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Studis und Metaller*innen streiken gemeinsam [mit Video]

Studierende von der Universität und Arbeiter*innen aus der Metallindustrie – kann das gut gehen? Am Dienstag Nachmittag in Berlin-Zehlendorf klappte das erstaunlich gut.

Studis und Metaller*innen streiken gemeinsam [mit Video]

Wie wür­den die Metallarbeiter*innen auf die Studieren­den reagieren? Vielle­icht wür­den sie sagen “Geht doch arbeit­en!” und so weit­er. Aber nein. Der Emp­fang war nicht nur her­zlich, son­dern fast begeis­tert.

150 Arbeiter*innen von der Fir­ma Hach Lange GmbH in Berlin-Zehlen­dorf trat­en am Dien­stag Nach­mit­tag in einen Warn­streik. Seit über zwei Wochen führt die IG Met­all Warn­streiks durch, um sechs Prozent mehr Lohn und ein Recht auf Teilzeitar­beit zu erkämpfen.

Eben­falls am Dien­stag streik­ten die stu­den­tis­chen Beschäftigten an Berlins Hochschulen. An der Freien Uni­ver­sität nah­men einige Hun­dert am Aus­stand teil. Da der Cam­pus Düp­pel der FU nur ein paar hun­dert Meter von Hach Lange ent­fer­nt liegt, was kön­nte näher liegen als ein sol­i­darisch­er Besuch?

“Wir haben seit 2001 keine Lohn­er­höhung bekom­men”, erk­lärte Rosa Ryczko vor der Metaller*innen-Kundgebung. “Das heißt, wir wer­den noch genau­so bezahlt wie zu Zeit­en, bevor es den Euro gab.” Die Stu­dentin arbeit­et in der Leih­stelle der Uni­ver­sitäts­bib­lio­thek und bekommt dafür 10,98 Euro die Stunde. Die Gew­erkschaften fordern 14 Euro.

“Und 2003 wurde uns auch noch das Wei­h­nachts­geld gestrichen”, ergänzte Yunus Özgür, eben­falls streik­ende Hil­f­skraft an der FU. Stu­den­tis­che Beschäftigte haben viele Gemein­samkeit­en mit Metallarbeiter*Innen. “Auch für uns steigen die Mieten”, so Özgür, und in bei­den Sek­toren wer­den befris­tete Verträge und Lei­har­beit einge­set­zt.

Die IG Met­all fordert in der Tar­ifrunde ein Recht auf Teilzeit, und ein Recht auf die Rück­kehr in die Vol­lzeit. Das ist eine Frage, die nicht nur die Met­allindus­trie trifft. “Wir leben nicht nur um zu arbeit­en”, erk­lärte Stephan Möller, Betrieb­sratsvor­sitzen­der bei Hach Lange, auf der Kundge­bung. Nötig sind “Arbeit­szeit­en, die zu unseren Leben passen”, und nicht anders herum.

Klaus Abel, erster Bevollmächtigter der IG Met­all in Berlin, ergänzte, dass die Forderung für Frauen beson­ders wichtig ist, die wegen des Zwangs zur Kinder­be­treu­ung oft nicht mehr aus der Teilzeit her­auskom­men kön­nen.

In bei­den Streiks geht es nicht nur um ein­fache Lohn­forderun­gen. Es geht um das Recht auf Sicher­heit beim Arbeit­en. Deswe­gen passen sie – trotz ange­blich­er Vorurteile zwis­chen Stud­is und Metaller*innen – so gut zusam­men. Die Stud­is haben ihrer­seits ihre Kolleg*innen aus der Indus­trie ein­ge­laden, am Don­ner­stag bei einem Streik zu sprechen.

An den Warn­streiks der IG Met­all haben bis Dien­stag 626.000 Arbeiter*innen in ganz Deutsch­land teilgenom­men. Hach Lange GmbH stellt Sys­teme zur Wass­er- und Abwasser­analyse her und beschäftigt am Stan­dort Zehlen­dorf um die 500 Men­schen.

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