Jugend

Fri­days for Future-Aktivist*innen: „Viele von uns füh­len sich von den Grü­nen über­haupt nicht ver­tre­ten“

Mit Fridays for Future gehen Schüler*innen Woche für Woche bundesweit, aber auch weltweit auf die Straße und streiken für Klimaschutz. Bei den Europawahlen haben die Grünen versucht, die FFF-Proteste für ihren Wahlkampf zu vereinnahmen. Unsere Autorin Tabea Winter interviewt Clara, ein Miglied von Fridays For Future Köln, die sich in einer Stellungnahme klar davon distanziert haben.

Fridays for Future-Aktivist*innen:

Kannst du mir erzählen, was ihr als Ortsgruppe Köln so macht und wie die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Städten läuft?

Wie viele andere Ortsgruppen auch organisieren wir zuerst einmal natürlich unseren wöchentlichen Freitagsstreik. Zusätzlich machen wir noch viele andere Veranstaltungen wie Workshops, Vorträge, Bastel- und Kennenlerntreffen. Unsere Ideen für Veranstaltungen und Aktionen gehen uns nicht aus und wir haben noch viele coole Sachen in der Zukunft geplant!

Neben diesen offenen Veranstaltungen machen wir auch sehr viel Vernetzungsarbeit. Wir stehen im stetigen Außtausch mit z.B Ende Gelände und anderen linken Gruppen, Orgas und Bewegungen. Dabei haben wir immer das Ziel, das Klimathema noch größer zu machen.

Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen FFF Ortsgruppen läuft alles in allem gut. Wir stehen mit vielen Ortsgruppen und unserer bundesweiten Orga im stetigen Austausch, aber wie in jeder Art von Orga gibt es selbstverständlich auch Probleme und Differenzen. Vor allem in einer so heterogenen Bewegung wie Fridays for Future. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir das weiterhin demokratisch und aware zusammen hinkriegen!

Ihr als FFF Köln habt ein Statement veröffentlicht, in dem ihr euch von Sven Giegolds (Spitzenkandidat der Grünen) Aussage distanziert, der Wahlsieg sei ein „Sunday for Future“ gewesen. Warum?

Wir als FFF Köln haben alle sehr verschiedene Meinungen zu der Partei Bündnis90/Die Grünen. Wir wollen die Vergangenheit nicht vergessen und wollten die Grünen mit dem Post daran erinnern, dass wir ihnen (wie allen anderen Parteien) kritisch entgegenstehen und wir sie im Blick behalten. Zu klimagerechter Poltik gehört mehr als nur die Farbe der Natur im Namen. In der Vergangenheit gab es viele Entscheidungen von den Grünen, die unseren Vorstellungen von sozialer und klimagerechter Politik entgegenstehen. Einige davon haben wir in unserem Statement auch angedeutet, wie Hartz IV, Abschiebungen und ihre Zustimmung zur Abholzung des Hambacher Forsts, der seit Jahrzehnten ein Symbolbild des Klimakampfes ist. Wer mehr dazu wissen will, kann sich gerne bei uns melden, aber eigentlich wollten wir mit dem Statement nur eines sagen:

Viele von uns fühlen sich von der Partei überhaupt nicht vertreten. Faktisch ist es also so, dass Fridays for Future nicht von den Grünen repräsentiert wird oder repräsentiert werden soll. Mit dem Zitat von Sven Giegold wurde jedoch genau dies suggeriert. Wir sind uns bewusst, dass unser Protest den Grünen bei ihrem Wahlsieg geholfen hat, da wir das Klimathema zum Thema der Europawahl gemacht haben und die Grünen nunmal die ersten sind, die vielen bei dem Thema einfallen. Trotzdem. Die Grünen sind, wie jede andere Partei auch, nicht die Partei der Bewegung und wir wollen auch nicht mit ihnen in Verbindung gebracht werden. Wir sind und bleiben eine überparteiliche Bewegung. Unser Ziel ist es, dass endlich unsere Zukunft gerettet wird und nicht, dass so und so viele Stimmen an irgendeine Partei gehen. Außerdem distanzieren wir uns ingesamt von dem ganzen Wahlspektakel. Ein Wahlsieg ist keine Party, sondern ein Arbeitsauftrag der Wähler*innen. Die Klimakrise ist noch nicht abgewendet, sie wird noch nichtmal wirklich konsequent von der Regierung in Angriff genommen. Wir als FFF Köln sehen also keinen Grund zum Feiern und feiern auch nicht mit. Wir wollen weder Debatten über Meinungsmache vor Wahlen, noch wollen wir Partys oder Lobreden. All dies verschiebt das Thema Klimakrise in den Hintergrund.

Wenn die Grünen nicht die Antwort auf den Klimawandel sind, was ist aus eurer Perspektive dann die Antwort?

Wie gesagt: Mit dem Post wollten wir nicht sagen, dass jeder aus FFF und vor allem aus unserer Ortsgruppe gegen die Grünen sei. Wir wollten auch nicht sagen, dass nicht einige von uns auch sehr viele Hoffnungen in die Grünen setzen. Wir wollten nur sagen, dass wir da verschiedener Meinung sind und unsere Forderungen oft nicht ganz so nah an der Politik der Grünen stehen.

