Deutschland

Ihr Sohn ist seit einem Monat im Hamburger Gefängnis

Einen Monat nach dem G20-Gipfel in Hamburg sitzen noch 32 Menschen in Untersuchungshaft – in der Mehrheit Nicht-Deutsche. Die Vorwürfe gegen sie sind absurd, dennoch werden sie wie Schwerverbrecher*innen behandelt. Letzte Woche berichteten wir über den Fall einer 23-jährigen Italienerin. Jetzt spricht auch die Mutter eines 18-jährigen Italieners.

Ihr Sohn ist seit einem Monat im Hamburger Gefängnis

Seit fast drei Wochen in Ham­burg. Ich bin der deutschen Bürokratie aus­ge­set­zt. Um die Erlaub­nis für einen Besuch zu bekom­men, um neue Klam­ot­ten vor­beizubrin­gen, um Büch­er zu besor­gen, oder Brief­marken, oder anzu­rufen – das ist alles unver­ständlich kom­pliziert, oder wird sog­ar offen ver­wehrt.

Der 18-jährige Fabio aus Ital­ien wurde beim G20-Gipfel in Ham­burg festgenom­men. Die genauen Vor­würfe der Staat­san­waltschaft gegen ihn sind immer noch nicht bekan­nt. Während viele soge­nan­nte „Tatverdächtigte“ mit deutschem Pass längst auf freiem Fuß sind, wer­den in erster Lin­ie Ausländer*innen weit­er einges­per­rt. Die Mut­ter von Fabio ver­sucht ihn seit Wochen zu sehen. Ihre Sit­u­a­tion schildert sie in der ital­ienis­chen Presse.

Wenn ich das Gefäng­nis­büro anrufen muss, um einen Besuch zu organ­isieren, ist das Tele­fon fast immer beset­zt. Und wenn es aus­nahm­sweise klin­gelt, geht nie­mand ran. Nach einem Monat Haft darf Fabio immer noch nicht tele­fonieren. Uns wurde gesagt, es sei unmöglich, denn dafür mussten For­mu­la­re aus­ge­füllt wer­den, die nur auf Deutsch vor­la­gen, und nie­mand kon­nte mit ein­er Über­set­zung helfen. Am Ende bekam er eine Tele­fonkarte, aber diese funk­tion­ierte nicht.

Auch die Liefer­ung von neuen Klam­ot­ten funk­tion­iert nur mit erhe­blichen Verzögerun­gen: Teil­weise tra­gen die Gefan­genen die gle­ichen Klam­ot­ten, die sie auf der Demon­stra­tion vor einem Monat tru­gen.

Die meis­ten Prob­leme, die Fabio jet­zt erlebt, stam­men daher, dass er die deutsche Sprache nicht kann. Für jede Bitte muss man ein For­mu­lar aus­füllen, das nur auf Deutsch vor­liegt. Auch das biss­chen Englisch, das er kann, hil­ft nicht, denn das Gefäng­nis­per­son­al weigert sich auf Englisch zu kom­mu­nizieren.

Seit let­ztem Fre­itag ist Fabio einem restrik­tiv­eren Haftregime aus­ge­set­zt. Besuche müssen nun vom Gericht genehmigt wer­den und dür­fen nur in Anwe­sen­heit von Polizei und Dolmetscher*in durchge­führt wer­den. Genau­so soll seine gesamte Post von der Staat­san­waltschaft kon­trol­liert wer­den. Schein­bar geht es bei diesen Restrik­tio­nen darum, Schilderun­gen gegenüber der Presse einzuschränken – beson­ders absurd, weil Fabio nur wegen ange­blich­er Flucht­ge­fahr fest­ge­hal­ten wird.

Die Web­site Glob­al Project kom­men­tiert, es han­delt sich offen­sichtlich um eine Art „Staat­srache“. Denn die Polizei hat viele Märchen von „mar­o­dieren­den Gewalt­tätern“ auf Ham­burgs Straßen in die Welt geset­zt. Doch sie haben so gut wie kein Mate­r­i­al für ern­sthafte Ankla­gen. Teil­weise sitzen Men­schen seit einem Monat in Haft, weil sie in ein­er Menge ges­tanden hät­ten, aus der Steine auf Polizist*innen geflo­gen seien.

Doch selb­st dieser äußerst vage Vor­wurf des Land­friedens­bruchs bricht zunehmend in sich zusam­men. Wie der NDR berichtet sind inzwis­chen Videos von der Polizei selb­st öffentlich wor­den, die diese Menge bei der Block­ade an der „Roden­barg 20“ am Fre­itag Mor­gen zeigen. Die Polizei behauptet, die 200 Men­schen hät­ten sie „mas­siv mit Flaschen, Böllern und Ben­ga­los bewor­fen“. Doch auf dem Video sieht man das Gegen­teil davon: Drei Ben­ga­los fliegen ganz all­ge­mein in die Rich­tung der Bullen und lan­den deut­lich vor den Polizist*innen auf der Straße. Unver­mit­telt greift die Polizei die friedliche Demon­stra­tion an und ver­let­zt Dutzende Men­schen schw­er, viele mit offe­nen Brüchen.

Gut möglich, dass Fabio wegen genau dieser Sit­u­a­tion einges­per­rt ist. Die Polizei sucht verzweifelt Sün­den­böcke, um ihr wack­el­ndes Lügenge­bäude noch irgend­wie zu stützen. Lei­der find­et sie Unter­stützung von beina­he allen Parteien, nicht nur Olaf Scholz (SPD) und Angela Merkel (CDU) ver­bre­it­en weit­er die Lügen der Polizei, son­dern auch Sahra Wagenknecht (Die Linke). Und die meis­ten Medi­en spie­len hier auch mit.

In der Tat gab es viele schwarz gek­lei­dete, ver­mummte und mar­o­dierende Gewalttäter*innen in Ham­burg – und diese waren alle­samt von der Polizei.

Wir fordern die sofor­tige Freilas­sung von Fabio und allen Gefan­genen!

One thought on “Ihr Sohn ist seit einem Monat im Hamburger Gefängnis

  1. Olli Neef sagt:

    Hat der Türke Erdo­gan jet­zt inzwis­chen die Bun­desre­pub­lik schon über­nom­men, oder lebe ich noch in der Bun­desre­pub­lik Feutsch­land mit ein­er * FREIHEITLICH DEMOKRATISCHEN GRUNDORDNUNG * ?

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