Geschichte und Kultur

Hinter der Bühne der Revolte

1968 gab es einen Auf­schwung der Klassenkämpfe in vie­len Teilen der Welt – auch in der BRD. Die trotzk­istis­che Bewe­gung in West­deutsch­land nahm aktiv an der Revolte teil, aber sie kon­nte nicht viel davon prof­i­tieren. Was haben die deutschen Trotzk­istIn­nen im Jahr 1968 gemacht und warum kon­nten sie nicht bedeu­tende Sek­toren der rev­o­lu­tionären Jugend um sich sam­meln? Eine Unter­suchung der dama­li­gen Poli­tik der Trotzk­istIn­nen, um Schlussfol­gerun­gen für heute zu ziehen.

Hinter der Bühne der Revolte

// 1968 gab es einen Auf­schwung der Klassenkämpfe in vie­len Teilen der Welt – auch in der BRD. Die trotzk­istis­che Bewe­gung in West­deutsch­land nahm aktiv an der Revolte teil, aber sie kon­nte nicht viel davon prof­i­tieren. Was haben die deutschen Trotzk­istIn­nen im Jahr 1968 gemacht und warum kon­nten sie nicht bedeu­tende Sek­toren der rev­o­lu­tionären Jugend um sich sam­meln? Eine Unter­suchung der dama­li­gen Poli­tik der Trotzk­istIn­nen, um Schlussfol­gerun­gen für heute zu ziehen. //

Feb­ru­ar 1968. West­ber­lin. 6.000 vor­wiegend junge Men­schen aus West­deutsch­land und anderen Län­dern ver­sam­meln sich an der Tech­nis­chen Uni­ver­sität Berlin für den Inter­na­tionalen Viet­nam-Kongress. Der bekan­nteste Red­ner ist Rudi Dutschke vom Sozial­is­tis­chen Deutschen Stu­den­ten­bund (SDS). Doch neben ihm auf dem Podi­um sitzen auch Trotzk­isten wie Ernest Man­del und Tariq Ali. Hin­ter der Bühne – im wörtlichen und im metapho­rischen Sinne – ste­ht die kleine trotzk­istis­che Organ­i­sa­tion in West­deutsch­land. Die Gruppe hat nicht mal einen Namen – ihre Mit­glieder sprechen ein­fach von der „deutschen Sek­tion“ (manch­mal auch „…der Vierten Inter­na­tionale“). Obwohl Schriften von Leo Trotz­ki und auch Ernest Man­del vom SDS-Ver­lag „Neue Kri­tik“ her­aus­gegeben und in der Stu­den­ten­be­we­gung disku­tiert wer­den, ist der Trotzk­ismus als poli­tis­che Strö­mung – im Gegen­satz zum Autonomis­mus und zum Mao­is­mus – kaum wahrnehm­bar und kann nur wenig von der 68er-Revolte in West­deutsch­land prof­i­tieren.

Die trotzk­istis­che Bewe­gung der BRD kon­nte diese Schwäche bis heute nicht über­winden. Der/die bekan­nteste Trotzk­istIn Frankre­ichs, der Post­bote Olivi­er Besan­cenot, erhielt als 28-jähriger Präsi­dentschaft­skan­di­dat der Ligue Com­mu­niste Révo­lu­tion­naire (LCR) bei den Wahlen im Jahr 2002 1,5 Mil­lio­nen Stim­men. Doch der/die bekan­nteste trotzk­istis­che AktivistIn Deutsch­lands, Lucy Redler, bekam als 27-jährige Spitzenkan­di­datin der WASG Berlin bei den Abge­ord­neten­hauswahlen im Jahr 2006 ger­ade mal 40.000. Und die WASG war nicht ein­mal eine trotzk­istis­che Kan­di­datur, son­dern eine Abspal­tung der SPD, die bald darauf mit der PDS zur heuti­gen Partei „Die Linke“ fusion­ieren sollte. Die Ergeb­nisse ander­er trotzk­istis­ch­er Wahlantritte sahen in der Regel noch düster­er aus.[1]

Per­ry Ander­son, His­torik­er und langjähriger Her­aus­ge­ber der Zeitschrift „New Left Review“ fragte am Ende sein­er Studie „Über den west­lichen Marx­is­mus“, warum der Trotzk­ismus, als marx­is­tis­che Alter­na­tive zum Stal­in­is­mus, im Ver­gle­ich zum „west­lichen Marx­is­mus“ (zum Beispiel die „Frank­furter Schule“) wenig Anziehungskraft auf die „neue Linke“ nach 1968 hat­te: „‚Hin­ter der Bühne‘ über­lebte und entwick­elte sich eine weit­ere, völ­lig anders geart­ete Tra­di­tion, die zum ersten Mal während und nach der franzö­sis­chen Explo­sion 1968 größere Aufmerk­samkeit auf sich zog. Gemeint ist natür­lich die The­o­rie und das Erbe Trotzkis.“[2] Die trotzk­istis­che Bewe­gung in Frankre­ich wurde nach 1968 zu ein­er kleinen, aber bedeu­ten­den poli­tis­chen Kraft – in Deutsch­land dage­gen blieb der Trotzk­ismus mar­gin­al. Das ist beson­ders erstaunlich in Anbe­tra­cht der Tat­sache, dass in den 70er Jahren bis zu 100.000 Men­schen die maois­tis­chen Grup­pen („K‑Gruppen“) „in irgen­dein­er Weise durch­laufen“ haben.[3]

Der langjährige Trotzk­ist Oskar Hippe, der ab 1969 den Auf­bau ein­er neuen trotzk­istis­chen Jugen­dor­gan­i­sa­tion begleit­ete, stellte in sein­er Auto­bi­ogra­phie fest, dass keine „größere Grup­pen der Stu­den­ten“ sich dem Trotzk­ismus näherten: „Die meis­ten [Stu­den­ten] sahen zu dieser Zeit in Mao Zedong und im Volk­skrieg ihr Heil und in Stal­in ihren Ahn­her­rn.“[4] Aber warum?

Dazu ist zunächst ein Blick auf die inter­na­tionale Lage, aus poli­tis­ch­er wie wirtschaftlich­er Sicht, notwendig: Leo Trotz­ki hat­te zu Beginn des Zweit­en Weltkrieges vorherge­sagt, dass dieser zu ein­er neuen rev­o­lu­tionären Welle führen würde, die die stal­in­is­tis­che Bürokratie der Sow­je­tu­nion hin­wegfe­gen würde. Doch auf­grund der Rolle der sow­jetis­chen Armee im Krieg gegen die Nazis erlangte der Stal­in­is­mus neue Legit­im­ität. Im Gefolge des Krieges wur­den auch neue, bürokratisch deformierte Arbei­t­erIn­nen­staat­en etabliert, wie ger­ade die DDR, die einen großen Ein­fluss auf die Linke in West­deutsch­land ausübte. Auf­grund der Anziehungskraft des Stal­in­is­mus (und sein­er Vari­anten wie des Mao­is­mus) entwick­el­ten sich die rev­o­lu­tionären Erhe­bun­gen in hal­bkolo­nialen und kolo­nialen Län­dern nach dem Zweit­en Weltkrieg unter klein­bürg­er­lich-nation­al­is­tis­chen Führun­gen, die damit keinen Anstoß für rev­o­lu­tionäre Bewe­gun­gen in den zen­tralen impe­ri­al­is­tis­chen Län­dern geben kon­nten.

Dazu kam der Nachkriegs­boom, der dazu führte, dass die priv­i­legiert­eren Schicht­en der Arbei­t­erIn­nen­klasse und ins­beson­dere die Gew­erkschafts­bürokratie von den Kap­i­tal­istIn­nen koop­tiert wur­den. Die Klassenkol­lab­o­ra­tion erlangte in allen impe­ri­al­is­tis­chen Län­dern große Bedeu­tung, ins­beson­dere aber in der BRD. Während in Frankre­ich die Radikalisierung um 1968 die Studieren­den­be­we­gung mit den Streiks der Arbei­t­erIn­nen­klasse zusam­men­brachte, beson­ders beim Gen­er­al­streik im Mai 1968, blieb die Radikalisierung der Jugendlichen in Deutsch­land im Jahr 1968 von den Arbei­t­erIn­nen isoliert. Ten­den­zen zur Radikalisierung unter den Arbei­t­erIn­nen in Deutsch­land kamen erst bei den Sep­tem­ber­streiks 1969 und wieder bei der Streik­welle von 1972–73 zum Vorschein, aber auch dort blieb ein erhe­blich­er Teil der Arbei­t­erIn­nen­klasse unter fes­ter Kon­trolle der sozial­part­ner­schaftlichen Bürokra­tien.

