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Insiderbericht: Die Wahrheit über Streikbrecher:innen bei H&M

H&M setzt im Zuge der aktuellen Tarifverhandlungen Streikbrecher:innen ein. Eine Kollegin berichtet über die Situation in dem "Fast Fashion Franchise":

Insiderbericht: Die Wahrheit über Streikbrecher:innen bei H&M
Shutterstock.com / Von WillMillerChina

Im Frühjahr dieses Jahres hatte ich bei einem Gespräch aufgeschnappt, dass im Sommer wieder gestreikt werden solle. Vorsichtig habe ich mich daraufhin bei meinen Kolleg:innen umgehört und Fragen gestellt um Informationen zum Streik und den Tarifverhandlungen zu bekommen. Allerdings wurde von Anfang an die Devise „Streiken ist schlecht und Arbeiten ist gut“ in meinem Team deutlich. Dass ich das allgemein komplett anders sehe, behielt ich für mich, aus Angst vor Unverständnis, Streit und im schlimmsten Fall einer Kündigung.

Streikende werden als asozial bezeichnet und wer Streiks bricht, verhalte sich solidarisch, so meine Kolleg:innen. Ich finde diese Ansichten heftig und habe Schwierigkeiten, damit umzugehen. Das für die Streiks nötige Klassenbewusstsein fehlt und das ist meiner Meinung nach H&M zu verschulden. Das Unternehmen unterdrückt das Klassenbewusstsein ganz gezielt. Die Methode dabei ist, die Belegschaft zu spalten, indem die eigenen Beschäftigten aufgefordert werden zu „unterstützen“. Vom Streikbrechen ist niemals die Rede. Wer einspringe, der/die unterstütze und zu unterstützen klingt erstmal gut und richtig.

Anstatt sich auf Tarifverhandlungen einzulassen, scheut H&M keine Kosten im Kampf gegen die Streikenden, denn die Streikbrecher:innen werden attraktiv vergütet: An- und Abreisekosten zum Einsatzort, Hotelkosten und Verpflegung werden zu 100 Prozent bezahlt. Für verantwortungslos halte ich zudem das unnötige Herumreisen zu Zeiten einer Pandemie. H&M nimmt Infektionen der Beschäftigten bewusst in Kauf.

Es ist wie ein Messerstich in die Rücken derer, die für eine Verbesserung aller Beschäftigten im Handel auf die Straßen gehen. Die Belegschaft ist gespalten und es herrscht gegenseitiges Unverständnis. Ein Argument gegen die Streiks einer Kollegin war, dass es kleine Unternehmen gäbe, die sich die Forderungen nicht leisten können, da sie durch die Pandemie finanziell ruiniert seien. Natürlich hat sie nicht unrecht, aber damit es überhaupt zu Veränderungen und Verbesserungen kommen kann, müssen wir uns organisieren und verhandeln.

Fakt ist: Es wird gestreikt. Nicht nur bei H&M, sondern allgemein im Handel. Wer sich in einem Team wie meinem befindet, erhält intern nur wenige Informationen und stößt auf wenig Solidarität. Aber das muss so nicht bleiben, denn gemeinsam können wir uns connecten und organisieren. Wenn auch Du dich explizit zu dem Thema austauschen möchtest, aktiv werden möchtest, betroffen oder nicht, dann schreib an Klasse gegen Klasse.

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Mehr über den Tarifkampf und die Forderungen gibt es in diesem Artikel:

Tarifkampf im Einzelhandel: Gestern beklatscht, heute ignoriert


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