Deutschland

Hat die Polizei Todesangst vor Laserpointern?

Ein 27jähriger sitzt seit einer Woche in Untersuchungshaft in Hamburg. "Versuchter Mord" lautet der Vorwurf der Polizei. Der Greifswalder hatte während des G20-Gipfels mit einem Laser auf einen Polizeihubschrauber gezielt. Wie sich nun immer stärker herausstellt: Mit einem völlig harmlosen Laserpointer.

Hat die Polizei Todesangst vor Laserpointern?

Laseran­griffe auf Flugzeuge und Hub­schrauber sind extrem gefährlich. Ein Laser mit ein­er Leis­tung von 500 oder 1.000 Mil­li­watt kann in einem Bruchteil ein­er Sekunde dauer­hafte Schä­den im men­schlichen Auge verur­sachen, auch aus erhe­blich­er Ent­fer­nung. Noch vom Boden aus kön­nen Pilot*innen geblendet wer­den.

Solche Laser sind in Deutsch­land ver­boten – kön­nen aber rel­a­tiv leicht aus dem Aus­land beschaf­fen wer­den. Doch wie bei jedem gefährlichen Gegen­stand kommt es auf die Größe an. Ein 10-Kilo-Stein kann einen Men­schen sofort töten. Wenn wir die Größe um das tausend­fache verklein­ern, also auf 10 Gramm, sinkt auch die Gefahr entsprechend.In Deutsch­land zuge­lassen sind Laser mit ein­er Leis­tung bis zu einem Mil­li­watt. Das ist laut der Zulas­sung “bei kurzzeit­iger |Bestrahlungs­dauer (bis 0,25 s) für das Auge unge­fährlich.” Legale Laser­point­er sollte man auf keinen Fall aufs Auge richt­en – und trotz­dem kann man ohne Sor­gen die eigene Katze damit ärg­ern.

Nach den Protesten in Ham­burg wurde berichtet, dass ein 27-jähriger Mann aus Greif­swald einen Polizei­hub­schrauber mit einem Laser zum Absturz brin­gen wollte. Wegen des Ver­dachts des ver­sucht­en Mordes sitzt er seit ein­er Woche in Untersuchungshaft.Jede große Zeitung brachte diese Mel­dung über diesen Mord­ver­such. Jede*r Leser*in wird an eine gefährliche Waffe gedacht haben. Doch fast eine Woche später kam eine kleine “Ergänzung”, die nur ganz unten in einem Artikel in der Süd­deutschen Zeitung zu lesen war:

Der Mann sitzt in U‑Haft. Seine ange­bliche Tat­waffe indes war ein Dis­co-Laser, heißt es inzwis­chen im Lan­deskrim­i­nalamt, TÜV-geprüft für den Haus­ge­brauch und unge­fährlich. In ein paar Tagen ist Haft­prü­fung.

Noch hat die Polizei nicht gesagt, welche Stärke der einge­set­zte Laser hat­te, obwohl die Zahl fast immer am Gehäuse dieser Appa­rate ste­ht. Aber wir kön­nen davon aus­ge­hen, dass sie längst detail­lierte Infos veröf­fentlicht hätte, wenn es irgend­was zu bericht­en gäbe. Gut möglich, dass die Pilot*innen Angst beka­men, dass sie es mit einem gefährlichen Laser zu tun hät­ten. Aber eine Gefahr war es trotz­dem nicht – zumin­d­est nicht größer als eine Taschen­lampe. Denn jede Lichtquelle kann einen Men­schen kurz blenden. Hier ist eine Kerze genau­so gefährlich wie ein Laser­point­er.

Die Ham­burg­er Mor­gen­post bringt das Tragis­che an dieser Geschichte. Der mut­maßliche Laser­point­er-Bedi­ener, Nico B., war kein Schw­erver­brech­er mit Mord­lust. Den Laser strahlte er laut Vor­wurf aus seinem eige­nen Fen­ster in Altona und war entsprechend leicht zu find­en. Die Zeitung zitiert seine Ver­lobte:

Anni­ka S. (Name geän­dert): „Nico ist ein lieben­der Fam­i­lien­vater. Ihm war nicht bewusst, dass er jeman­dem schaden kön­nte.“ Die gemein­same vier­jährige Tochter hätte durch den Hub­schrauber-Lärm Angst gehabt und nicht ein­schlafen kön­nen.

Nico B. war ein­er von Zehn­tausenden Hamburger*innen, die durch die polizeiliche Besatzung ihrer Stadt schikaniert wur­den. Wie Anwohner*innen berichteten, haben diese Hub­schrauber eine Woche lang unaufhör­lich ger­at­tert. Sie wur­den auch einge­set­zt, um Bewohner*innen des Protest­camps vom Schlafen abzuhal­ten.

Wir fordern die sofortige Freilassung von Nico B.!

Die Schuld für die ganze Episode trägt ein­deutig die Polizei und die Regierung, die unzäh­lige Ham­burg­er Kinder beängstigte, um den roten Tep­pich für die schlimm­sten Verbrecher*innen der Welt auszurollen. Wenn der Vor­wurf des Laser­point­ers stimmt, ist die Repres­sion gegen Nico B. offen­sichtlich unangemessen. “Ver­suchter Mord” ist absurd – vor allem wenn man bedenkt, dass Polizeikräfte in Ham­burg aus näch­ster Nähe mit Laser-Ziel­hil­fen auf Sanitäter*innen ziel­ten!

Das ist nur eine weit­ere Lüge der Ham­burg­er Polizei, um ihr anti­demokratis­ches Vorge­hen zu recht­fer­ti­gen. Sie hat­ten Stur­mgewehre und Panz­er – haben sie wirk­lich mehr Angst als kleine Katzen?

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