Neben den schwieri­gen objek­tiv­en Bedin­gun­gen hat auch die sub­jek­tive Poli­tik der trotzk­istis­chen Grup­pen der BRD vor und während der 68er-Revolte sie davon abge­hal­ten, größere Anziehungskraft auf die sich radikalisierende Jugend­be­we­gung auszuüben.

Trotzkismus in der Nachkriegszeit

Die Vierte Inter­na­tionale wurde 1938 als kon­se­quente Oppo­si­tion gegen die kon­ter­rev­o­lu­tionäre Poli­tik der Zweit­en Inter­na­tionale (Sozialdemokratie) und der Drit­ten Inter­na­tionale (Stal­in­is­mus) gegrün­det. Trotz­ki und seine Mit­stre­i­t­erIn­nen bekämpften auch Strö­mungen, die zwis­chen rev­o­lu­tionären und reformistis­chen Posi­tio­nen schwank­ten (Zen­tris­mus), um der neuen Inter­na­tionale ein klar rev­o­lu­tionäres Pro­gramm zu geben. Bere­its seit der Grün­dung der Inter­na­tionalen Linksop­po­si­tion im Jahr 1929 hat­ten Trotz­ki und seine Anhän­gerIn­nen eine inter­na­tionale Organ­i­sa­tion mit einem inter­na­tionalen Pro­gramm aufge­baut. Deswe­gen kann die Poli­tik der deutschen Trotzk­istIn­nen nach dem Zweit­en Weltkrieg nur aus ein­er inter­na­tionalen Per­spek­tive betra­chtet wer­den. Ihre Posi­tio­nen sind darauf zurück­zuführen, dass die Vierte Inter­na­tionale nach dem Zweit­en Weltkrieg selb­st zu ein­er zen­tris­tis­chen Strö­mung wurde.

Diese Degen­er­a­tion der Vierten Inter­na­tionale ist unter anderem auf das Mas­sak­er an trotzk­istis­chen Kad­er während des Zweit­en Weltkrieges, sowohl durch faschis­tis­che wie stal­in­is­tis­che HenkerIn­nen, zurück­zuführen. Die jun­gen Rev­o­lu­tionärIn­nen, die nach 1945 die Führung der Inter­na­tionale über­nom­men haben, waren nicht in der Lage, die neue Sit­u­a­tion zu analysieren. Statt des erwarteten rev­o­lu­tionären Auf­schwungs, brachte die „Jal­ta-Ord­nung“ nach dem Krieg eine Stärkung der kon­ter­rev­o­lu­tionären Führun­gen der Arbei­t­erIn­nen­be­we­gung. Die Trotzk­istIn­nen, die den unmit­tel­baren Aus­bruch eines „Drit­ten Weltkriegs“ erwarteten, passten sich diesen Führun­gen stark an. Denn aus der Erwartung, dass der baldige Kriegsaus­bruch keine Zeit für den Auf­bau unab­hängiger rev­o­lu­tionär­er Parteien lassen würde, schlussfol­gerten sie, dass sie ihre Organ­i­sa­tio­nen in sozialdemokratis­che oder stal­in­is­tis­che Massen­parteien auflösen müssten, um dort kon­spir­a­tive, nicht expliz­it trotzk­istis­che Arbeit zu leis­ten. Diese Poli­tik des „Entris­mus sui gener­is“ (siehe Infokas­ten) bedeutete die Auf­gabe eines offen rev­o­lu­tionären Pro­gramms.[5]

An ander­er Stelle haben wir geschrieben, „dass sich die IV. Inter­na­tionale nach der Peri­ode 1951–1953 in eine zen­tris­tis­che Bewe­gung ver­wan­delte, in der der gemein­same Nen­ner sein­er Haupt­strö­mungen der Ver­lust ein­er strate­gis­chen Aus­rich­tung auf unab­hängige rev­o­lu­tionäre Parteien war. Sie passte sich eklek­tisch jed­er Führung an, die sich in der Massen­be­we­gung stärken kon­nte, wie die Anpas­sung an Tito, Mao, Cas­tro usw., zeigte, wom­it sie auch die Kon­ti­nu­ität des rev­o­lu­tionären Marx­is­mus brach.“ Doch das bedeutet nicht, dass wir den „trotzk­istis­chen Zen­tris­mus“ ein­fach zur Seite schieben kön­nten. Im Gegen­teil „haben wir, angesichts der teil­weisen kor­rek­ten Wider­stände gegenüber offen­em Ver­rat […] und vor dem Hin­ter­grund der gebroch­enen rev­o­lu­tionären Kon­ti­nu­ität, behauptet, dass ‚Fäden der Kon­ti­nu­ität‘ geblieben sind, die Stützen für den Wieder­auf­bau der trotzk­istis­chen Strate­gie darstellen.“[6] Eine kri­tis­che Aufar­beitung der Geschichte des deutschen Trotzk­ismus, beson­ders in der entschei­den­den Phase um 1968, soll Schlüsse für den Auf­bau ein­er rev­o­lu­tionären Partei heute liefern.

Die organ­isatorischen Bedin­gun­gen, unter denen die deutschen Trotzk­istIn­nen in die Nachkriegszeit gin­gen, waren katas­trophal. Während in Frankre­ich die Par­ti Com­mu­niste Inter­na­tion­al­iste (PCI) während des gesamten Zweit­en Weltkrieges eine kon­tinuier­liche ille­gale Arbeit im beset­zten Frankre­ich aufrechter­hal­ten kon­nte, und sog­ar die wenig bekan­nte inter­na­tion­al­is­tis­che Zeitung für Ange­hörige der Wehrma­cht in Frankre­ich, Arbeit­er und Sol­dat, her­aus­gab, wur­den die Inter­na­tionalen Kom­mu­nis­ten Deutsch­lands (IKD) bere­its in den Jahren 1935–36 voll­ständig von den Nazis zer­schla­gen[7]: 1940 berichtete die Aus­land­sleitung der Gruppe, dass von den etwa 1.000 Mit­gliedern im Jahr 1933 fün­fzig in die Emi­gra­tion gin­gen, die Hälfte sich aus der Poli­tik zurück­ge­zo­gen hat­te und rund 150 sich in Haft befan­den.[8] Nur eine kleine ille­gale Gruppe in Berlin-Char­lot­ten­burg um Oskar Hippe funk­tion­ierte bis 1945[9] – und während­dessen wandte sich das Aus­land­skomi­tee der IKD vom Marx­is­mus ab und brach schließlich 1948 mit der Vierten Inter­na­tionale.[10] Somit war die Zer­störung des deutschen Trotzk­ismus fast voll­ständig.

Deutsche TrotzkistInnen in der Nachkriegszeit

Im Gegen­satz zu Frankre­ich, wo einige hun­dert Trotzk­istIn­nen ihre Aktiv­ität nach dem Kriegsende fort­set­zten, stand nach 1945 ein einziger Kad­er mit langjähriger Erfahrung in der Arbei­t­erIn­nen­be­we­gung zum Wieder­auf­bau der deutschen Sek­tion der Vierten Inter­na­tionale zur Ver­fü­gung: Der Ham­burg­er Georg Jung­clas (1902–1975) wurde zum „Men­tor des deutschen Trotzk­ismus“.[11] Neben „Schorsch“ gab es auch Willy Boep­pele, einen früheren KPD-Funk­tionär, der sich erst im Jahr 1951 den Trotzk­istIn­nen anschloss, aber for­t­an eine führende Rolle in der Gruppe spielte,[12] sowie Jakob Mon­e­ta und Rudolf Segall (bei­de jüdis­chstäm­mige Trotzk­isten, die zur Zeit des deutschen Faschis­mus im palästi­nen­sis­chen Exil lebten), die in der Nachkriegszeit neben ihrer trotzk­istis­chen Tätigkeit auch bekan­nte Funk­tionäre von DGB-Gew­erkschaften waren, weshalb sie mit ihren rev­o­lu­tionären Überzeu­gun­gen sehr zurück­hal­tend sein mussten.[13] Auch wenn die genaue Größe der Gruppe in den ersten Jahren der Nachkriegszeit nicht ermit­telt wer­den kann, war sie ohne Zweifel sehr schwach aufgestellt.[14]

