Iran: Arbeiter:innen und Unterdrückte gemeinsam gegen das Regime

30.01.2026, Lesezeit 3 Min.
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Logo der Busfahrergewerkschaft Teheran und Umland via instagram.com

Wir veröffentlichen ein Statement der Busfahrer:innengewerkschaft von Teheran und Umland, das die Massaker des Islamischen Regimes während der Januar-Revolte verurteilt und für die Einheit und Organisierung der iranischen Arbeiter:innenkasse plädiert.

Die unterdrückten Menschen unseres Landes trauern erneut um ihre Kinder. Dieses Mal ist die Tötung von Protestierenden, die sich gegen die wirtschaftlichen und sozialen Politiken der Islamischen Republik richten, noch umfassender und schrecklicher als die Straßenmassaker der 1980er-Jahre sowie die Tötungen im Dezember 2017/Januar 2018, im November 2019 und im September 2022. Der gewaltige Schock, der die Gesellschaft erfasst hat, kommt nicht daher, dass wir überrascht sind – denn wir wussten stets, zu welchem Ausmaß an Niedertracht und Brutalität die herrschenden repressiven Kräfte fähig sind –-, sondern vielmehr aus der Tatsache, dass die Machthaber ohne die geringste Rücksicht beschlossen haben, ein Massaker an Tausenden Kindern dieses Landes zu verüben. Dies ist ein weiterer Beweis für das endgültige Ende jeglicher Hoffnung auf Veränderung innerhalb des Systems, selbst für die optimistischsten und illusionärsten Menschen.

Die herrschende Macht hat erneut gezeigt, dass sie dem Leben der Menschen und unserer Kinder keinerlei Wert beimisst. Wie kann man ein solches Massaker begehen und dann mit dem grausamsten und unmenschlichsten Verhalten die Leichen der Getöteten vor den Augen der Öffentlichkeit zur Schau stellen? Kann eine solche Regierung auch nur das geringste Maß an Legitimität im Bewusstsein der Menschen bewahren?

Nach der Veröffentlichung der Erklärung unserer Gewerkschaft mit dem Titel „Unterstützung des gerechten Kampfes des Volkes; Voranschreiten zu wirklicher Freiheit und Gleichheit, nicht Rückkehr in die Vergangenheit“, wurden auch wir – wie mehr als 93 Millionen Menschen im ganzen Land – des Zugangs zum Internet und zu anderen Kommunikationsmitteln beraubt; ein systematischer Blackout, der bis in die letzten Tage andauerte und selbst jetzt noch keine verlässliche Kommunikation zulässt. Dennoch betont die Gewerkschaft weiterhin ihr grundlegendes und unverletzliches Prinzip: dass die wirkliche Befreiung der Menschen im Iran nur durch kollektive Führung sowie durch die bewusste, organisierte und unabhängige Zusammenarbeit der gesamten Arbeiter:innenklasse mit anderen unterdrückten gesellschaftlichen Schichten im Inneren des Landes möglich ist – und nicht durch militärische Intervention der Vereinigten Staaten und Israels oder durch andere machthungrige ausländische Staaten sowie deren Verbündete.

Wir verurteilen entschieden das Massenmorden an den entrechteten Menschen des Landes, sprechen als Gewerkschaft den Familien und Angehörigen der im Januar-Aufstand Getöteten unser aufrichtiges Beileid aus und fordern die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Inhaftierten.

Täglich erreichen uns Nachrichten über Hinrichtungen. Die Regierung muss wissen, dass selbst die Hinrichtung tausender politischer Gefangener in den 1980er-Jahren die Menschen nicht daran hindern konnte, weiterhin Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit zu fordern. Die heutigen Massenmorde und Hinrichtungen finden in einer weitaus größeren, bewussteren und vielfältigeren Gesellschaft statt und werden deshalb nicht nur außerstande sein, die tiefen sozialen Proteste und Unzufriedenheiten einzudämmen, sondern im Gegenteil das Ausmaß des öffentlichen Zorns vergrößern. Der für die Menschen und das Land günstigste Weg besteht darin, dass ihr alle unverzüglich zurücktretet und die Maschinerie des Tötens, der Unterdrückung und der Zerstörung des Landes sofort zum Stillstand kommt.

Es lebe die Freiheit, Gleichheit und die Solidarität des Volkes.

Die Lösung für Arbeiter:innen ist Einheit und Organisation.

Busfahrer:innengewerkschaft von Teheran und Umland
27. Januar 2026

Hier findet ihr die Erklärung im Original.

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