Jugend

Klimaaktivist:innen besetzen Hörsaal an der Uni Göttingen

Eine neue Gruppe will der Klimabewegung mit Schul- und Unibesetzungen neues Leben einhauchen: End Fossil: Occupy. Auftakt war die Besetzung der Uni in Göttingen.

Klimaaktivist:innen besetzen Hörsaal an der Uni Göttingen
Foto: Lorenz Sand

Am Abend des 24.10 besetzten Aktivist:innen der Gruppe EndFossil: Occupy einen der größten Hörsäle des Zentralcampus der Universität Göttingen. Zuvor hatte im Hörsaal ein Klimavortrag stattgefunden. Die Aktivist:innen von EndFossil: Occupy Göttingen stellten daraufhin konkrete Forderungen an die Universitätsleitung: Diese sind unter anderem ein Dekarbonisierungsplan bis 2030, bauliche und betriebliche Maßnahmen mit dem Ziel der Klimaneutralität, eine Ausrichtung der Lehre auf sozial-ökologische Transformation und ein Bemühen um finanzielle Mittel bei den zuständigen Stellen. Außerdem bezog man sich auf die bundesweiten Forderungen von EndFossil: Occupy. Diese beinhalten die Schuldenstreichung für abhängige Länder, den Energiesektor der Profitlogik zu entziehen, den Erhalt Lützeraths, die Verkehrswende für Alle und den Anschluss an die Forderungen von der Kampagne „Genug ist Genug“. Strategie von EndFossil: Occupy ist ein Wiederaufleben der Klimastreiks von 2019, ergänzt durch die Besetzung von Hörsälen und Schulen. 

Die Besetzung dauerte bis Freitag, den 28.10. In den fünf Tagen der Besetzung wurde ein alternatives Programm mit verschiedenen Vorträgen, Workshops und Austauschmöglichkeiten angeboten. Auch regulär stattfindenden Vorlesungen wurde Raum geboten, mit der Bedingung, die Klimakrise in die Vorlesung zu integrieren. Die Aktivist:innen organisierten die Besetzung basisdemokratisch mit Küfa, Awarenessteam und täglichen Plena. Auch eine studentische Vollversammlung wurde einberufen. Zwischenzeitlich versammelten sich rechte Burschenschaften vor dem Hörsaal und versuchten die Besetzung zu stören, jedoch kam es zu keinen schlimmeren Zwischenfällen. 

Die Universitätsleitung sah von einer Räumung ab und ließ sich auf eine Diskussion mit den Aktivist:innen ein. Während der Diskussion zeigte man sich sehr offen für die Forderungen und stellte eine längerfristige Kooperation in Aussicht. Nach Ende der Diskussion wurde von der Unileitung der Hörsaal, mit Hilfe der zentral gesteuerten Klimaanlage, sehr stark heruntergekühlt. Die Aktivist:innen sollten also zermürbt werden, während ihnen in der Diskussion vermeintliche Zugeständnisse gemacht wurden. 

Beendet wurde die Besetzung mit einer Kundgebung auf dem Campus der Universität Göttingen, mit der Ankündigung wiederzukommen. EndFossil: Occupy will weltweit diese Strategie anwenden, um Druck auf die Universitäten und die Politik auszuüben. 
Es ist zu begrüßen, dass die Klimabewegung sich teilweise radikalisiert und Besetzungen als strategisches Mittel nutzen will. Auch dass EndFossil: Occupy von individueller Konsumkritik absieht, finden wir gut und werden weiter beobachten, wie sich die Kampagne entwickelt. Es wurden bereits weitere Besetzungen in unterschiedlichen deutschen Städten angekündigt. 

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