Die sub­jek­tive Schwäche der Gruppe war der für Rev­o­lu­tionärIn­nen objek­tiv schwieri­gen Lage im Nachkriegs­deutsch­land nicht gewach­sen. Per­ry Ander­son beschrieb den Druck auf marx­is­tis­che Intellek­tuelle dort fol­gen­der­maßen: „Das West­deutsch­land der Nachkriegszeit war poli­tisch und kul­turell der reak­tionärste unter den großen Staat­en Europas: Die marx­is­tis­che Tra­di­tion hat­ten der nation­al­sozial­is­tis­che Chau­vin­is­mus und die anglo-amerikanis­che Repres­sion abgeschnit­ten, und das Pro­le­tari­at ver­hielt sich zeitweilig pas­siv. In diesem Milieu, in dem die KPD ver­boten wurde und die SPD aus­drück­lich jede Beziehung zum Marx­is­mus abbrach, vol­len­dete sich die Ent­poli­tisierung des [Frank­furter] Insti­tuts [für Sozial­forschung].“[15] Ander­son kri­tisiert die „Frank­furter Schule“ dafür, sich der akademis­chen Welt des kap­i­tal­is­tis­chen Deutsch­lands angepasst zu haben. Die kleine trotzk­istis­che Gruppe war einem ähn­lichen Anpas­sungs­druck aus­ge­set­zt, nicht nur wegen ihrer Iso­la­tion, son­dern vor allem wegen der ange­heizten antikom­mu­nis­tis­chen Stim­mung in der BRD und der Angst vor Ver­boten: „Obwohl sich die Ver­fol­gungs­maß­nah­men vor allem gegen die KPD […] richt­en, sieht sich auch die deutsche Sek­tion der IV. Inter­na­tionale […] bedro­ht. Sie tritt nach außen nicht offen in Erschei­n­ung“.[16]

Die Nachkriegs-IKD gab ab 1947 eine sehr kleine Zeitung her­aus, und im Rah­men ihrer poli­tis­chen Per­spek­tive der „Zusam­men­fas­sung der unab­hängi­gen linken Grup­pen in ein­er Organ­i­sa­tion“ engagierte sie sich in der kur­zlebi­gen, am Tito-Regime in Jugoslaw­ien ori­en­tierten Unab­hängi­gen Arbeit­er­partei (UAP), die im März 1951 gegrün­det wurde und bere­its im August des­sel­ben Jahres ihre trotzk­istis­chen Mit­glieder auss­chloss, um bald darauf kom­plett zusam­men­zubrechen.[17] Danach beschloss die Sek­tion, in Übere­in­stim­mung mit den Entschei­dun­gen des drit­ten Weltkon­gress­es der Vierten Inter­na­tionale im Jahr 1953, den „Entris­mus sui gener­is“, also das langfristige Ein­treten der Gruppe in die SPD und den Verzicht auf ein offen trotzk­istis­ches Auftreten.[18] Zu diesem Zweck gab sie von 1954–66 die Zeitschrift Sozial­is­tis­che Poli­tik (SOPO) her­aus, die de fac­to von Trotzk­istIn­nen gemacht wurde, aber sozialdemokratis­che oder gew­erkschaftliche Per­sön­lichkeit­en zur Mitar­beit her­an­zog.[19] Zusät­zlich gab sie, im Rah­men ein­er all­ge­meinen Sol­i­dar­ität­sar­beit mit dem nationalen Befreiungskampf in Alge­rien, ab 1961 die Zeitschrift Freies Alge­rien her­aus.[20] Vor allem entwick­elte die Gruppe eine Arbeit inner­halb der sozialdemokratis­chen Jugen­dor­gan­i­sa­tion „Die Falken“, die „örtlich unter starkem Ein­fluss der Trotzk­istIn­nen standen (namentlich in Köln und Berlin).“[21] Die einzige offen trotzk­istis­che Pub­lika­tion zu dieser Zeit war das the­o­retis­che Organ Die Inter­na­tionale, die von 1956–68 in unregelmäßi­gen Abstän­den in Wien erschien.[22]

Ihre Erwartung, dass sich der Kern ein­er rev­o­lu­tionären Partei aus einem linken Flügel der SPD entwick­eln würde, erwies sich als falsch, oder wie Georg Junglcas später bilanzierte, als eine „entschei­dende Fehlein­schätzung“.[23] Als der Sozial­is­tis­che Deutsche Stu­den­ten­bund (SDS) im Juli 1960 per Unvere­in­barkeits­beschluss aus der SPD aus­geschlossen wurde, sah sich die trotzk­istis­che Gruppe nicht in der Lage, sich mit dem SDS zu sol­i­darisieren – so erschienen keine Artikel dazu in der „SOPO“ wegen der Befürch­tung, dass die Zeitung son­st nicht mehr in der SPD geduldet wer­den würde.[24] Jochen Ebmeier, ab 1963 Mit­glied der Gruppe, berichtet sog­ar, dass es Ende 1964 zu Gesprächen der West­ber­lin­er Trotzk­istIn­nen mit Rudi Dutschke und sein­er kleinen Gruppe kam – let­ztere hat­ten mit den Ideen des Trotzk­ismus sym­pa­thisiert, aber lehn­ten die Arbeit der Trotzk­istIn­nen in der SPD ab.[25] Dadurch ent­fer­nte sich die Sek­tion von der einzi­gen – kleinen, aber den­noch bedeu­ten­den – Linksen­twick­lung in der Sozialdemokratie, die es während der 15-jähri­gen entris­tis­chen Arbeit gab. 1968 bemühte sich die Gruppe wieder – ohne Erfolg – die Führungs­fig­uren des SDS für den Trotzk­ismus zu gewin­nen.

Die Gruppe war also an vie­len Ini­tia­tiv­en beteiligt, war allerd­ings über diese Ini­tia­tiv­en hin­aus kaum als trotzk­istis­che Gruppe wahrnehm­bar. Peter Brandt, der 1966 als Schüler für die Gruppe rekru­tiert wurde, bestätigt, dass diese nicht ein­mal einen Namen hat­te und nur „deutsche Sek­tion der Vierten Inter­na­tionale“ genan­nt wurde.[26] Im Gegen­satz dazu erschien bere­its seit 1964 die Pekinger Rund­schau auf Deutsch und kon­nte maois­tis­chen Posi­tio­nen der entste­hen­den Jugend­be­we­gung in der BRD klar ver­mit­teln.[27] Erst 1969 ver­ließen die Trotzk­istIn­nen endgültig die SPD und grün­den eine offen nach außen tre­tende Organ­i­sa­tion. Zu dem Zeit­punkt dürfte sie etwa 50 Mit­glieder gehabt haben;[28] sie hat­te die reak­tionäre Peri­ode der unmit­tel­baren Nachkriegszeit über­lebt, war aber nicht nur zahlen­mäßig stag­niert, son­dern hat­te auch ihr trotzk­istis­ches Pro­gramm aufgegeben und war damit für die neue Peri­ode schlecht aufgestellt.

Die „schleichende Ablösung vom Entrismus“

Die Erwartun­gen der deutschen Trotzk­istIn­nen an eine Radikalisierung inner­halb der SPD, an der die Gruppe durch die Entris­mus-Poli­tik teil­nehmen sollte, erfüll­ten sich im Laufe der 60er Jahre nicht. Im Gegen­teil lief die Radikalisierung auf­grund der jahrzehn­te­lan­gen Koop­tierung der Sozialdemokratie durch die „Sozial­part­ner­schaft“ der Nachkriegszeit größ­ten­teils im Rah­men ein­er bre­it­en „Außer­par­la­men­tarischen Oppo­si­tion“, also fast kom­plett außer­halb der SPD, was eine Umori­en­tierung der trotzk­istis­chen Gruppe immer uner­lässlich­er machte. Peter Brandt schreibt rück­blick­end: „Fak­tisch waren die Jahre 1967/68 bere­its eine Phase der schle­ichen­den Ablö­sung vom Entris­mus unter dem Ein­fluss der ‚Jugen­dradikalisierung‘.“[29]

Im Jahr 1967 erschien die Schü­lerIn­nen­zeitung Neuer Rot­er Turm an der Schad­ow-Schule in Berlin-Zehlen­dorf, nach­dem die zweite Num­mer der alten Schü­lerIn­nen­zeitung Rot­er Turm wegen eines Artikels über Folter in Spanien vom Ober­stu­di­endi­rek­tor ver­boten wurde. Der Skan­dal­w­ert dieser Zeitung, die immer wieder in der Haupt­stadt­presse und auch im Berlin­er Sen­at Erwäh­nung fand, steigerte sich zweifel­los dadurch, dass sich unter den Redak­teuren Peter Brandt, 18-jähriger Schüler und Sohn des dama­li­gen Außen­min­is­ters, befand.[30] Die Zeitung set­zte sich – für die aufk­om­mende Jugend­be­we­gung nicht untyp­isch – gegen das autoritäre Bil­dungssys­tem, für sex­uelle Aufk­lärung und gegen impe­ri­al­is­tis­che Kriege ein. Die Redak­teure, darunter auch einige junge Mit­glieder der „deutschen Sek­tion“, waren bei den Falken aktiv, trat­en aber im fol­gen­den Jahr aus. Bemerkenswert ist, dass in den vielfälti­gen Bericht­en über diese Schü­lerIn­nen­zeitung eine trotzk­istis­che Gruppe nir­gends erwäh­nt wird – auch der Inhalt der Zeitung gibt keine Hin­weise auf eine spez­i­fisch trotzk­istis­che Hal­tung einzel­ner Redak­teure.

