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FU Berlin spricht Dozentin von Antisemitismus-Vorwürfen frei

Die durch Antisemitismus-Vorwürfe gegen eine Lehrbeauftragte der FU Berlin ausgelöste Debatte um Israelkritik und Antisemitismus am Otto-Suhr-Institut wurde am Montag mit einer weiteren Podiumsdiskussion fortgeführt. Dabei zeigte sich, dass die Vorwürfe gegen die Politikwissenschaftlerin Eleonora Roldán Mendívil haltlos sind und nur ein Vorwand waren, um gegen linke Positionen an der Universität vorzugehen.

FU Berlin spricht Dozentin von Antisemitismus-Vorwürfen frei

Unter den Gästen auf dem Podium zum Thema kritischer Wissenschaft und Antisemitismus war zum ersten Mal in der Veranstaltungsreihe auch die von Antisemitismus-Vorwürfen betroffene Eleonora Roldán Mendívil selbst. Im vergangenen Wintersemester sah sie sich mittels eines deutschnationalen Blogs mit einem solchen Vorwurf konfrontiert und erhielt für das jetzige Sommersemester am Otto-Suhr-Institut (OSI) keinen Lehrauftrag mehr. Darüber hinaus sprachen auf dem Podium der zu Rechtsextremismus und Antisemitismus forschende Politikwissenschaftler Hajo Funke sowie der israelische Historiker Gadi Algazi.

Die Debatte ging vor allem darum, wie unterschiedlich mit Kritik am israelischen Staat in Deutschland und in Israel umgegangen wird. Es wurde betont, dass die von sogenannten „Antideutschen“ vorgebrachte Idee, diese Kritik sei grundsätzlich antisemitisch, ein spezifisch deutsches Phänomen ist, das selbst oft durch die Gleichsetzung von Juden*Jüdinnen mit dem Staat Israel, an Antisemitismus grenzt. Dabei wird, wie im Fall von Mendívil, oft auch ein Vokabular als antisemitisch denunziert, dass im geschichts- und sozialwissenschaftlichen Diskurs allgemein genutzt wird, um die historische und aktuelle Dimension von Gesellschaften und Konflikten zu beschreiben. So zum Beispiel der Begriff des Kolonialstaates oder der Apartheid für Israel, der die aktuelle Siedlungspolitik in den Rahmen der spezifischen Entstehungsgeschichte des Staates setzt und so die Situation verständlicher macht.

Wissenschaftliche Begriffe abzulehnen und deren Verwendung auf Israel als antisemitisch zu diffamieren, nur weil sie Israel differenziert und materialistisch beschreiben, führt auf einen Weg, in dem für die eigene Argumentation auch bald keine wissenschaftlichen Argumente mehr herangezogen werden. Das hat sich auch wieder bei der Diskussion am Montag gezeigt.

Während vom Podium aus für eine differenzierte, wissenschaftliche Sicht auf einen komplexen Konflikt argumentiert wurde, versuchten einige aus dem Publikum immer wieder die Diskussion auf einzelne Worte zu reduzieren, deren Gebrauch grundsätzlich antisemitisch sei, unabhängig von dem Bezug auf die realen Verhältnisse. Auch Mendívil argumentierte dafür, dass Wissenschaft nicht das „Ideal“ der Neutralität erfüllen kann, das ihr von Liberalen oft angedichtet wird; dass sie im Gegenteil parteiisch sein sollte, aber dass sie sich trotz allem an der Realität orientieren muss und damit wissenschaftlich bleibt. In ihrem Fall bedeutet das, dass sie als aktive Antirassistin den Rassismus und seine Auswirkungen erforscht, um diesen etwas entgegen setzen zu können.

Blamage für Institutsleiter Bernd Ladwig

Im Rahmen des Vorwurfs von deutschnationaler Seite, der vom OSI zuerst einfach so übernommen wurde, gab es inzwischen ein Gutachten, ob nun die Positionen und Aussagen von Roldán Mendívil antisemitisch seien oder nicht. Ein perfider Vorgang, der auch vom Leiter des OSI, Bernd Ladwig, unterstützt wurde und geradezu zu einem Tribunal führte.

Beauftragt mit dem Gutachten wurde der Historiker Wolfgang Benz, der sich durch antikommunistische Positionen auszeichnete. Ein einmaliger Vorgang, da vorher noch nie irgendein Gutachten beauftragt wurde – zumal die Studierenden im Mendívils Seminar „Rassismus im Kapitalismus“ niemals von irgendwelchen antisemitischen Äußerungen seitens ihrer hörten.

