Jugend

Fridays For Future: Bundesweit 300.000 gegen Kohleenergie und Klimawandel

Heute streikten hunderttausende Schüler*innen in ganz Deutschland und in über 120 Ländern gegen die Zerstörung der Umwelt und den Raub ihrer Zukunft. Es ist der bisher wichtigste Aktionstag der Bewegung, die parallel in über 1600 Städten mobilisierte, 200 davon in Deutschland. Die größten Demonstrationen fanden in Berlin und München statt, wo jeweils Zehntausende demonstrierten.

Fridays For Future: Bundesweit 300.000 gegen Kohleenergie und Klimawandel

Seit langem haben deutsche Schulen keine solche bun­desweite Dynamik erlebt. Im Jahre 2009 gab es massen­hafte Proteste gegen die Bologna-Reform; vor eini­gen Jahren began­nen Berlin­er Schüler*innen unter dem Mot­to „Refugee Schul- und Unistreik“ gegen den aufk­om­menden Recht­sruck, Abschiebun­gen und Ras­sis­mus zu streiken. Im let­zten Jahr gin­gen im Zuge der massen­haften Mobil­isierun­gen gegen das neue bay­erische Polizeiauf­gabenge­setz tausende Schüler*innen in München auch während der Unter­richt­szeit auf die Straße. Nun ist das Gespenst des Schul­streiks im ganzen Land und inter­na­tion­al angekom­men – inspiri­ert durch eine 16-jährige junge Frau.

Gre­ta Thun­berg, dieser Name ist in aller Munde: die Schwedin schlägt seit ver­gan­genem Jahr weltweit Wellen, nach­dem sie begann, ihre Schule gegen den Kli­mawan­del zu bestreiken und daraufhin auf der Kli­makon­ferenz der Vere­in­ten Natio­nen eine Rede hielt. Thun­berg ist nun sog­ar für den Frieden­sno­bel­preis nominiert. Inzwis­chen bre­it­ete sich ihre Meth­ode auf alle Kon­ti­nente aus und erre­icht am heuti­gen „Glob­al Cli­mate Strike“ einen Höhep­unkt.

Die Jugend in der ersten Reihe

In 200 Städten in Deutsch­land haben heute ins­ge­samt 300.000 Men­schen demon­stri­ert: ein Zeichen dafür, dass ökol­o­gis­che Fra­gen an Rel­e­vanz gewin­nen. Inter­na­tion­al gin­gen in über 120 Län­dern eben­falls Hun­dert­tausende auf die Straße.

Während Klimaproteste in Deutsch­land in den let­zten Jahren – spätestens seit der Nieder­lage der Cas­tor-Protest­be­we­gung – eher isoliert blieben, stellt Fri­days For Future einen Wen­depunkt dar. Zulet­zt hat­ten die „Ende-Gelände“-Proteste viele Jugendliche, vor allem Studierende, poli­tisiert. Die harte Polizeire­pres­sion, die eine Per­son im Ham­bach­er Forst das Leben kostete, war die Reak­tion eines deutschen Staates, der für das Prob­lem der Kli­makrise keine Lösung find­en kann.

Die Bewe­gung der Schüler*innen stößt auf bre­ite Sym­pa­thie: Tausende Wissenschaftler*innen haben sich bere­its mit der Bewe­gung sol­i­darisiert, genau­so wie die Gew­erkschaft Erziehung und Wis­senschaft (GEW). Auf dem gestri­gen Warn­streik der Busfahrer*innen der Berlin­er Verkehrs­ge­sellschaft (BVG) rief die Basis­gruppe ver.di aktiv zur Sol­i­dar­ität mit den Schüler*innen auf:

Um die dro­hende Kli­makatas­tro­phe noch abzuwen­den, müssen wir den Ausstoß von CO2 schnell und radikal senken. Das beste Mit­tel dafür: Möglichst viele Men­schen müssen von PKWs auf Busse, U‑Bahnen und Straßen­bah­nen umsteigen. Doch das wird kaum gelin­gen, wenn die Züge wegen Per­sonal­man­gels ständig aus­fall­en.
Wir wür­den auch weit­erge­hen: Wir müssen den Nahverkehr deut­lich aus­bauen, und viel mehr Per­son­al ein­stellen. Dafür braucht es auch ordentliche Löhne und bessere Arbeits­be­din­gun­gen. Wir brauchen einen kosten­losen öffentlichen Nahverkehr, finanziert durch die Besteuerung der Banken und Konz­erne.