Ein Wen­depunkt der Jugend­be­we­gung in der BRD war der inter­na­tionale Viet­nam-Kongress, der vom 17.–18. Feb­ru­ar 1968 an der Tech­nis­chen Uni­ver­sität in West­ber­lin stat­tfand. 6.000 Men­schen ver­sam­melten sich im über­füll­ten Audi­max unter einem riesi­gen Ban­ner mit der Losung: „Für den Sieg der viet­name­sis­chen Rev­o­lu­tion!“ In Erin­nerung geblieben ist die Rolle Rudi Dutschkes bei diesem Kongress – in der his­torischen Wahrnehmung spie­len Trotzk­istIn­nen dage­gen keine Rolle. Aber Georg Jung­clas schreibt, dass der „Erfolg“ des Kon­gress­es „auf die Aktiv­ität der Sek­tion zurück­zuführen“ war,[31] während der His­torik­er Peter Brandt behauptet, dass der Kongress „organ­isatorisch wie inhaltlich stark trotzk­istisch bee­in­flußt“ war.[32] Tat­säch­lich sprachen auf den Podi­en des Kon­gress­es min­destens drei Red­ner, die im Vere­inigten Sekre­tari­at der Vierten Inter­na­tionale aktiv waren, näm­lich: Ernest Man­del, Tariq Ali und Robin Black­burn.[33] Zu den Trotzk­istIn­nen aus Bel­gien bzw. Großbri­tan­nien kamen aber keine Trotzk­istIn­nen aus Deutsch­land hinzu.

Die Trotzk­isten haben sich jedoch nicht als solche präsen­tiert: Tariq Ali übte eine leichte Kri­tik an der man­gel­nden Unter­stützung der Sow­je­tu­nion für die viet­name­sis­che FLN, nan­nte Nord­viet­nam jedoch ein „brüderliche[s] sozialistische[s] Land“ (während der Trotzk­ismus immer den sozial­is­tis­chen Charak­ter des „real existieren­den Sozial­is­mus“ bestrit­ten hat);[34] Robin Black­burn beze­ich­nete sich selb­st als „der gle­ichen rev­o­lu­tionären Bewe­gung zuge­hörig“ wie „die Viet­name­sen, die guatemal­tekischen Guerilleros und die Guer­rilleros der Fal­con Front [in Venezuela]“;[35] Ernest Man­del argu­men­tierte für eine Gueril­la-Strate­gie in Argen­tinien, um den Klassenkampf der Arbei­t­erIn­nen zu ergänzen (obwohl für den Trotzk­ismus der bewaffneten Kampf von kleinen Grup­pen keine zen­trale Bedeu­tung hat).[36] Alle drei Red­ner bezo­gen sich pos­i­tiv auf die FLN und kein­er übte eine Kri­tik am Stal­in­is­mus, wed­er in ein­er abstrak­ten Form noch konkret auf Ho Chi Minh bezo­gen. So waren ihre Beiträge eher an der Gueril­la-Strate­gie von Che Gue­vara als an der Strate­gie des pro­le­tarischen Auf­s­tandes von Leo Trotz­ki ori­en­tiert.

Zweiein­halb Jahre später schrieb die Gruppe „Spar­ta­cus“ zur Kri­tik an ihrer früheren Strö­mung, dass das Vere­inigte Sekre­tari­at der Vierten Inter­na­tionale beim Kongress „nicht anders inter­ve­niert hat­te als mit einem Flug­blatt – denn den uneingewei­ht­en Teil­nehmern am Viet­namkon­greß dürfte wed­er von Ernest Man­del noch von der franzö­sis­chen Jeuness­es Com­mu­nistes Révo­lu­tion­naires (JCR […]) mehr bekan­nt gewe­sen sein, als daß es sich dabei irgend­wie um Trotzk­istIn­nen han­delte.“[37]

Die Umorientierung von 1968–69

Nach dem Viet­nam-Kongress begann eine kom­plette Umori­en­tierung der trotzk­istis­chen Gruppe. Ab Mai 1968 gab die deutsche Sek­tion die Zeitschrift was tun zur „Organ­i­sa­tion der strate­gisch-the­o­retis­chen Diskus­sion“ in der außer­par­la­men­tarischen Oppo­si­tion her­aus.[38] Zur 15-köp­fi­gen Redak­tion gehörten nicht nur Trotzk­isten wie Lothar Boep­ple, Peter Brandt, Jochen Ebmeier, Hans-Jür­gen Schulz, Wolf­gang Zeller und Bernd Achter­berg, son­dern auch bekan­nte SDS-Aktivis­ten wie Gas­ton Sal­va­tore und selb­st Rudi Dutschke. In der – auss­chließlich aus Män­nern beste­hen­den – Liste find­en sich sog­ar Namen von SDS-Aktivis­ten, die später als Wort­führer des west­deutschen Mao­is­mus promi­nent wur­den, etwa Chris­t­ian Semm­ler, der später die Kom­mu­nis­tis­che Partei Deutsch­lands (Auf­bauor­gan­i­sa­tion) (KPD(AO)) grün­dete, oder Thomas Schmitz-Ben­der, der führend im Arbeit­er­bund für den Wieder­auf­bau der KPD aktiv war.[39]

Diese Redak­tion scheint in der Form nie funk­tion­iert zu haben, zumin­d­est gibt es keinen einzi­gen Artikel von den SDSlern bzw. den späteren Maois­t­en. Nicht­destotrotz war die Zeitschrift nicht beson­ders trotzk­istisch geprägt: Zwar wurde scharfe Kri­tik am Real­sozial­is­mus sow­jetis­ch­er Prä­gung geäußert, doch Fidel Cas­tro, Ho Chi Minh und Kim Sung-Il wur­den gelobt; Stal­in wurde dafür kri­tisiert, dass er die Kom­mu­nis­tis­che Inter­na­tionale „zu einem Instru­ment der sow­jetis­chen Außen­poli­tik degradiert“ hat­te, doch selb­st an dieser gün­sti­gen Stelle wurde die von Trotz­ki als Oppo­si­tion zum Stal­in­is­mus gegrün­dete Vierte Inter­na­tionale nicht erwäh­nt.[40] Erst in der fün­ften Num­mer von was tun erschien ein Zitat von Trotz­ki, in der elften Num­mer wur­den Auszüge aus ein­er Erk­lärung des Vere­inigten Sekre­tari­ats der Vierten Inter­na­tionalen abge­druckt und nur in der zwölften Num­mer erschien ein Bild von Trotz­ki (nun auf der Titel­seite zur Ankündi­gung seines Auf­satzes „Die Gew­erkschaften in der Epoche des total­itären Monopolka­p­i­tal­is­mus“). Erst mit der zwölften Num­mer, also nach einem Jahr, wurde was tun offiziell von trotzk­istis­chen Grup­pen her­aus­gegeben.[41]

Im Okto­ber 1968 führten Mit­glieder der deutschen Sek­tion in West­ber­lin, die als Gruppe um die Schü­lerIn­nen­zeitung Neuer Rot­er Turm arbeit­eten und bere­its aus den Falken aus­ge­treten waren, eine Spal­tung im Berlin­er Lan­desver­band der Falken her­bei. Die „rev­o­lu­tionäre Ten­denz in den ‚Falken‘„, also die Bezirksver­bände aus Wed­ding und Neukölln, ver­ließ die sozialdemokratis­che Organ­i­sa­tion und grün­dete zusam­men mit dem Neuen Roten Turm (die Gruppe bestand nach eige­nen Angaben aus „gut zwanzig Mann“[42]) den „Ini­tia­ti­vauss­chuß für eine rev­o­lu­tionäre Jugen­dor­gan­i­sa­tion“ mit der Per­spek­tive, eine „unab­hängige, eigen­ständi­ge Organ­i­sa­tion“ aufzubauen.[43] Diese Gruppe gab ab Jan­u­ar 1969 eine neue Zeitung unter dem Namen Spar­ta­cus her­aus und sprach sich bei ihrer formellen Kon­sti­tu­ierung, zur klaren Dis­tanzierung von ihrer Ver­gan­gen­heit in der SPD, für die „Schaf­fung der rev­o­lu­tionären Partei der Arbeit­erk­lasse“ aus, wobei der Auf­bau ein­er rev­o­lu­tionären Jugen­dor­gan­i­sa­tion ein Schritt in diese Rich­tung sein sollte. Ihr Vor­bild war die franzö­sis­che JCR, die beim Viet­nam-Kongress in West­ber­lin viel Aufmerk­samkeit auf sich gezo­gen hat­te.[44]