Umso blamabler für Ladwig, dass nun sogar jenes Gutachten bescheinigt, dass Mendívil keine antisemitischen Positionen vertritt und dass dies von Hajo Funke explizit erwähnt wurde. Auch Ladwig musste das anerkennen, beharrte aber aus angeblich rechtlichen Gründen darauf, dass dieses Gutachten nicht veröffentlicht wird. Auch wir kennen dieses Gutachten nicht und der Dozentin lag dies auch nur zur Einsicht vor. Mensch fragt sich, warum ein Gutachten in Auftrag gegeben wurde, wenn es doch aus rechtlichen Gründen nicht veröffentlicht werden sollte…

Es war immer wieder Professor Algazi, der die Kritik am israelischen Staat in den richtigen Kontext stellte und diesbezüglich betonte:

Enteignung und Siedlung gehören [in Palästina] nicht der Vergangenheit an. Das passiert jetzt. […] Da macht der Staat einen Krieg gegen die eigenen Bürger.

Richtigerweise schloss er mit den Worten, wonach eine historische deutsche Verantwortung gegenüber Juden*Jüdinnen sicherlich bestehe – zugleich aber auch gegenüber den Palästinenser*innen.

12 thoughts on “FU Berlin spricht Dozentin von Antisemitismus-Vorwürfen frei

  1. Jacques sagt:

    Unglaubliche Scheiße, die hier von sich gegeben wird. Erstmal bitte das Gutachten abwarten. Fakt ist jedoch, dass Menschen, die eine Intifada gutheißen, vielleicht von verstrahlten ‚Linken‘ vom Antisemitismus freigesprochen werden, sie aber immernoch unglaublich menschenverachtend bleiben. Tschüss. Euer Revoluzernischenblog ist halt an Unseriösität nicht unterbietbar.

  2. Nichts fürchten die Zionisten mehr als die Wahrheit. Hier hat die Wahrheit gesiegt. Die konzertierten Aktionen der Israel-Lobby gegen die Meinungsfreiheit und den Einschüchterungsversuchen, um diese zu unterdrücken gerade, auch an Universitäten, hat diesmal einen Dämpfer bekommen. Immer wieder wird versucht, die Israel-Kritik, als Antisemitismus zu diffamieren, dem muss widersprochen werden. Für ein freies Palästina

  3. Jacques sagt:

    @Evelyn, es fällt ja schon auf, wie einfach gestrickt und mit Stereotypen verfangen ihre Sprache wieder alles relativiert, was diese Dozierende von sich gab. Ganz abgesehen davon, dass allein das Reden von einer Israel-Lobby schon latent verschwörerisch ist, befreit ihr verbaler Kahlschlag die Betroffene nicht von dem Vorwurf, sie verteidige eine deutsche Sicht auf den Nah-Ost-konflikt, der Messermassakrierungen und Bomben als ‚Befreiungsakte‘ glorifiziert. Wer von Wahrheit spricht, verteidigt nicht zu Letzt meist die eigene fundamentale Sicht auf die Sachlage. Wahrheit kann also nur normatives Instrument sein, nicht aber genuin. Eine eigene Definition von Antisemitismus ist die eine Sache, mit der Dominanz einer ‚Wahrheitsautorität‘ diffamiert man* eine diffetenziertere Sicht auf die Dinge. Der Fakt bleibt jedoch bestehen, dass diese Lehrperson, ob persönlich oder öffentlich Plattform für Mordaufruf an Juden und Jüdinnen indirekt unterstützte.

  4. Jacques sagt:

    @redaktion, ich danke, dass meine Kommentare veröffentlicht werden. 2. weise ich mal ganz subtil darauf hin Madame: Evelyn hecht-galinski zu googlen. Jetzt sagt mir bitte nochmal aufrichtig und ehrlich, dass ihr hier keine Plattform für antisemitische Kackscheiße bietet. Alter! Ihr Profil ist ja so unter aller Würde!

    Mfg Jacques

    1. webmaster sagt:

      Sorry, wir können nur ganz oberflächlich Kommentare kontrollieren.

  5. Bobby sagt:

    This is really good news. Let’s hope a broader discussion on the differences criticism of a state and anti-Semitism can emerge from this and with that a more honest conversation centering Palestine.

