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Homöopathie: Wie der deutsche Staat Impfgegner:innen finanziert

Die berechtigte Skepsis gegen die Pharmaindustrie führt auch zu Irrwegen. Einer davon ist die Homöopathie - eine staatlich finanzierte Pseudowissenschaft.

Homöopathie: Wie der deutsche Staat Impfgegner:innen finanziert
Foto: tanjichica / shutterstock.com

Die Pharmaindustrie hat mit ihrem schlechten Ruf zu kämpfen. Schließlich macht sie mit unserer Gesundheit Milliarden-Profite und das nicht erst seit Beginn der Covid-19-Pandemie. Dabei werden Patient:innen zu Kund:innen, die dann vor der Wahl verschiedenster Medikamente stehen, die alle mehr oder weniger das Gleiche versprechen. Diese Wahl zwischen verschiedenen Medikamenten treffen wir dann, wie wir es im Kapitalismus von klein auf gelernt haben: Wir können zwischen Pepsi oder Cola entscheiden. Ähnlich gehen wir auch bei Impfstoffen vor. Wir wägen ab, welcher denn nun der Beste ist: BioNTech oder doch Moderna? Wer weiß das schon so genau, schließlich war die Datenlage lange nicht eindeutig.

Aus einer richtigen Kritik an der Pharmaindustrie entwickeln viele Menschen allerdings auch vollkommen unwissenschaftliche Positionen. Vor der Pandemie war die Entscheidung gegen die Impfung und für Homöopathie weniger tragisch, schließlich ist die Einnahme homöopathischer Mittel an sich unbedenklich. Der Grundsatz der Homöopathie ist: „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“. Dabei verdünnen sie (Gift-)Stoffe so stark, dass in der Regel nicht einmal ein einziges Molekül des Stoffes übrig bleibt. Der „Wirkmechanismus“ der Zuckerkügelchen widerspricht also fundamentalen naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten und ist trotzdem die beliebteste Alternativmedizin in Deutschland.

Während der Pandemie hat sich das Problem allerdings zugespitzt. In einer Studie des Regensburg Center of Health Science and Technology sprachen sich 62,4 Prozent der befragten Homöopathie-Anhänger:innen gegen eine Corona-Schutzimpfung aus. Das liegt aber nicht nur an einer individuellen Fehleinschätzung der Homöopathie-Anhänger:innen, sondern auch an systematischer Förderung von Pseudowissenschaft durch den Staat und Unternehmen. Denn nach einer Gesetzgebung aus der NS-Zeit dürfen traditionell impfkritische Heilpraktiker:innen selbst Infusionen legen und sogar Krebspatient:innen behandeln. Dass sich alternativmedizinische Ärzt:innen und Heilpraktiker:innen so großer Beliebtheit erfreuen, ist zudem die logische Konsequenz einer fehlgeleiteten Gesundheitspolitik. Sie werden auch von gesetzlichen Krankenkassen dafür bezahlt, sich mehr Zeit für Patient:innen zu nehmen als Schulmediziner:innen. Gleichzeitig vermitteln sie damit den Eindruck, dass Heilpraktik und Homöpathie generell ähnlich Wirksam seien, wie wissenschaftlich fundierte Behandlungsmethoden. Die AOK Niedersachsen, die wie viele andere Kassen auch die Kosten für solche „Behandlungen“ übernehmen, schreibt über das Thema: „Alternative Arzneimittel der Homöopathie können eine Behandlung der klassischen Schulmedizin sinnvoll ergänzen und heilend wirken.“, womit wissenschaftlich eindeutig falsche Informationen verbreitet und nicht zuletzt Impfgegner:innen gefördert werden. Denn die einzige nachweisbare Wirkung von homöopathischen Mitteln basiert auf dem Placebo-Effekt. Die Ärztin Natalie Grams-Nobermann bilanziert: „Die Kassen haben der Homöopathie zu Glaubwürdigkeit verholfen.“