Auch viele Lehrer*innen unter­stützen die Bewe­gung, viele demon­stri­eren zusam­men mit ihren Klassen. Den­noch gab es Ein­schüchterun­gen seit­ens Schulleitun­gen, an mehreren Orten wur­den Ver­weise an Streik­ende verteilt. Die Jugendlichen ließen sich den­noch nicht ein­schüchtern; so kam es beispiel­sweise in Berlin dazu, dass 30.000 demon­stri­erten – anstatt der vorherge­sagten 5000.

Den Schüler*innen geht es um ein Ende des Kli­mawan­dels: eine ein­fache Forderung, die jedoch die Frage aufwirft, wie sie zu erre­ichen ist. Ver­schiedene Posi­tio­nen kamen auf den Demon­stra­tio­nen auf häu­fig mit großer Kreativ­ität selb­st gebastel­ten Schildern und diversen Sprechchören zum Aus­druck. Während einige die Frage des indi­vidu­ellen Kon­sums aufwar­fen und etwa zu weniger Plas­tikver­brauch rieten, war eine weit ver­bre­it­ete Forderung die des Ausstiegs aus der Kohlever­stro­mung. „Hopp hopp hopp – Kohlestopp!“ tönte es in ganz Deutsch­land. Eine ein­fache, aber klare Forderung, die von den Regierungsparteien nicht erfüllt wird. Daher riefen viele Demon­stri­erende zu einem Wan­del in der Poli­tik auf.

Capitalism will never be green

In München demon­stri­erten min­destens 10.000 Schüler*innen. Viele forderten im Antikap­i­tal­is­tis­chen Block einen Sys­temwan­del. Die Zer­störung der Natur ist nur aufzuhal­ten, wenn das Sys­tem über­wun­den wird, das sie aus­beutet: der Kap­i­tal­is­mus. Deswe­gen demon­stri­erten Schüler*innen der Marx­is­tis­chen Jugend München zusam­men mit der sozial­is­tis­chen Frauen­gruppe Brot und Rosen, der Gruppe Refugee Strug­gle for Free­dom, der Schüler*innengruppe Druck! und der Linksju­gend sol­id‘. In ihrem Aufruf schreiben sie:

Der Kampf für das Kli­ma muss zwangsläu­fig auch ein Kampf gegen den Kap­i­tal­is­mus sein. Egal, wie grün sich manche Konz­erne geben und egal, wie schön die Ver­sprechen von Parteien wie den Grü­nen sind: Eine auf dem Streben nach Prof­it basierte Wirtschaft­sor­d­nung kann keine echte Rück­sicht auf Ökolo­gie und unsere Lebens­be­din­gun­gen nehmen!

Hierzu ist es nötig, dass die Kämpfe der Arbeiter*innen, Jugendlichen und Frauen zusam­menge­führt wer­den. Um der Bewe­gung mehr Schlagkraft zu geben, müssen die Gew­erkschaften über die Sol­i­dar­itäts­bekun­dun­gen hin­aus­ge­hen und zu tat­säch­lichen Streiks aufrufen.

Die kap­i­tal­is­tis­chen Regierun­gen ver­suchen, die Kosten der Krise und die Fol­gen der Umweltkatas­tro­phe auf die arbei­t­ende Bevölkerung abzuwälzen und propagieren einen grü­nen Kap­i­tal­is­mus. Jedoch ist dieses Sys­tem grundle­gend auf die Prof­ite ein­er Min­der­heit, der Kapitalist*innen, ori­en­tiert, die kein materielles Inter­esse daran haben, die Pro­duk­tion anders zu organ­isieren. Nur eine demokratis­che Kon­trolle der gesamten volk­swirtschaftlichen Pro­duk­tion durch die Bevölkerung und die Ver­staatlichung der großen Energie- und Indus­triekonz­erne kann die Kli­makatas­tro­phe been­den. Um unseren Plan­eten zu ret­ten, müssen wir den Kap­i­tal­is­mus über­winden.

One thought on “Fridays For Future: Bundesweit 300.000 gegen Kohleenergie und Klimawandel

  1. Roland Sturm sagt:

    Endlich bewegt sich etwas.
    Ihr aber redet wieder nur von CO2, der Haup­tk­li­makiller Fleisch wird ignori­ert.
    Gre­ta Thun­berg ist kon­se­quent und lebt veg­an.
    Ihr macht euch unglaub­würdig wenn ihr diese Fak­ten der Umwelt und Kli­ma zZer­störung erstörung ver­schweigt.
    Alles oder nichts, halb­herzig bewegt nicht viel und entspricht den Erwach­se­nen­be­tonköpfen gegen die Proteste sich wen­den. Vllt mal ein­fach drüber nach­denken.

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