Deutschland

Krise in Argentinien 2001, Krise in Europa 2011

Bericht vom Lux­em­burg-Liebknecht-Lenin-Woch­enende-2012 in Berlin

Krise in Argentinien 2001, Krise in Europa 2011

// Bericht vom Lux­em­burg-Liebknecht-Lenin-Woch­enende-2012 in Berlin //

Am 15. Jan­u­ar gedachte eine Demon­stra­tion von 5.000 Men­schen des 93. Jahrestages der Ermor­dung von Rosa Lux­em­burg und Karl Liebknecht, Grün­derIn­nen der Kom­mu­nis­tis­chen Partei Deutsch­lands. Die Rev­o­lu­tionäre Inter­na­tion­al­is­tis­che Organ­i­sa­tion (RIO), sym­pa­thisierende Sek­tion der Trotzk­istis­chen Frak­tion – Vierte Inter­na­tionale (FT-CI) in Deutsch­land, organ­isierte ein Woch­enende voller Diskus­sio­nen um dieses Gedenken herum.

Guil­lo Pis­tone­si, Führungsmit­glied der Partei Sozial­is­tis­ch­er Arbei­t­erIn­nen (PTS) aus Argen­tinien, besuchte Berlin für eine Diskus­sionsver­anstal­tung am Fre­itag über die rev­o­lu­tionären Tage in Argen­tinien vor 10 Jahren. Dutzende Men­schen disku­tierten über die Lehren aus den großen Kämpfen gegen die neolib­eralen Maß­nah­men, die damals in Argen­tinien durchge­set­zt wur­den und heutzu­tage in Griechen­land und Ital­ien durchge­set­zt wer­den, um die Währung und die kap­i­tal­is­tis­chen Prof­ite zu ret­ten. Achsen der Diskus­sion waren zum einen die Erfahrun­gen mit Pro­duk­tion unter Arbei­t­erIn­nenkon­trolle in den Fab­riken Bruk­man und Zanon (RIO gab eine Neuau­flage ein­er Broschüre über Zanon her­aus) als Alter­na­tive zu Schließun­gen und Ent­las­sun­gen, und zum anderen die Arbeit von Trotzk­istIn­nen, um eine pro­le­tarische Lösung der Krise voranzutreiben.

Am fol­gen­den Tag disku­tierte ein lan­desweites Sem­i­nar von RIO die The­o­rie der per­ma­nen­ten Rev­o­lu­tion von Trotz­ki und ihre Bedeu­tung angesichts der offe­nen rev­o­lu­tionären Prozesse in Ägypten und anderen Län­dern der ara­bis­chen Welt. Daran nah­men auch mehrere Jugendliche von “Red Brain” teil, ein­er Schü­lerIn­nen­gruppe, die mit RIO zusam­me­nar­beit­et.

Schließlich ver­sam­melten sich unter ein­er für den Berlin­er Win­ter ungewöhn­lichen Sonne mehrere tausend Men­schen um 10 Uhr mor­gens, in ihrer großen Mehrheit von ver­schiede­nen stal­in­is­tis­chen Organ­i­sa­tio­nen – von unter­schiedlichen Zer­fall­spro­duk­ten der DDR über diverse maois­tis­che Frak­tio­nen bis hin zu vie­len türkischen Organ­i­sa­tio­nen –, um zum Fried­hof zu laufen und rote Blu­men abzule­gen. Am gle­ichen Tag ver­sam­melten sich 500 Men­schen der “Occupy”-Bewegung im Rah­men eines glob­alen Aktion­stags. Die Trotzk­istIn­nen von RIO inter­ve­nierten auf bei­den Demon­stra­tio­nen mit Trans­par­enten, auf denen “Die Kap­i­tal­istIn­nen sollen ihre Krise selb­st bezahlen!” und “Für die Ein­heit zwis­chen Arbei­t­en­den und Studieren­den!” zu lesen war.

Ein Red­ner von RIO fasste die Sit­u­a­tion des Klassenkampfes in Deutsch­land mit einem Zitat von Dick­ens zusam­men, der sich auf die Epoche der großen Franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion bezog: “Die beste aller Zeit­en und die schlecht­este aller Zeit­en.” Im Ver­lauf der Krise errang die deutsche Bour­geoisie Vorteile gegenüber ihren wichtig­sten impe­ri­al­is­tis­chen Konkur­rentIn­nen, was bish­er ein gewiss­es Wach­s­tum und Sta­bil­ität ermöglicht hat – Sta­bil­ität, die frag­il erscheint und angesichts der neusten Wirtschafts­dat­en möglicher­weise zu Ende geht.

Seit dem let­zten Lux­em­burg-Liebknecht-Lenin-Woch­enende von RIO war ein Jahr ver­gan­gen, und in dieser kurzen Zeit haben wir Massenkämpfe wie den Ara­bis­chen Früh­ling, den Spanis­che Mai, die “Occupy”-Bewegung in den USA und viele mehr gese­hen. Aber in dieser “besten aller Zeit­en” für die Rev­o­lu­tionärIn­nen auf inter­na­tionaler Ebene sehen wir noch die “schlecht­este aller Zeit­en” in Deutsch­land mit viel Pas­siv­ität und Reformis­mus.

In dieser Sit­u­a­tion ist es die Auf­gabe von Rev­o­lu­tionärIn­nen, sich in den kleinen kämpferischen Sek­toren der Arbei­t­erIn­nen und der Jugendlichen zu ver­ankern, die sich in den anfänglichen Kämpfen her­aus­bilden. In diesem Sinne war es sehr pos­i­tiv, dass wir an diesem Woch­enende sowohl mit Studieren­den und Schü­lerIn­nen, die über die Bil­dung­sproteste der let­zten Monate mobil­isiert wur­den, sowie mit Arbei­t­erIn­nen von der Char­ité Facil­i­ty Man­age­ment (CFM), die nach einem dreizehn­wöchi­gen Streik einen Teilsieg errangen, disku­tieren und demon­stri­eren kon­nten.

Mit diesen GenossIn­nen wollen wir Lux­em­burg und Liebknecht gedenken, in dem wir eine Organ­i­sa­tion auf­bauen, die ihren Kampf fort­set­zt: Eine große rev­o­lu­tionäre Partei der Arbei­t­erIn­nen und der Jugend als Teil der Vierten Inter­na­tionale.

Bilder vom Week­end auf Flickr

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