Wir als FFF Köln sind der Meinung, dass wir einen Systemwechsel brauchen. Der Kapitalismus ist veraltet und wir brauchen was Neues, was Moderneres. Wir fordern ein Wirtschaftsystem, das uns garantiert, dass wir (und die Generationen nach uns) eine Zukunft haben. Dafür brauchen wir ein Wirtschaftssystem, das die Interessen von Mensch und Natur vor die des Kapitals stellt. Wir brauchen ein System, dass nachhaltig handelt und uns allen eine freie und schöne Zukunft bietet.

Hattest du das Gefühl, die Grünen oder auch andere Parteien/NGOs versuchen, Einfluss in der Bewegung zu gewinnen?

Es ist sehr offensichtlich, dass FFF grade sehr begehrt ist. Wir in Köln haben, zum Glück, das Problem nicht wirklich. Zwar ist es schon vorgefallen, aber wir haben eine stabile und basisdemokratische Orga, die bis jetzt jegliche Vereinnahmung verhindern konnte. Wir als FFF Köln wollen mit allen, die unsere Ziele unterstützen, zusammenarbeiten (wobei wir immer darauf achten, einen antirassistischen und antifaschistischen Konsens zu haben und jegliche Form von Zusammenarbeit mit diskriminierenden Gruppen zu unterbinden). Wir lassen uns aber nicht vereinahmen. Bei anderen Ortsgruppen sieht das anders aus. Aber wir unterstützen und schützen uns gegenseitig. Es ist ein Prozess und es wird wahrscheinlich, leider, immer ein Thema bleiben.

Wir kritisieren, dass verschiedene Orgas sich nach unseren Leuten und unserem Einfluss die Finger lecken und wollen, dass nicht dies, sondern unsere Ziele im Vordergrund stehen. Wir sind momentan die weltweit größte Klimabewegung und vor allem Parteien versuchen, uns für sich zu begeistern, bzw. uns zu instrumentalisieren. Wir wollen nicht, dass sich Parteien überlegen, wie sie sich am besten bei uns einschleimen können, sondern wir wollen, dass sie unsere Forderungen umsetzen!

Was hältst du von Greta Thunbergs Aufruf zum Generalstreik, um den Klimawandel wirklich zu stoppen?

Wir finden die Aktionsform sehr gut und notwendig. Die Bewegung ist groß, aber sie muss noch größer werden. Wir wollen uns gar nicht ausmalen, wie die Welt aussehen wird, wenn wir unsere Ziele nicht erreichen. Daher wünschen wir uns noch mehr Solidarität mit unserer und den kommenden Generationen, die sich auch eine Welt zum Leben und Luft zum Atmen wünschen.

Wir als Schüler*innen, Studierende und Auszubildende haben leider kein großes Druckmittel. Das Leben geht vorerst weiter, auch wenn keine*r zu seiner*ihrer Bildungsstätte geht. Wir brauchen die Arbeiter*innen an unserer Seite, da dies einen viel größeren Druck auf die Regierung ausübt und unsere Forderungen auch in ihrem Interesse sind. Unser Freitagsstreik ist für alle offen. In einer Gesellschaft, in der junge Menschen strukturell unterdrückt werden, ist es uns wichtig, dass unsere Ortsgruppen nur für junge Menschen offen sind. Aber es gibt mitlerweile auch die Parents for Future und die Grandparents for Future. Es gibt euren Betrieb, euren Arbeitsplatz, euren Freundeskreis und eure Familie. Wir wünschen uns, dass sich die Menschen organisieren und andere Menschen überzeugen, sich auch für unsere Ziele einzusetzen. Wir als FFF Köln wünschen uns, dass der „Friday for Future“ kein Schulstreik bleibt. Wir wollen, dass er ein Pflege-, ein Frauen*-, ein Handwerker*innen- und ein Müllabfuhrstreik wird. Wir wollen, dass die ganze Stadt voll von Protest ist. Dass keine*r zuhause oder auf der Arbeit ist. Dass wir alle, mit allen möglichen Berufsfeldern und deren Arbeiter*innen gemeinsam unsere Zukunft retten. Wir unterstützen die Forderung des Generalstreiks und freuen uns über jede*n, der*die sich uns anschließt.

Möchtest du anderen FFF-Aktivist*innen noch etwas mit auf den Weg geben?

Bleibt dabei, bis wir unsere Ziele erreicht haben und auch darüber hinaus! Lasst euch nicht auf Kompromisse ein, wo es keine Kompromisse geben kann. Wir haben schon einiges erreicht, aber dieser Protest steht noch am Anfang. Wir müssen noch größer werden und wir werden dies auch schaffen! Organisier‘ dich bei deiner lokalen FFF Gruppe, wenn du das noch nicht getan hast, oder gründe eine, wenn es noch keine gibt. Bei Fragen, wenn du Hilfe oder Unterstützung brauchst, kannst du dich immer bei uns melden oder uns einfach mal besuchen kommen. Vernetzt euch und diskutiert auch außerhalb eurer Strukturen mit Menschen. Bei Fragen, oder wenn ihr Punkte einfach mal diskutieren wollt, könnt ihr euch gerne bei uns melden. Wir sind bei Facebook und Instagram täglich erreichbar.

Bleibt solidarisch und kämpft weiter, denn nur so werden wir unsere Zukunft retten!

Instagram: @fridaysforfuturekoeln
Facebook: Fridays for Future Köln

One thought on “Fri­days for Future-Aktivist*innen: „Viele von uns füh­len sich von den Grü­nen über­haupt nicht ver­tre­ten“

  1. MoniKa Domschula sagt:

    Bin voll in der Vision dabei.monk

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