  6. Kerstin sagt:

    Ein weiteres „unveröffentlichtes Gutachten“ des Zentrums für Antisemitismusforschung – das scheint ja zur Tradition zu werden! Das ZfA forscht im Verborgenen ? Es ist völlig inakzeptabel, dass sowohl das Gutachten zu den sogenannten „Antisemitismusvorwürfen“ gegen eine Seminar an der der HAWK in Hildesheim (2016), als auch nun das von Benz erstellte, nicht veröffentlicht werden dürfen. Das ist ein politischer Skandal. Der deutsche offizielle politische Diskurs der Bundesregierung, der Israel nicht als Besatzungsmacht verurteilt und daher auch nicht auf die Einhaltung des humanitären Völkerrechtes verpflichtet, wird mit dieser Art von Intransparenz gestützt und akzeptiert. Das dürfen wir nicht zulassen!

  7. Gegen die derzeitige Politik der israelischen Regierung zu sein, ist natürlich NICHT GLEICHBEDEUTEND, GEGEN JUDEN(antisemitisch) ZU SEIN !
    Eigentlich müsste DAS JEDES KIND VERSTEHEN !!
    Wir, die „Mütter gegen den Krieg Berlin-Brandenburg“ haben den jüdischen Professor Dr. Günther bis zu seinem Tode und darüber hinaus bis jetzt in seinem Werk unterstützt, gegen die neuen Atomwaffen(Depleted Uranium-Waffen) der US/NATO aufzuklären, die überall und ausschließlich in allen Kriegsgebieten in Form von Kugeln, Granaten und Bomben in allen Kriegsgebieten eingesetzt werden! WO BLIEB DA DIE UNTERSTÜTZUNG DER JÜDISCHEN GEMEINSCHAFT! IN DEUTSCHLAND ???

  8. Günter Schenk sagt:

    Warum ein von Otto-Suhr-Institut in Auftrag gegebenes Urteil „aus rechtlichen Gründen“ nicht veröffentlicht werden „kann“, erschließt sich dem Weisen!

    Der Institutsleiter Bernd Ladwig ist aufgefordert, dieses Gutachten unverzüglich zu veröffentlichen.

    Des Weiteren soll er die „verhinderte Dozentin“ Roldán Mendívil in ihre vorherige Position zurück versetzen. Erst dann ist der Wahrheit und Freiheit der Wissenschaft Genugtuung geleistet.

    N.b. am untatlichen Urteil von Professor Wolfgang Benz besteht keinerlei Grund zu Zweifel!

  9. Günter Schenk sagt:

    Korrigierter Kommentar!

    Warum ein von Otto-Suhr-Institut in Auftrag gegebenes Urteil „aus rechtlichen Gründen“ nicht veröffentlicht werden „kann“, erschließt sich dem Weisen!

    Der Institutsleiter Bernd Ladwig ist aufgefordert, dieses Gutachten unverzüglich zu veröffentlichen.

    Des Weiteren soll er die „verhinderte Dozentin“ Roldán Mendívil in ihre vorherige Position zurück versetzen. Erst dann ist der Wahrheit und Freiheit der Wissenschaft Genugtuung geleistet.

    N.b. am untadelichen Urteil von Professor Wolfgang Benz besteht keinerlei Grund zu Zweifel!

  10. Said sagt:

    Die FU hat Mendivil ja gerade eben nicht freigesprochen – sie hat das genaue Gegenteil getan – Gerüchte und Lügen weiter verbreitet, um jewede Dissidenz gegen Imperialismus und Kapitalismus zu ersticken. So haben sich der Institutsleiter und der Mittelbau des OSI öffentlich und nachdrücklich als Handlanger israelischer Rechtsnationalisten betätigt – wovon sie keineswegs abgerückt sind. Offen ist dabei, welchen Einfluss israelische Kooperationspartner und die DFG genommen haben und nehmen.
    Die Tatsache, dass all das möglich ist – ist der eigentliche Skandal – sowie, dass von dieser Akademie nicht ein einziges Wort des Protests gegen eine Führung laut geworden ist, die absolut nichts unternommen hat, um die akademische Freiheit zu verteidigen.
    Man fühlt sich einmal mehr daran erinnert, dass es 1933 praktisch keines äusseren Drucks bedurfte – um die Universitäten und Akademien gleich zu schalten.

  11. not important sagt:

    ach gottchen, der islamophile wissenschaftlich total unseriöse antisemitische antisemitismus-„forscher“ benz wurde mit einem gutachten beauftragt, das bescheinigt !!!

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