Schließlich bilde­ten diese West­ber­lin­er Trotzk­istIn­nen, zusam­men mit jün­geren Mit­gliedern der Sek­tion aus West­deutsch­land, im März 1969 eine „Bolschewis­tis­che Frak­tion“ (Bol­fra), die in ein­er inter­nen Plat­tform den voll­ständi­gen Aus­tritt aus der SPD und den bun­desweit­en Auf­bau ein­er rev­o­lu­tionären Jugen­dor­gan­i­sa­tion forderten (also die Ausweitung ihrer Poli­tik des „Ini­tia­ti­vauss­chußes“ auf die gesamte Sek­tion).[45] Die West­ber­lin­er woll­ten vol­len­dete Tat­sachen schaf­fen, oder, wie Brandt das 45 Jahre später aus­drück­te, die „Grün­dung war eine Eigen­mächtigkeit, mit der die Berlin­er Gruppe der deutschen Sek­tion diese ins Schlepp­tau nehmen wollte“.[46] Dies gelang nicht, denn auf ein­er Kon­ferenz der Sek­tion zu Pfin­g­sten 1969 spal­tete sich die Gruppe, wobei der unmit­tel­bare Anlass die nicht expliz­it poli­tis­che Frage war, ob Lothar Boep­ple die Funk­tion des haup­tamtlichen Sekretärs der Gruppe übernehmen sollte, wom­it wed­er die Bol­fra noch selb­st sein Stief­vater Willy Boep­ple ein­ver­standen waren. Im Rah­men dieser Spal­tung zog sich Willy Boep­ple, der seit fast zwei Jahrzehn­ten neben Georg Jung­clas eine führende Rolle inner­halb der Sek­tion gespielt hat­te, aus der aktiv­en Poli­tik zurück, auch wenn er eine Sym­pa­thie für die trotzk­istis­che Bewe­gung beibehielt.[47] So war diese Spal­tung beson­ders schädlich, vor allem weil die poli­tis­chen Dif­feren­zen zwis­chen den bei­den Flügeln des deutschen Trotzk­ismus erst nach der Kon­sti­tu­ierung von zwei unab­hängi­gen Grup­pen aus­gear­beit­et wur­den.

Die Auswirkungen der Spaltung

Nach der Spal­tung gab es zwei trotzk­istis­che Grup­pen in der BRD, die bei­de von sich selb­st behaupteten, die Mehrheit der alten Sek­tion zu vertreten, und zumin­d­est laut Brandt „gle­ich stark“ waren. Die „Gruppe Inter­na­tionale Marx­is­ten“ (GIM) um Jung­clas, Mon­e­ta und Schulz wurde nach eini­gen Monat­en als deutsche Sek­tion des Vere­inigten Sekre­tari­ats der Vierten Inter­na­tionale anerkan­nt.[48] Die GIM, die „anfangs nicht mehr als dreißig Mit­glieder“ hat­te,[49] hielt aber nicht an der entris­tis­chen Arbeit in der SPD fest, son­dern ging auf die zen­trale Forderung der Bol­fra ein, indem sie auf der gle­ichen Kon­ferenz eine unab­hängige Gruppe grün­dete und kurz danach mit dem Auf­bau ein­er unab­hängi­gen Jugen­dor­gan­i­sa­tion namens „Rev­o­lu­tionär-Kom­mu­nis­tis­che Jugend“ (RKJ) begann, die im Mai 1971 als bun­desweite Organ­i­sa­tion gegrün­det wurde.[50] Die „Inter­na­tionalen Kom­mu­nis­ten Deutsch­lands“ (IKD) um Ebmeier, Brandt und Zeller grif­f­en den tra­di­tionellen Namen der trotzk­istis­chen Gruppe in Deutsch­land wieder auf und set­zten ihre Arbeit zum Auf­bau ein­er trotzk­istis­chen, auf die Arbeit­er­ju­gend ori­en­tierte Jugen­dor­gan­i­sa­tion fort. Ihre „Kom­mu­nis­tis­che Jugen­dor­gan­i­sa­tion Spar­ta­cus“ kon­sti­tu­ierte sich als bun­desweite Organ­i­sa­tion im März 1971.[51]

Bei­de Grup­pen erlebten ras­antes Wach­s­tum auf bis zu jew­eils 300 Mit­glieder. In dieser Zeit begann vor allem die Spar­ta­cus-Gruppe, die eigene Tra­di­tion kri­tisch zu hin­ter­fra­gen, aber nur sehr allmäh­lich.[52] Es ist beze­ich­nend, dass keine der bei­den Grup­pen diese Spal­tung in ihrer jew­eili­gen Presse poli­tisch aufar­beit­ete oder über­haupt erwäh­nte – erst zwei Jahre später kommt es zu kri­tis­chen Auseinan­der­set­zun­gen und Polemiken zwis­chen den Grup­pen. Auch wenn die Entwick­lung der GIM nach 1971 über den Rah­men dieser Arbeit hin­aus­ge­ht, kann kurz zusam­menge­fasst wer­den, dass es der GIM nicht gelang, ein klares trotzk­istis­ches Pro­fil zu etablieren (es find­en sich unzäh­lige Beispiele der poli­tis­chen Anpas­sung an aktuelle Bewe­gun­gen, wie an den Beispie­len von was tun und der Inter­ven­tion beim Viet­nam-Kongress gezeigt wurde), und 1986 mit ein­er maois­tis­chen Gruppe fusion­ierte, was zum baldigen Unter­gang der fusion­ierten Gruppe führte.[53]

Die Spar­ta­cus-Gruppe machte ver­schiedene Anstren­gun­gen, das trotzk­istis­che Pro­gramm für die 70er Jahre zu aktu­al­isieren, aber litt an ein­er starken Fokussierung auf Jugen­dar­beit („Jugend-Avant­gardis­mus“), die erst 1974 – nach ein­er Spal­tung und ein­er späteren Wiedervere­ini­gung – endgültig über­wun­den wer­den kon­nte.[54] Schließlich ist es dieser Gruppe nie gelun­gen, als Alter­na­tive zum von ihr kri­tisierten „Vere­inigten Sekre­tari­at der Vierten Inter­na­tionale“ eine eigene inter­na­tionale poli­tis­che Strö­mung zu find­en oder aufzubauen, was zur plöt­zlichen Selb­stau­flö­sung des Spar­ta­cus­bun­des durch ihr Zen­tralkomi­tee im Jahr 1977 beitrug.[55] Ohne einen inter­na­tionalen Rah­men war die Gruppe zu „ein­er Exis­tenz mit unun­ter­broch­enen inneren Krisen“[56] verurteilt, wie die GIM polemisch bere­its 1971 urteilte. So ent­standen nach der Spal­tung zwei Grup­pen, die trotz der Gewinne aus der Jugend­be­we­gung nicht nur zahlen­mäßig schwach waren, son­dern nie ihr zen­tris­tis­ches Erbe über­winden kon­nten.

In der gle­ichen Zeit ent­standen auch neue trotzk­istis­che Grup­pen in der BRD durch den Aus­tausch mit inter­na­tionalen Strö­mungen: etwa die „Inter­na­tionale Arbeit­er-Kor­re­spon­denz“ (IAK) als Teil des „Inter­na­tionalen Komi­tees“ von Lam­bert und Healy, die „Voran“-Gruppe als Teil des „Komi­tees für eine Arbei­t­er­in­ter­na­tionale“ (CWI) von Ted Grant, oder die „Sozial­is­tis­che Arbeit­er­gruppe“ (SAG) als Schwest­er­gruppe der „Inter­na­tion­al Social­ists“ von Tony Cliff. Diese Grup­pen bezo­gen sich auf Tra­di­tio­nen, die eben­falls aus der zen­tris­tis­chen Degen­er­a­tion der Vierten Inter­na­tionale ent­standen waren. Ohne hier die Geschichte dieser Grup­pen im Detail aufar­beit­en zu kön­nen, lässt sich fes­thal­ten, dass sich alle auf den Zen­tris­mus der Vierten Inter­na­tionale der Nachkriegszeit und nicht auf das rev­o­lu­tionäre Erbe Leo Trotzkis bezo­gen haben.

Schlussfolgerungen für heute

Die Poli­tik der deutschen Trotzk­istIn­nen bis 1968 hin­derte sie daran, einen Anziehungspol für die sich radikalisieren­den Jugendlichen zu bilden. Während die „Mao-Bibeln“, also die kleinen roten Büch­er mit Zitat­en von Mao Zedong, massen­haft ver­trieben wur­den, began­nen trotzk­istis­che Grup­pen erst im Jahr 1970 damit, die Schriften von Trotz­ki zu ver­bre­it­en.[57] So erzählte ein Trotzk­ist, der ab 1968 an der Studieren­den­be­we­gung in Frank­furt am Main teil­nahm, dass er bes­timmte Büch­er von Trotz­ki aus nicht-trotzk­istis­chen Ver­la­gen kan­nte, „aber mir war nicht bewusst, dass es damals poli­tis­che Grup­pen gab, die sich auf Trotz­ki bezo­gen haben.“[58] Die Entris­mus-Poli­tik machte die trotzk­istis­che Gruppe im entschei­den­den Moment prak­tisch unsicht­bar.

