Deutschland

Fünf Gründe, warum ich mor­gen zu den #NoG20-Pro­tes­ten fahre

Während uns der Hamburger Senat 20.000 Gründe auf den Hals hetzt, nicht gegen G20 zu protestieren, präsentiert euch unsere Autorin Lilly Freytag ihre fünf Gründe, trotzdem nach Hamburg zu fahren.

Fünf Gründe, warum ich morgen zu den #NoG20-Protesten fahre

Während die Polizei in Hamburg Demonstrant*innen daran hindert, zu schlafen, ihnen Zelte wegnimmt und sie verprügelt – sitze ich im Büro und werde immer wütender. Höchste Zeit, auch dort hin zu fahren, und meinen Protest auszudrücken! „Wieso?“, fragt eine Kollegin. Und ich antworte ihr mit meinen fünf Gründen:

1. Um meine demo­kra­ti­schen Rechte zu ver­tei­di­gen

Die Bilder machen wütend. 20.000 Polizist*innen, in voller Kampfmontur und mit schweren Waffen – nichts anderes sind Wasserwerfer und Tränengas, und einige haben sogar Maschinenpistolen dabei! – prügelnd und schikanierend, wollen den Protest unmöglich machen. Sie behaupten dabei sogar noch, dass wir die Gewalttäter seien. Ihnen geht es nur darum, von unseren Forderungen abzulenken, Leuten Angst einzujagen und unseren Protest zu delegitimieren – es geht ihnen darum, unser Recht auf Demonstration zu beschneiden. Die einzige Möglichkeit, wie wir dieses Recht verteidigen können, ist, indem wir es uns in Massen zurücknehmen, anstatt auf Gerichte und Politiker*innen zu vertrauen. Nichts anderes haben die letzten Tage gezeigt.

2. Um den Wider­stand gegen Trump nicht Mer­kel zu über­las­sen

Der G20 Gipfel ist Donald Trumps erster Besuch in Deutschland. Weder die Hamburger*innen, noch die anderen Gipfel-Teilnehmer*innen freuen sich unbedingt ihn zu sehen – und Angela Merkel stellt sich dabei an ihre Spitze. Viele haben sie bereits zur Verteidigerin der „westlichen Werte“ ernannt und sie nutzt es geschickt aus, sich als die „Anführerin der Vernünftigen“ gegen Trump zu inszenieren.

Das will ich nicht mitmachen. Denn genauso wie Donald Trump verteidigt Angela Merkel die Interessen der Bosse – in ihrem Fall eben die des deutschen Kapitals. Rassistische und muslimfeindliche Politik sind auch kein Alleinstellungsmerkmal Trumps – Merkel ist ebenso verantwortlich für die rassistische Abschottung Europas vor Menschen, die auf der Flucht vor Hunger, Krieg und Elend sind. Ihr „Nein“ zur „Ehe für alle“ zeigt, dass auch sie gegen die Rechte von LGBT-Menschen ist. Zugegeben, sie versteckt das alles ein kleines bisschen besser und neigt nicht zu absurden Twitter-Ausbrüchen. Aber trotzdem steht sie letztlich auf der selben Seite wie Trump – und deshalb will ich ihr den Widerstand gegen ihn nicht überlassen.

3. Um meine Soli­da­ri­tät mit den Kämp­fen welt­weit aus­zu­drü­cken

Die Länder, deren Staatschef*innen sich in Hamburg versammeln, vereint nicht nur, dass sie von kapitalistischen Verbrecher*innen regiert wird. In ihnen gibt es auch jeweils Menschen, die Widerstand leisten gegen die herrschenden Verhältnisse. Um mich mit diesen Menschen zu solidarisieren, fahre ich nach Hamburg.

Dazu gehören zum Beispiel die Arbeiter*innen, die letzten Freitag Brasilien in einem Generalstreik lahm gelegt haben. Dazu gehören die Frauen der #NiUnaMenos-Bewegung in Lateinamerika, die sich gegen Gewalt an Frauen organisieren und von ihren Regierungen die Finanzierung von Notmaßnahmen fordern. Dazu gehören die Arbeiter*innen bei PepsiCo und anderen Unternehmen in Argentinien, die gegen Entlassungen kämpfen. Diejenigen, die sich gegen den neoliberalen Umbau der indischen Wirtschaft im Interesse des Imperialismus wehren. Die Menschen, die sich gegen nationale Unterdrückung auflehnen, wie in Kurdistan oder Palästina. Die Menschen, die in den USA gegen rassistische Polizeigewalt kämpfen – und so viele mehr.

4. Wenn die Verbrecher*innen sich inter­na­tio­nal orga­ni­sie­ren – dann müs­sen auch wir uns inter­na­tio­nal orga­ni­sie­ren!

Die kapitalistische Mafia G20 ist international vernetzt. Alleine deshalb müssen wir das auch sein. Der Protest gegen G20 kann zu einem Symbol dafür werden, denn hier machen wir die Kämpfe aus allen Ländern zu unserer gemeinsamen Sache. Und es gibt einen Unterschied zwischen ihrer gemeinsamen Organisation und unserer: Ihnen geht es letztlich immer nur darum, die eigenen Interessen gegen andere durchzusetzen. Es geht ihnen darum, sich Vorrechte bei der Prekarisierung und Ausbeutung rauszuschlagen. Unsere Einheit ist eine echte, weil wir wirklich gemeinsame Interessen haben – nämlich eine andere Welt zu schaffen.

5. Weil eine andere Welt mög­lich ist!

Und das führt uns auch schon zu fünftens: Eine andere Welt ist möglich – eine, in der nicht einige viel und viele wenig haben, und einige alles bestimmen. Wenn wir uns gemeinsam als Arbeiter*innen organisieren, können wir dieses kapitalistische System der Prekarisierung und Ausbeutung stürzen, und mit ihm letztlich auch den Rassismus und das Patriarchat. Dieser Horizont existiert für viele Menschen noch nicht. Bei den Protesten gegen G20 machen wir ihn für Tausende erstmals sichtbar. Was gibt es Schöneres?

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