Geschichte und Kultur

“Es gibt ein Bedürfnis, ein Zeichen gegen die Präsenz rechter Medien zu setzen”

Es gibt einen neuen marxistischen Verlag in Deutschland: den Manifest Verlag. Schon kurz nach seinem Start muss er sich rechter Hetze erwehren. Unser Autor Max Karlmann sprach mit René Kiesel von der Sozialistischen Alternative – SAV.

Was ist eigentlich der Man­i­fest Ver­lag?

Der Man­i­fest Ver­lag ist eine Neu­grün­dung der Sozial­is­tis­chen Alter­na­tive aus Berlin. Im Sep­tem­ber 2016 began­nen wir, Büch­er zu pro­duzieren. Wir geben Lit­er­atur mit einem marx­is­tis­chen und rev­o­lu­tionären Stand­punkt her­aus. Das bet­rifft sowohl die Her­aus­gabe nicht mehr oder nur schw­er ver­füg­bar­er klas­sis­ch­er Werke wie beispiel­sweise unsere Textsamm­lung von Trotz­ki zur Okto­ber­rev­o­lu­tion oder Liebknechts anti­mil­i­taris­tis­che Reden und Artikel. Auf der anderen Seite beschäfti­gen wir uns mit aktuellen The­men wie Recht­spop­ulimus im neuen Buch „Brand­s­tifter“ und der Ernährungs­frage in „Volle Bäuche statt volle Ton­nen“.

Kür­zlich wart ihr bei der Leipziger Buchmesse. Wie kamen eure Ideen bei den Besucher*innen an?

Wir waren pos­i­tiv über­rascht, dass wir soviel gute Res­o­nanz beka­men. Die Messe war ja der erste öffentliche Auftritt für den Ver­lag. Wir hat­ten ihn gegrün­det, weil wir damit rech­neten, dass das Inter­esse an linken Ideen gestiegen ist. Wir hat­ten vor der Messe in der jun­gen Welt und dem neuen deutsch­land schon gute Presse bekom­men und viele Leute haben uns zu der Ver­lags­grün­dung grat­uliert und uns Glück gewün­scht. Die Kolleg*innen der anderen Ver­lage um uns herum berichteten eben­falls von pos­i­tiv­en Reak­tio­nen bezüglich unseres Standes.

In eur­er Halle war auch das Com­pact Mag­a­zin, gegen das ihr eine Aktion organ­isiert habt. Wie kam es dazu und wie lief die Aktion?

Wir hat­ten davon gehört, dass es im let­zten Jahr jeden Tag Aktio­nen vor dem Com­pact-Stand gab. In diesem Jahr hat­te nie­mand etwas organ­isiert. Zwei Kolleg*innen aus ein­er anderen Halle kamen dann am vor­let­zten Mes­se­tag zu uns als linken Ver­la­gen und fragten, ob wir nicht zumin­d­est eine Aktion durch­führen kön­nen. Wir nah­men den Vorschlag dankbar an und schrieben ein kleines Flug­blatt, dass wir am Son­ntag an andere Stände verteil­ten. Der Busch­funk auf der Messe funk­tion­iert auch ganz gut und viele sagten ihre Teil­nahme zu. Die Verleger*innen des Argu­ment Ver­lags haben sich neben anderen an den Vor­bere­itun­gen beteiligt. Als es dann los­ging, befürchteten wir, nur eine kleine Gruppe von Men­schen vor dem Com­pact-Stand zu sehen. Wir hat­ten inner­halb der Leipziger Linken mobil­isiert, aber es war weniger als ein Tag Zeit bis zu Aktion. Doch als wir anka­men, standen schon ein­hun­dert Leute dort und es kamen immer mehr. Auf dem Com­pact-Stand baute sich dann der bekan­nte Rechte Sven Liebich aus Halle auf und streamte den Protest zu seinen Anhänger*innen. Für seine Zuschauer*innen provozierte er die Protestieren­den, die Büch­er, Schilder und Ban­ner gegen Ras­sis­mus und Sex­is­mus mit­ge­bracht hat­ten. Ich sagte einige Sätze zum Protest und die Leute riefen Slo­gans gegen Ras­sis­mus. Nach etwa ein­er Vier­tel­stunde zogen wir gemein­sam ab, um uns nicht auf einen Schlagab­tausch mit Liebich einzu­lassen. Außer ihm äußerte sich kaum jemand auf der Seite Com­pacts.