Willy Boep­ple vertei­digte den Entris­mus in der SPD in einem Refer­at im Jahr 1988 mit dem Argu­ment, dass es „bis weit in die sechziger Jahre hinein keine andere Möglichkeit [gegeben hätte], prak­tis­che poli­tis­che Tage­sar­beit zu leis­ten.“[59] Doch selb­st wenn der Entris­mus eine Möglichkeit darstellte, die reak­tionäre Peri­ode nach dem Zweit­en Weltkrieg zu „über­win­tern“, muss fest­ge­hal­ten wer­den, dass die Gruppe nur sehr langsam aus ihrem „Win­ter­schlaf“ erwachen kon­nte. Sie war nicht in der Lage, 1968 auf die geän­derte Sit­u­a­tion des Auf­schwungs des weltweit­en Klassenkampfes, welch­er sich in Deutsch­land haupt­säch­lich in der Radikalisierung der Jugend aus­drück­te, zu reagieren – und die Spal­tung war ein Aus­druck davon, dass es an poli­tis­ch­er Vor­bere­itung auf eine solche Wende man­gelte –, wom­it die vorherige „Tage­sar­beit“ wenig länger­fristi­gen Wert hat­te. Selb­st die Struk­turen, die man inner­halb der SPD aufge­baut hat­te, taugten wenig für die neue Aus­rich­tung, mit der Folge, dass die trotzk­istis­che Bewe­gung in Deutsch­land nach 1968 prak­tisch ohne his­torische Kon­ti­nu­ität, als Jugend­be­we­gung mit eini­gen älteren Bera­terIn­nen, neu aufge­baut wer­den musste.[60]

Doch es ging nicht nur darum, dass die Trotzk­istIn­nen zu spät reagierten und hin­ter der Bühne der Revolte blieben. Sie reagierten auch mit einem Pro­gramm, das ihre vorherige Anpas­sung an die Sozialdemokratie und den Stal­in­is­mus in der Drit­ten Welt reflek­tierte, so dass sie nicht im all­ge­mein radikalen Milieu poli­tisch her­ausstachen. Für uns von RIO, als Teil der Trotzk­istis­chen Frak­tion – Vierte Inter­na­tionale, zeigte sich, dass der weltweite Auf­schwung des Klassenkampfes ab 1968 die trotzk­istis­che Bewe­gung zwar stark nach links trieb, dass es allerd­ings hohe „Kosten der Anpas­sungs­jahre“ gab, denn die jahre­lange Anpas­sung an sozialdemokratis­che oder stal­in­is­tis­che Parteien hat­te pro­gram­ma­tis­che Spuren hin­ter­lassen. Die Trotzk­istIn­nen hat­ten zwar ein bedeu­ten­des poli­tis­ches Erbe: „Jedoch nutzten die ver­schiede­nen trotzk­istis­chen Strö­mungen die Jahre vor dem Auf­stieg nicht aus, um sich dieses Ver­mächt­nis wieder anzueignen, um den strate­gis­chen Rah­men zu definieren und rev­o­lu­tionäre Strö­mungen inner­halb der Arbeit­er­be­we­gung aufzubauen.“ Diese pro­gram­ma­tis­che Schwäche führte dazu, dass die trotzk­istis­chen Organ­i­sa­tio­nen zwar zahlen­mäßig wuch­sen, sich jedoch nicht von ihrem zen­tris­tis­chen Erbe befreien und die rev­o­lu­tionäre Kon­ti­nu­ität wieder­her­stellen kon­nten: „Obwohl sich die Kräfte der ver­schiede­nen trotzk­istis­chen Strö­mungen am Anfang des Auf­stiegs größ­ten­teils in den Stal­in­is­mus und die Sozialdemokratie aufgelöst hat­ten, stärk­ten die Ten­den­zen zur Klasse­nun­ab­hängigkeit, die sich in den Kon­fronta­tio­nen mit den offiziellen Führun­gen der Arbei­t­erIn­nen­be­we­gung man­i­festierten, die zen­tris­tis­chen Strö­mungen des Trotzk­ismus, die in mehreren Fällen zu Strö­mungen von mehreren tausend KämpferIn­nen wur­den (wie z.B. die Ligue Com­mu­niste in Frankre­ich, die nor­damerikanis­che SWP oder in Argen­tinien die Entwick­lung der PST in den 70er Jahren).“[61] Diese Entwick­lung gab es auch in der BRD, auch wenn die Organ­i­sa­tio­nen des trotzk­istis­chen Zen­tris­mus nur mehrere hun­dert und nicht mehrere tausend Mit­glieder zählten.

Genau diese Poli­tik des „Entris­mus sui gener­is“ vor 1968 und das zen­tris­tis­che Pro­gramm, die dazu führte, liefert eine entschei­dende Erk­lärung dafür, warum der Trotzk­ismus bis heute so schwach ist. Manche His­torik­erIn­nen in Deutsch­land sind zur Schlussfol­gerung gekom­men, dass der Aus­tritt der Sek­tion aus der SPD ein Fehler war, denn ger­ade in der Zeit nach 1968, als viele junge Men­schen in die Sozialdemokratie geströmt sind, hät­ten Trotzk­istIn­nen dort arbeit­en sollen. So schreibt der ehe­ma­lige Trotzk­ist und heutige SPDler Peter Brandt: „Auf­fäl­lig ist jedoch, daß der Entris­mus ger­ade in ein­er Sit­u­a­tion aufgegeben wurde, in der sich die Bedin­gun­gen für eine offenere Form der Arbeit in der SPD zu verbessern began­nen.“[62] Brandt ist, gle­ichzeit­ig mit Ebmeier, 1974 aus dem Spar­ta­cus­bund aus­ge­treten und in die SPD einge­treten, wo er bis heute Mit­glied ist. Wol­fram Klein argu­men­tiert, die „meis­ten trotzk­istis­chen Strö­mungen in den 1960er Jahren [haben] die Arbeit in den sozialdemokratis­chen Parteien ger­ade dann aufgegeben, als sich die Bedin­gun­gen verbesserten und sich auf die 68er-Bewe­gung gestürzt.“[63] Klein ist Mit­glied der SAV, die zwis­chen 1973 und 1994 inner­halb der SPD arbeit­ete und nun die gle­iche Poli­tik in der Linkspartei betreibt. Nach allen Infor­ma­tio­nen, die hier gesam­melt wur­den, muss ihrer Ein­schätzung deut­lich wider­sprochen wer­den: Die poli­tis­che Anpas­sung an die SPD, die erforder­lich war, um in ihr geduldet zu wer­den, machte die Trotzk­istIn­nen ger­ade für die radikalsten Sek­toren, die sie am ehesten hätte gewin­nen kon­nten, unat­trak­tiv.

Eine his­torische Bilanz des tiefen Entris­mus der deutschen Trotzk­istIn­nen in der SPD – 45 Jahre nach dem Viet­nam-Kongress, der den Anfang vom Ende des entris­tis­chen Pro­jek­tes markierte – ist uner­lässlich, um eine rev­o­lu­tionäre Poli­tik für heute zu entwick­eln. Denn die größten Organ­i­sa­tio­nen in der BRD, die sich auf das Erbe Leo Trotzkis beziehen, näm­lich die SAV (ehe­mals Voran) und Marx21 (ehe­mals SAG und Linksruck) betreiben seit 2007 eine ähn­liche Poli­tik in der Linkspartei. Sie sind als Strö­mungen nicht kom­plett ver­steckt, doch sie treten für linksre­formistis­che und nicht für rev­o­lu­tionär-marx­is­tis­che Posi­tio­nen ein, d.h. sie ver­steck­en ihr pro­gram­ma­tis­ches Selb­stver­ständ­nis. Sie argu­men­tieren, dass sie in der Linkspartei einen größeren Ein­fluss errin­gen kön­nten, oder – da die Linkspartei momen­tan viele reformistis­che BürokratIn­nen und wenige aktive Basis­mit­glieder hat – dass bei ein­er Zus­pitzung des Klassenkampfes in der Zukun­ft unzäh­lige neue Mit­glieder in diese Partei strö­men wür­den.

Eine der­ar­tige Poli­tik, begrün­det mit solchen Prog­nosen, hat­ten schon die deutschen Trotzk­istIn­nen, die von 1953 bis 1968 in der SPD gear­beit­et haben. Die Ergeb­nisse dieser Poli­tik waren katas­trophal. Denn die EntristIn­nen waren nicht in der Lage, eine rev­o­lu­tionäre Strö­mung in der SPD aufzubauen – und vor allem war ihr poli­tis­ches Pro­gramm nicht wahrnehm­bar, als beim großen Auf­schwung des Klassenkampfes ab 1968 bre­ite Sek­toren der Jugend nach rev­o­lu­tionären Ideen sucht­en. Mit ein­er kleinen trotzk­istis­chen Gruppe, die im Jahr 1968 offen für die Ideen des Trotzk­ismus gewor­ben hätte, würde die radikale Linke in der BRD heute möglicher­weise anders ausse­hen.