Die Versuche, mit “Alternativmedizin” gegen die Covid-19-Pandemie zu kämpfen, nehmen zuletzt besonders absurde Züge an. In Österreich nahmen zeitweise so viele Menschen das Wurmmittel Ivermectin ein, welches eigentlich für Pferde und andere Tiere gedacht ist, dass es ausverkauft war. Dass viele Heilpraktiker:innen und Alternativmediziner:innen eine falsche und widersprüchliche Kritik an der Impfung haben, zeigt sich unter anderem daran, dass sie sogenannte “Totimpfstoffe”, wie den von Valneva, ablehnen, obwohl dieser ihrem Prinzip, Ähnliches mit Ähnlichem zu bekämpfen, entspricht. Es ist absurd, die Pharmaindustrie für eines der wenigen Dinge zu kritisieren, die sie richtig macht – nämlich wissenschaftlich fundiert hochwirksame Impfstoffe gegen SARS-Cov-2 zu entwickeln. Das Problem ist doch viel mehr, dass sie sich gegen eine Freigabe der Patente stellen, um damit Milliardenprofite zu machen. So können Menschen vor allem in ärmeren Ländern nicht ausreichend geimpft werden, das Virus kann frei zirkulieren und es können sich immer neue Mutationen entwickeln. Die Pandemie findet also kein Ende.

Dieser schädliche Unsinn muss beendet werden. Sämtliche Förderung für Homöopathie muss verboten werden. Heilpraktiker:innen sollten nicht länger nachweislich wirkungslose Methoden als medizinische Behandlung verkaufen können. Stattdessen sollte es ein staatliches Programm zur Ausbildung von Heilpraktiker:innen zu Pfleger:innen und Ärzt:innen geben, damit sie auf wissenschaftlicher Grundlage zur Heilung kranker Menschen beitragen können. Vor allem braucht es aber eine Transformation des öffentlichen Gesundheitssystems, so dass es an den Bedürfnissen der Menschen und nicht an Profiten ausgerichtet ist. Im Zuge dessen können auch die Krankenkasse in eine einzige Kasse vereinigt werden und die Kosten, die aktuell nicht getragen werden, wie die für Zahnbehandlung, Schwangerschaftsabbrüche, Brillen, Salben, usw. müssen ab sofort komplett übernommen werden. Um die Pandemie weltweit effektiv zu bekämpfen, müssen die Patente abgeschafft und die Pharmaindustrie sowie die Krankenkassen unter Kontrolle von Beschäftigten im Gesundheitswesen, Wissenschaftler:innen und Patient:innen verstaatlicht werden. Über die Fehlinformationen braucht es umfassende Aufklärungskampagnen, sowie mobile Impfteams die von Tür zu Tür aufklären und Impfungen anbieten

One thought on “Homöopathie: Wie der deutsche Staat Impfgegner:innen finanziert

  1. Björn sagt:

    Meine Meinung zu diesem Artikel. Im Grunde treffend, wenn es um die reinen Globoli geht und diejenigen Quacksalber die Krebs mit Bachblüten heilen wollen. Aber man muss differenzieren. Es gibt durchaus wirkungslose Globuli und Heilpraktiker die versuchen Krebs mit Bachblüten zu heilen, dass ist natürlich unfug. Schwere Krankheiten bedürfen auch Schulmedizinischer Medikamente. Trotzdem arf kann man beispielsweise nicht verleugnen dass auch nicht alles was die Pharmakonzerne verkaufen gesund ist. Im Kapitalismus verdienen Ärzte mit Toten oder gesunden Menschen kein Geld. Deswegen achtet gerade die Pharmalobby darauf die Menschen aus Profitgründen nicht vollständig gesund zu machen. Es braucht nach meiner Meinung ein profitloses Gesundheitssystem.

    Bei schweren Krankheiten braucht man natürlich die Schulmedizin, aber es gibt auch seriöse Konzerne wie Heel die Präparate herstellen die zumindest unterstützend wirken können und von der Orthumolekular Medizin anerkannt werden. Engystol beispielsweise besteht aus keinen Giftstoffen, wirkt aber nachweislich zur Unterstützung des Immunsystem.

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