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Metall-Tarifrunde: Scheppert‘s dieses Jahr?

Normalerweise verlaufen die IG-Metall-Tarifrunden fast geräuschlos. Doch dieses Jahr sieht es anders aus. Neben mehr Lohn liegt die Forderung nach der Möglichkeit verkürzter Arbeitszeit auf dem Tisch. Die Bosse laufen heiß. Scheppert‘s also bald noch so richtig?

Metall-Tarifrunde: Scheppert‘s dieses Jahr?

Normalerweise verlaufen die Tarifrunden der Metall- und Elektrobranche in den ruhigen Gewässern der Sozialpartnerschaft. Die Gewerkschaftsbürokratie stellt eine Lohnforderung auf, von der sie schon vorher weiß, dass dann zirka die Hälfte davon herauskommt. Dazu wird dann zu ein paar Warnstreiks aufgerufen, ein bisschen Stimmung gemacht und so schnell die Tarifrunde begann, ist sie auch schon wieder vorbei. Dieses Jahr aber sieht’s etwas anders aus.

Die IGM warnt vor einer schnellen Eskalation. So meinte Jörg Hoffmann, Vorsitzender der IGM, „mehr als zwei oder drei Wochen Warnstreiks machen keinen Sinn. Dann müssen wir im Februar über 24-Stunden-Streiks nachdenken.“ Während die Warnstreiks aufgrund der oft sehr kurzen Arbeitsniederlegung kaum wirtschaftliche Schäden anrichten, können 24-Stunden-Streiks eine gesamte Produktionskette verzögern. Den Bossen macht dies eher Angst. Gestern gingen bundesweit 15.000 Arbeiter*innen auf die Straße, um deutlich zu machen, dass sie hinter den erhobenen Forderungen stehen. Die größte Kundgebung gab es in Stuttgart bei Porsche mit 3.000 Beschäftigten.

Die IGM fordert nicht nur sechs Prozent mehr Lohn für die 3,9 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektrobrache, sondern auch die Möglichkeit der Arbeitszeitverkürzung auf 28 Wochenstunden für 24 Monate. Dies soll für zwei Beschäftigungsgruppen mit einem teilweisen Lohnausgleich möglich sein: So sollen Arbeiter*innen, die Kinder unter 14 Jahren zu betreuen oder Familienangehörige zu pflegen haben einen Entgeltzuschuss in Höhe von 200 Euro monatlich erhalten. Schichtarbeiter*innen sollen 750 Euro im Jahr als Ausgleich erhalten.

Erinnerungen werden wach an die großen Streiks der IG Metall, so zum Beispiel in den 1980er-Jahren. Dort wurde eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 40 auf zunächst 38,5 Stunden erreicht, was dann in den 1990er-Jahren auf 35 reduziert wurde. Und noch früher die Kämpfe für die Fünf-Tage-Woche in den 1950er-Jahren mit der Kampagne „Samstags gehört Vati mir“. Diese und weitere Streiks, wie die um das Krankengeld, für mehr Urlaub und das dreizehnte Monatsgehalt wurden stets zuerst in der Metall- und Elektrobranche erkämpft. Und weil diese Tarifverträge richtungsweisend sind für weitere Branchen, laufen die Bosse auch ziemlich Sturm.

Bereits Ende des letzten Jahres kündigten die Chefs über ihre Interessensverbände an, gegen die Streiks klagen zu wollen. Das ist in der Metallbrache relativ unüblich, wo eigentlich die „Tarifpartner“ ohne gerichtliche „Hilfe“ entscheiden. So machte Arbeitgeberpräsident, Ingo Kramer auch deutlich, „dass es nicht sein kann, dass Arbeitnehmer entscheiden, ob sie arbeiten wollen“. Die Unternehmen sind der Ansicht, dass die Streiks deshalb rechtswidrig seien, weil das Recht auf Kürzung der Arbeitszeit nur für Vollzeitbeschäftigte gelten solle und damit Teilzeitbeschäftigte diskriminiere. Die IGM entgegnete, dass sie dann auch für die Reduktion der Arbeitszeit von Teilzeitarbeiter*innen streiken würde.

Den Bossen stößt diese Forderung aber nicht nur sauer auf, weil ein teilweiser Lohnausgleich für die verkürzte Arbeitszeit vorgesehen ist und sie keine Kontrolle über die Verkürzungen haben, sondern vor allem, weil sie volle Auftragsbücher, jedoch Facharbeiter*innenmangel haben. So fürchten sie, dass sie ihre Aufträge nicht schnell genug abarbeiten lassen können, um ihren Profit zu realisieren. Deshalb waren schon zum Ende des vergangenen Jahres Forderungen von Seiten des Gesamtverbandes Metall laut geworden, die im Arbeitszeitgesetz limitierte Arbeitszeit weiter zu lockern. Das Arbeitszeitgesetz sieht jedoch schon eine Sechs-Tages-Regelarbeitswoche mit acht Stunden pro Tag, also die 48-Stunden-Woche vor.

Der Tarifkonflikt macht deutlich, dass das Buisness-as-usual der vergangenen Jahre nicht mehr ziehen kann. So machen die Bosse seit Jahren wieder gute Geschäfte, für 2017 wird mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 2,2 Prozent gerechnet. Gleichzeitig nimmt die Prekarisierung, auch in der Metallbrache, dort insbesondere für Leiharbeiter*innen, zu. Die Arbeiter*innen fordern somit logischerweise ihr Recht auf höheren Lohn ein.

Die Forderung der IGM ist ein guter Schritt, eine offensive Forderung. Allerdings sollte diese Forderung mit einer Forderung gegen Prekarisierung verknüpft werden. Schluss mit der Leiharbeit bei einer Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich und der gleichzeitigen Mehrbeschäftigung von Arbeiter*innen, das sollte die konsequente Fortsetzung sein.

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