Deutschland

Italiener*innen berichten aus dem Hamburger Gefängnis

Drei Wochen nach dem G20-Gipfel sitzen immer noch 35 Menschen in Haft – mindestens die Hälfte von ihnen sind Ausländer*innen. Die Vorwürfe sind an Absurdität nicht zu überbieten. Zwei Italiener*innen berichten aus dem Gefängnis.

Italiener*innen berichten aus dem Hamburger Gefängnis

Eine 23-jährige Ital­iener­in und ein 17-jähriger Ital­iener sitzen seit drei Wochen im Gefäng­nis in Ham­burg. Ein Bekan­nter von ihnen berichtet gegenüber Klasse Gegen Klasse, dass die bei­den nicht mal wis­sen, was ihnen vorge­wor­fen wird.

Die Mut­ter der jun­gen Frau durfte ihre Tochter bish­er nur eine Stunde lang im Gefäng­nis besuchen. Um neue Klei­dung zu bekom­men, müsste sie For­mu­la­re auf Deutsch aus­füllen, aber die Sprache kann sie nicht. Deswe­gen hat sie beim Besuch die gle­ichen Jeans getra­gen, die sie auf der Demo anhat­te.

Die Italiener*innen dür­fen auch keine Briefe bekom­men. Auch um Büch­er zu bekom­men, müssten sie For­mu­la­re aus­füllen, die nur auf Deutsch sind. In der Bib­lio­thek gibt es auch auss­chließlich Büch­er auf Deutsch.

Die deutschen For­mu­la­re wer­den ger­ade vom ital­ienis­chen Kon­sulat über­set­zt, damit man dieses Prob­lem lösen kann. Durch das Kon­sulat kon­nte inzwis­chen auch die erste Klei­derk­iste geliefert wer­den. Den­noch ist klar, dass die Regeln gezielt zur Schikanierung gedacht sind. Der Bekan­nte kom­men­tiert: “Dies ist eine recht faschis­tis­che Weise, um Gefan­gene zu ent­mündi­gen.”

Wie die Süd­deutsche Zeitung berichtet, ist das kein Einzelfall. Min­destens „fünf Ital­iener (…), drei Fran­zosen, zwei Nieder­län­der, zwei Russen, zwei Ungarn, ein Schweiz­er, ein Öster­re­ich­er, ein Pole und ein Tscheche” wer­den noch fest­ge­hal­ten.

Die Ankla­gen sind äußerst vage: Manche sollen in ein­er Menge gewe­sen sein, aus der Steine auf Polizist*innen geflo­gen seien. Ihnen wird kein straf­bares Ver­hal­ten zur Last gelegt – nur der Gum­mi­para­graph „Land­friedens­buch”. Ein junger Mann aus Polen wurde am Bahn­hof mit einem Pfef­fer­spray (!) festgenom­men. Auch er sitzt seit drei Wochen in Unter­suchung­shaft.

Diese Prax­is ist äußerst diskri­m­inierend, da Men­schen mit deutschem Pass zu Hause auf einen Prozess warten kön­nen.

Genau­so sitzt noch ein junger Vater aus Greif­swald, der mit einem vol­lkom­men harm­losen Laser­point­er auf einen Polizei­hub­schrauber gezielt haben soll.

Die end­losen Lügen der Ham­burg­er Polizei wack­eln immer mehr – über die “mar­o­dieren­den Gewalt­täter”, die ange­blich fast 500 Cops ver­let­zt hät­ten. In Wirk­lichkeit hat die Polizei während des Gipfels min­destens einige hun­dert Demonstrant*innen schw­er ver­let­zt. Und nun ver­sucht sie an Einzel­nen (am lieb­sten Ausländer*innen) ein Exem­pel zu sta­tu­ieren, um diese Gewal­torgie nachträglich zu recht­fer­ti­gen.

Wir ver­lan­gen die sofor­tige Freilas­sung aller Gefan­genen!

2 thoughts on “Italiener*innen berichten aus dem Hamburger Gefängnis

  1. MO sagt:

    Wo ist der Text. LINK fehlt.

    1. webmaster sagt:

      Welch­er Text?

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