Deswe­gen sind wir von RIO, der Rev­o­lu­tionären Inter­na­tion­al­is­tis­chen Organ­i­sa­tion, der Mei­n­ung, dass wir Rev­o­lu­tionärIn­nen, auch wenn wir eine äußer­ste tak­tis­che Flex­i­bil­ität an den Tag leg­en, immer für ein klar rev­o­lu­tionäres Pro­gramm ein­treten müssen. Ein­fluss in der Linkspartei auf der Grund­lage mehr oder weniger kämpferisch­er linksre­formistis­ch­er Posi­tio­nen ist let­z­tendlich kein Ein­fluss für Rev­o­lu­tionärIn­nen, wie der „Ein­fluss“ der deutschen Trotzk­istIn­nen beim Viet­nam-Kongress zeigte. Wir brauchen keine langfristige Ver­ankerung in reformistis­chen Parteien – wir brauchen Inter­ven­tio­nen in die Kämpfe der kämpferis­tis­chen Sek­toren der Arbei­t­erIn­nen und der Jugend auf der Grund­lage eines rev­o­lu­tionären Pro­gramms.

Fußnoten

[1]. Um einige Beispiele zu nen­nen: Die Partei für Soziale Gle­ich­heit (PSG) bekam bei den Bun­destagswahlen im Jahr 2005 15.605 Zweit­stim­men und in anderen Jahren erhe­blich weniger. Die Gruppe Inter­na­tionale Marx­is­ten (GIM) bekam bei den Bun­destagswahlen im Jahr 1976 4.767 Zweit­stim­men. Der Spar­ta­cus­bund bekam bei Land­tagswahlen in Bre­men im Jahr 1975 und Baden-Würt­tem­berg im Jahr 1976 ger­ade mal 117 bzw. 94 Stim­men. In der Stadt Ros­tock kon­nte die Sozial­is­tis­che Alter­na­tive (SAV) im Jahr 2004 einen Sitz in der Bürg­er­schaft gewin­nen. [2]. Per­ry Ander­son: Über den west­lichen Marx­is­mus. Frankfurt/Main 1978. S. 140. [3]. Andreas Kühn: Stal­ins Enkel, Maos Söhne. Die Lebenswelt der K‑Gruppen in der Bun­desre­pub­lik der 70er Jahre. Frankfurt/Main 2005. S. 287. [4]. Oskar Hippe: … und unsere Fahn‘ ist rot. Erin­nerun­gen an sechzig Jahre in der Arbeit­er­be­we­gung. Ham­burg 1979. S. 261. [5]. RIO: The­sen zu Auf­bau, Krise und Unter­gang der IV. Inter­na­tionale. http://www.onesolutionrevolution.org/?p=736&language=de. [6]. Emilio Albamonte/Matias Maiel­lo: An den Gren­zen der „bürg­er­lichen Restau­ra­tion“. In: Klasse Gegen Klasse. Nr. 1. https://www.klassegegenklasse.org/an-den-grenzen-der-burgerlichen-restauration/. [7]. Wolf­gang Alles: Zur Poli­tik und Geschichte der deutschen Trotzk­isten ab 1930. Frankfurt/Main 1987. S. 238–243. [8]. Inter­na­tionale Kom­mu­nis­ten Deutsch­lands: Orga­ni­za­tion­al Report Of The Inter­na­tion­al Com­mu­nists Of Ger­many (IKD). In: Will Reis­ner [Hrsg.]: Doc­u­ments of the Fourth Inter­na­tion­al. The For­ma­tive Years (1933–1940). New York1973. S. 369. http://www.marxists.org/history/etol/document/fi/1938–1949/emergconf/fi-emerg12.htm. [9]. Hippe: Fahne. S. 164–193. [10]. Sec­ond World Con­gress of the Fourth Inter­na­tion­al: Reor­ga­ni­za­tion of the Ger­man Sec­tion of the Fourth Inter­na­tion­al. In: Fourth Inter­na­tion­al. Vol­ume IX, No. 6. New York, August 1948. S. 187–88. http://www.marxists.org/history/etol/document/fi/1938–1949/fi-2ndcongress/1948-congress09.htm. [11]. Peter Berens: Trotzk­isten gegen Hitler. Köln 2007. S. 158–159. [12]. Wolf­gang Alles [Hrsg.]: Gegen den Strom. Texte von Willy Boep­ple (1911–1992). Köln 1999. S. 59. [13]. Vgl. die Nachrufe für bei­de vom RSB: Wolf­gang Alles: Rudolf Segall (1911–2006): Vom Zion­is­mus zum rev­o­lu­tionären Marx­is­mus. http://www.rsb4.de/content/view/1669/88/. Ebd.: Wer war Jakob Mon­e­ta? – Ein Nachruf. http://www.rsb4.de/content/view/4595/81/. Laut Jochen Ebmeier gab es in Frank­furt eine trotzk­istis­che „Gruppe um die bei­den lei­t­en­den Gew­erkschafts­beamten Segall und Mon­e­ta, die selb­stre­dend Parteibüch­er [der SPD] hat­ten […], aber ‘viel zu exponiert’ waren, um in der SPD poli­tisch auftreten zu kön­nen.“ Jochen Ebmeier: Brief an den Ver­fass­er vom 2. Sep­tem­ber 2012. [14]. Hippe spricht von 52 Mit­gliedern in ein­er Berlin­er Gruppe im Jahr 1948 (die allerd­ings bis 1956 ver­schwun­den sein soll­ten). Hippe: Fahne. S. 240. Kule­mann erwäh­nt IKD-Grup­pen in 14 Städten im Jahr 1948, jedoch ohne Mit­gliederzahlen. Peter Kule­mann: Die Linke in West­deutsch­land nach 1945. Han­nover 1978. S. 66. Bis 1968 hat­te die Gruppe auf jeden Fall knapp 50 Mit­glieder. [15]. Ander­son: Marx­is­mus: S. 56–57. [16]. Georg Jung­clas: Von der pro­le­tarischen Frei­denker­ju­gend im Ersten Weltkrieg zur Linken der siebziger Jahre. 1902–1975. Eine poli­tis­che Doku­men­ta­tion. Ham­burg 1980. S. 212. [17]. Gre­gor Kri­tidis: Linkssozial­is­tis­che Oppo­si­tion in der Ära Ade­nauer. Ein Beitrag zur Frühgeschichte der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land. Han­nover 2008. S. 153–56, 160–68. [18]. Peter Brandt/Rudolf Steinke: Die Gruppe Inter­na­tionale Marx­is­ten. In: Richard Stöss (Hrsg.): Parteien-Hand­buch. Die Parteien der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land 1945–1980. Band II: FDP bis WAV. 1984 Opladen. S. S. 1601–1606. [19]. Gün­ther Gell­rich: Die GIM. Zur Poli­tik und Geschichte der Gruppe Inter­na­tionale Marx­is­ten 1969–1986. Köln 1999. S. 19. [20]. Jung­clas: Doku­men­ta­tion. S. 239–250. [21]. Brandt/Steineke: GIM. S. 1604. [22]. Jung­clas: Doku­men­ta­tion. S. 212. [23]. Georg Jung­clas: Aus der Geschichte der deutschen Sek­tion der Vierten Inter­na­tionale. Ham­burg 1972. S. 25–26. [24]. Jung­clas: Doku­men­ta­tion. S. 253. [25]. Ebmeier: Brief. [26]. Peter Brandt: Brief an den Ver­fass­er vom 7. Sep­tem­ber 2012. [27]. Kühn: Enkel. S. 18. [28]. Robert Alexan­der: Inter­na­tion­al Trot­sky­ism. 1929–1985. A Doc­u­ment­ed Analy­sis of the Move­ment. Durham 1991. S. 430. Er bezieht sich auf ein Inter­view mit R. Segall. Brandt bestätigt diese Zahl in: Brandt: Brief. 7. Sep­tem­ber 2012. [29]. Peter Brandt: Brief an den Ver­fass­er vom 24. August 2012. [30]. Seda Moura­di­an: „Inter Esse“ und „Neuer Rot­er Turm“. Ein Beitrag zur Struk­tur der Berlin­er Schülerzeitun­gen. Unveröf­fentlichte Mag­is­ter­ar­beit. Freie Uni­ver­sität Berlin 1968. S. 57–58. Siehe auch: Neuer Rot­er Turm. Schülerzeitschrift. Nr. 3. 1967. S. 38–39. [31]. Jung­clas: Geschichte. S. 24. Dabei meint er auch die poli­tis­che Vorar­beit zur Sol­i­dar­ität mit der Rev­o­lu­tion in der kolo­nialen Welt, zum Beispiel die Sol­i­dar­ität­sar­beit für den nationalen Befreiungskampf in Alge­rien, die die deutsche Sek­tion während der 60er Jahre hin­durch leis­tete. [32]. Brandt/Steineke: GIM. S. 1603. [33]. Pro­gramm des Kon­gress­es abge­druckt in: Michael Lud­wig Müller: Berlin 1968: Die andere Per­spek­tive. Berlin 2008. S. 200. Das Vere­inigte Sekre­tari­at der Vierten Inter­na­tionale soll ein eigenes Flug­blatt verteilt haben, dieses kon­nte lei­der nicht gefun­den wer­den. [34]. SDS West­ber­lin und Inter­na­tionales Nachricht­en und Forschungsin­sti­tut: Der Kampf des viet­name­sis­chen Volkes und die Glob­al­strate­gie des Impe­ri­al­is­mus. Inter­na­tionaler Viet­nam-Kon­greß 17./18. Feb­ru­ar 1968 West­ber­lin. 1968 Berlin. S. 31–38. [35]. Ebd.. S. 39–43. [36]. Ebd.. S. 76–80, 124–134. [37]. Spar­ta­cus. Nr. 19. S. 18–19. [38]. was tun. Nr. 1. S. 3. [39]. was tun. Nr. 1. S. 2. [40]. Für eine unkri­tis­che Hal­tung zur Kom­mu­nis­tis­chen Partei Viet­nams, siehe: was tun. Nr. 2. S. 9. Für eine aus­führliche und unkom­men­tierte Rede Fidel Cas­tros, siehe: was tun. Nr. 2. S. 11. Für einen Lob der Indus­tri­al­isierung der Kore­anis­chen Volks­demokratis­chen Repub­lik, siehe: was tun. Nr. 5. S. 17–19. Für einen Artikel zum 50. Jahrestag der Kom­mu­nis­tis­chen Inter­na­tionale, siehe: was tun. Nr. 6. S. 14–15. [41]. was tun. Nr. 5. S. 6., Nr. 11. S. 8., Nr. 12. S. 1–5. [42]. Brandt: Brief an den Ver­fass­er vom 24. Okto­ber 2012. Brandt kor­rigierte später, dass bis zu einem Drit­tel der Mit­glieder des Neuen Roten Turms Frauen waren. [43]. was nun. Nr. 5. S. 6–8. Zuvor hat­te man „die Illu­sion aufgegeben, über den Kanal der SPD größere pro­le­tarische Massen in Bewe­gung set­zen und so einen Dif­feren­zierung­sprozeß in der Partei ein­leit­en zu kön­nen, der eines Tages zur Abspal­tung eines bre­it­en linken Flügels führen würde.“ Über die Größe der Wed­dinger und Neuköll­ner Grup­pen, die aus den Falken aus­ge­treten sind, gibt es keine Angaben, es dürfte sich aber um etwa 50 Per­so­n­en gehan­delt haben. [44]. Spar­ta­cus. Nr. 3. S. 6. [45]. Brandt/Steineke. S. 1605–1606. [46]. Brandt: Brief. 7. Sep­tem­ber 2012. [47]. Alles: Strom. S. 237–238. [48]. Brandt/Steineke: GIM. S. 1606. [49]. Jung­clas: Doku­men­ta­tion. S. 276. [50]. was tun. Nr. 16. S. 3. [51]. Spar­ta­cus. Nr. 21. S. 6. [52]. So wird Kuba erst nach zwei Jahren zum ersten Mal in der Presse der Spar­ta­cus-Gruppe erwäh­nt, und auch dann ohne eine kri­tis­che Auseinan­der­set­zung über die Frage, ob das Sys­tem unter Cas­tro sozial­is­tisch ist – wie das Vere­inigte Sekre­tari­at analysieret hat­te – oder nicht. Siehe: Spar­ta­cus. Nr. 22. S. 22–23. [53]. Frank Nitzsche: „Aus dem Schat­ten in die Reich­weite der Kam­eras“. Die Entwick­lung trotzk­istis­ch­er Organ­i­sa­tio­nen in Deutsch­land, Öster­re­ich und der Schweiz unter beson­der­er Berück­sich­ti­gung des Ein­flusses der neuen Sozialen Bewe­gun­gen von 1968 bis heute. Unveröf­fentliche Dis­ser­ta­tion. Uni­ver­sität Siegen 2009. http://dokumentix.ub.uni-siegen.de/opus/volltexte/2009/390/pdf/Historie_Trotzkismus.pdf. S. 50–53. [54]. Brandt/Steineke: GIM. S. 1631–32. [55]. Nitschke: Entwick­lung. S. 58–59. [56]. GIM: Wider den „Nation­al-Trotzk­ismus“. Ham­burg 1971. S. 112. Zit. nach: Nitschke: Entwick­lung. S. 56. [57]. Ein erster Hin­weis auf eine Broschüre von Trotz­ki, „Was nun?“, gibt es in der zehn­ten Num­mer von Spar­ta­cus im Jahr 1970. Spar­ta­cus. Nr. 10/11. S. 38. [58]. N.N.: Brief an den Ver­fass­er vom 24. August 2012. [59]. Alles: Strom. S. 270. [60]. Dazu zählt nicht nur Georg Jung­clas, der bei der GIM aktiv war, son­dern auch Oskar Hippe, der die Kom­mu­nis­tis­che Jugen­dor­gan­i­sa­tion Spar­ta­cus unter­stützte. Hippe: Fahne. S. 260–261. Die GIM im Jahr 1970 beschrieb den „Arbeitsstil der älteren Genossen“ recht neg­a­tiv als „the­o­retis­che Steril­ität, das Warten auf ‚reale Kämpfe‘, sozialdemokratis­che Organ­i­sa­tion­sprak­tiken und ein unkri­tis­ches Ver­hält­nis zum Inter­na­tionalen Sekre­tari­at“, eingeprägt „in ein­er 15jährigen entris­tis­chen Prax­is“. GIM: Zen­traler Rund­brief. Nr. 27. Zitiert nach: Nitschke. Entwick­lung. S. 45. [61]. Albamonte/Maiello: Gren­zen. [62]. Brandt/Steineke. S. 1604. [63]. Wol­fram Klein: Zur Geschichte des Trotzk­ismus. http://www.sozialismus.info/2010/09/13824/.

