlin­er Kranken­häusern, … und ger­ade erst gestern schick­ten wir eine Del­e­ga­tion zum Kampf der IG Met­all, die ger­ade nicht nur für höhere Löhne, son­dern auch für 28 Stun­den Wochenar­beit­szeit kämpft. Diese Sol­i­dar­ität unter Kolleg*innen, wie uns andere Kämpfe zeigen, ist uner­lässlich für unseren Erfolg.

Wir brauchen mehr von diesen Aktion­sein­heit­en, mehr von der Ausweitung unser­er demokratisch geführten Kam­pagne und mehr von den konkreten Verbindun­gen zu anderen Bere­ichen und Betrieben!

Denn dieser Kampf find­et inmit­ten des Panora­mas eines Deutsch­lands statt, das Jahre und Jahrzehn­te­lang nichts als zunehmende Prekarisierung und Angriffe auf unsere Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen gese­hen hat! Was bedeutet Prekarisierung heute? Als jün­gere Gen­er­a­tio­nen ken­nen wir qua­si gar keine andere Real­ität als poli­tis­che Bewe­gungslosigkeit, unbezahlte Prak­ti­ka, Kurzarbeit, Lei­har­beit, Kürzun­gen und so weit­er und so fort… ins­beson­dere seit Hartz IV. In Kurz­form: Unsere Lebens-und Arbeits­be­din­gun­gen wer­den schlechter und unsicher­er, während die Prof­ite munter weit­er durch die Decke gehen!

Diese Sit­u­a­tion hat auch in vie­len Arbeiter*innen eine starke sub­jek­tive Alter­na­tiv- und Per­spek­tivlosigkeit aus­gelöst, was auch dazu geführt hat, dass rechte Parteien mit einem starkem faschis­tis­chen Flügel wie die AfD an Zulauf gewin­nen und der Recht­sruck über­all spür­bar ist.

An der Uni schla­gen wir zwei Arten vor, um gegen den Recht­sruck zu kämpfen:
1. Wir wollen den Kampf gegen die Prekarisierung an der Uni weit­er aufnehmen und ausweit­en, sowohl an der FU selb­st über alle Beschäftigten­grup­pen hin­weg, als auch in der sol­i­darischen Verbindung mit anderen Sek­toren.
2. Den konkreten Kampf führen gegen die AfD, gegen Angriffe der Regierung und gegen die alltägliche Unter­drück­ung an der Uni — aber auch darüber hin­aus auf der Straße. Noch ist die AfD nicht in Form ein­er Stu­di­en­s­tiftung oder Hochschul­gruppe an der FU aufge­taucht, aber an anderen Unis ist dies schon längst Real­ität. Auf diesen Tag sind wir vor­bere­it­et: Lassen wir ihnen keinen Fußbre­it Platz an unser­er Uni­ver­sität!

Lasst uns in dieser Kam­pagne und darüber hin­aus auch über die strate­gis­chen Fra­gen disku­tieren. Wir kämpfen so entschlossen wie möglich für diesen Tar­ifver­trag, doch wir kämpfen für weit mehr als diesen Tar­ifver­trag. Wir wollen eine ganz andere Uni­ver­sität und eine ganz andere Gesellschaft erschaf­fen! Wir wollen eine Uni­ver­sität, an der im Inter­esse der Studieren­den, der Beschäftigten und der Unter­drück­ten in der Gesellschaft gel­ernt, gelehrt, geforscht und gear­beit­et wird! Alle sollen Zugang zu ihr haben und es soll eine Uni­ver­sität sein, in der jed­er Men­sch mit ein­er Stimme über alle rel­e­van­ten Fra­gen entschei­den kann. Wenn wir an unsere Streikver­samm­lun­gen und Basis­grup­pen­tr­e­f­fen denken, ist dies gar nicht so schw­er vorstell­bar!

Doch dieser Kampf ist nicht zu denken ohne einen Kampf, der Antworten gibt auf die grundle­gen­den Übel in dieser kap­i­tal­is­tis­chen Gesellschaft der Aus­beu­tung und Unter­drück­ung. Wir kämpfen für den Auf­bau ein­er Bewe­gung in der ganzen Gesellschaft, die soziale und demokratis­che Rechte erkämpft, für eine neue sozial­is­tis­che Gesellschaft frei von Unter­drück­ung und Aus­beu­tung! Lasst uns an der Uni zum Auf­bau so ein­er Bewe­gung beitra­gen, lasst uns weit­er­hin Aktion­sein­heit­en bilden, Lasst uns TVS­tud als Beispiel nehmen und die Uni und die Gesellschaft von Kopf bis Fuß neu gestal­ten!

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