Ihr sprecht von einem Shit­storm gegen euch, der nach dem Protest gegen Com­pact begann. Was ist passiert und wie kann man sich mit euch sol­i­darisieren?

Liebich postete schon den ganzen Son­ntag über gegen die Aktion, um Stim­mung bei seinen Leuten zu machen. Als wir dann einen kurzen Videomitschnitt der Aktion auf der Face­book­seite des Ver­lags posteten, teilte er ihn und postete später noch über ein „Bew­er­tungs­bat­tle“. Rechte aller Couleur ver­standen den Auf­trag und began­nen gegen Abend, unser Video und die Beiträge auf Liebichs Seite zu kom­men­tieren und unsere Seite neg­a­tiv zu bew­erten. In mehreren tausend Kom­mentaren wurde gehet­zt, belei­digt und bedro­ht – und es geht weit­er. Er hat sich uns als sein momen­tanes Has­sob­jekt aus­ge­sucht. Die Leipziger Volk­szeitung, die über die Aktion berichtete, muss eben­falls einen weniger starken Shit­storm hin­nehmen. Mit­tler­weile hat selb­st Com­pact für ihre Leser*innen einen Artikel geschrieben. Man kann sich mit uns sol­i­darisieren, indem man beispiel­weise unsere Stel­lung­nahme auf der Face­book­seite teilt. Und natür­lich, indem alle aktiv gegen Ras­sis­mus und rechte Het­ze wer­den. Die Sol­i­dar­itäts­botschaften tun natür­lich sehr gut.

Wie wer­den eure näch­sten Schritte nach der Buchmesse ausse­hen?

Wir haben bere­its fest­gestellt, dass wir uns bess­er organ­isieren müssen. Wir müssen poli­tis­ch­er wer­den und die Aktio­nen bess­er vor­bere­it­en, um möglichst große Öffentlichkeit herzustellen. Obwohl der Protest einen sehr spon­ta­nen Charak­ter hat­te, zeigte die rege Teil­nahme, dass es ein Bedürf­nis gibt, ein Zeichen gegen die Präsenz rechter Medi­en zu set­zen. Wir wer­den mit anderen Ver­la­gen über­legen, wie wir uns bess­er ver­net­zen kön­nen, um dauer­haft sicht­bar gegen Ras­sis­mus aufzutreten. Es gibt bere­its den Hash­tag #ver­lagege­gen­rechts. Vielle­icht kann man dies zu ein­er gemein­samen Plat­tform mit eigen­er Erk­lärung zur Messe und einem Ban­ner aus­bauen, das sich Ver­lage, die aktiv sein wollen, offen aufhän­gen kön­nen. Jet­zt ste­ht natür­lich erst ein­mal an, sich gegen den Shit­storm zu wehren, und ein Inter­view wie dieses hil­ft schon mal sehr.

One thought on ““Es gibt ein Bedürfnis, ein Zeichen gegen die Präsenz rechter Medien zu setzen”

  1. Jens Lustig sagt:

    Danke Genossen !!
    Zeigt eur­er Artikel doch eins, das Trotzkisten,hart in der Sache, auch nicht sek­tiererisch, sol­i­darisch, zu gemein­sam­men Wieder­stand fähig sind ! Das gibt mir Zuver­sicht, Mut und Kraft !
    Mit sozial­is­tis­chen Grüßen Jens Lustig !

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