Richtigstellungen

Von Paul Bre­mer erhiel­ten wir den Hin­weis, dass der Spar­ta­cus­bund sich erst 1981 auflöste. Zwar hat­te die Mehrheit des Zen­tralkomi­tees im Mai 1977 die Selb­stau­flö­sung beschlossen, doch eine Min­der­heit führte die Organ­i­sa­tion bis zu ihrer endgülti­gen Auflö­sung im Okto­ber 1981 weit­er. [Nachzule­sen bei: Nitschke: Entwick­lung. S. 58–59.]

Von Peter Brandt erhiel­ten wir den Hin­weis, dass er nicht 1974 mit der Gruppe um Jochen Ebmeier aus dem Spar­ta­cus­bund aus- und in die SPD einge­treten ist. Brandt war nicht Teil der Frak­tion der “Rev­o­lu­tionären Real­is­ten”, die sich auf einen neuen Entris­mus in der SPD ori­en­tierten, son­dern Mit­glied der Kom­pass-Ten­denz, die bere­its 1973 aus dem Spar­ta­cus­bund aus­geschlossen wurde und 1975 dem Sozial­is­tis­chen Büro beige­treten ist. Brandt wurde erst in den 90er Jahren SPD-Mit­glied. [Dieser Fehler entstammt: Nitschke: Entwick­lung. S. 57. Mehr Infos über die Komapß-Gruppe: http://www.mao-projekt.de/BRD/ORG/TRO/Spartacus_Kompass.shtml]

Von Anton Dan­nat erhiel­ten wir den Hin­weis, dass “Arbeit­er und Sol­dar” nicht nur von der franzö­sis­chen Sek­tion der Vierten Inter­na­tionale son­dern auch von der staatskap­i­tal­is­tis­chen Gruppe “Com­mu­nistes Révo­lu­tion­naires” her­aus­gegeben wurde. Aus diesem Grund find­et sich keine Ein­schätzung der Sow­je­tu­nion in dieser Zeitung. [Wir möcht­en uns bald inten­siv­er mit “Arbeit­er und Sol­dat” auseinan­der­set­zen.]

One thought on “Hinter der Bühne der Revolte

  1. Thomas Boepple sagt:

    .[11] Neben „Schorsch“ gab es auch Willy Boep­pele, > muss heis­sen ‘Willy Boep­ple’

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