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Erfolgreiche internationalistische und revolutionäre Sommerakademie in Südfrankreich

Mehr als 350 Genoss*innen aus den FT-CI-Gruppen in Frankreich, dem Spanischen Staat, Deutschland, Italien und anderen Ländern diskutierten in der 2. Revolutionären Internationalistischen Sommerakademie über die wichtigsten Ereignisse des Klassenkampfes, über politische Theorie, Strategie und die Herausforderungen der revolutionären Linken in Europa.

Erfolgreiche internationalistische und revolutionäre Sommerakademie in Südfrankreich

Vom 3. bis 8. Juli fand die Zweite Revolutionäre Internationalistische Sommerakademie statt, organisiert von den Gruppen, die als Teil des internationalen Mediennetzwerks La Izquierda Diario die digitalen Zeitungen Révolution Permanente in Frankreich, Izquierda Diario im Spanischen Staat, Klasse gegen Klasse in Deutschland und La Voce delle Lotte in Italien betreiben.

Inmitten einer bezaubernden Landschaft in Südfrankreich fanden an vier Tagen Dutzende von Workshops, Foren und Debatten über antikapitalistischen Feminismus, Klassenkampf, Umweltkrise und Kapitalismus, Geschichte der Revolutionen, Arbeiter*innenbewegung, Marxismus und sozialistische Strategie statt. Es gab auch Zeit für Treffen zwischen Arbeiter*innen aus verschiedenen Ländern, Treffen von Jugenddelegationen, kulturelle Aktivitäten, Baden im Fluss, Sport, Gespräche unter freiem Himmel und abendliche Feiern.

„Es war eine großartige Erfahrung, mit so vielen Genoss*innen Erfahrungen zu teilen und zu diskutieren. Ich bin mehr als zuvor davon überzeugt, mich diesem revolutionären Projekt zur Überwindung dieser Gesellschaft, die der Mehrheit der jungen Menschen nur Unsicherheit bietet, anzuschließen. Wie in mehreren Plenarsitzungen gesagt wurde, wollen wir alles verändern, denn unser Leben ist mehr wert als ihre Profite“, sagte eine junge Frau aus Madrid, bevor sie sich auf den Rückweg machte.

Der Klassenkampf war in allen Debatten präsent, besonders durch die emotionale Darstellung und die Reflexionen vieler Protagonist*innen dieser Kämpfe: von den Gelbwesten, die Frankreich in den letzten Monaten erschütterten, bis hin zu den jungen Algerier*innen, die uns die Lehren aus den großen Massenaufständen in Algerien und im Sudan übermittelt haben. Wir waren auch zusammen mit den kämpferischen migrantischen Arbeiterinnen von Onet, die einen großen Streik in den Pariser Bahnhöfen anführten, einer großen Delegation von „Cheminots“ (Eisenbahnarbeiter*innen), die einen historischen Streik durchführten, den prekären Arbeiter*innen von Telepizza des Spanischen Staates, den kämpferischen Kellys, die die Hotels reinigen, den prekären Jugendlichen von Deliveroo, Organisator*innen der Basisgewerkschaftsbewegung in Italien, U-Bahn-Fahrer*innen und Studierenden aus Deutschland, jungen Menschen, die an den großen Mobilisierungen gegen den Klimawandel teilnehmen, und Hunderten von Genossinnen, die zusammen mit Brot und Rosen in mehreren europäischen Ländern an der internationalen Frauenbewegung teilnehmen.

Am ersten Tag fanden mehrere Workshops statt, die sich mit dem Kampf gegen Rassismus, Patriarchat und Kapitalismus, intersektionellem Feminismus, der sozialistischen Strategie für den Sieg, Trotzkis Denken und den historischen Lehren der spanischen Revolution befassten. Die wichtigen Erfahrungen der Front der Linken und der PTS in Argentinien wurden ebenfalls diskutiert.

Am Nachmittag fand eine große Plenarsitzung zur neuen Welle der internationalen Frauenbewegung statt. Auf dem Podium saßen Verónica Landa von Pan y Rosas in Spanien, Loli, Eisenbahnerin und Mitglied von Du Pain et des Roses in Frankreich, Scilla von Il Pane e le Rose in Italien, Lily von Brot und Rosen in Deutschland und Andrea D’Atri, Gründerin von Pan y Rosas in Argentinien.

Am zweiten Tag hatten wir interessante Workshops zur Debatte über Feminismus und Prostitution, zur nationalen Frage in Katalonien und zur Kubanischen Revolution.

Die zentrale Debatte des Tages war den Erfahrungen der Gelbwesten in Frankreich gewidmet. Juan Chingo, Autor des Buches Gilets jaunes. Le soulèvement und Redakteur von Révolution Permanente, präsentierte einige Schlussfolgerungen zu diesem wichtigen Phänomen: Als Hauptmerkmal stellte er die plötzliche Intervention von peripheren Sektoren der Arbeiter*innenbewegung heraus, die eine neue Subjektivität und radikale Elemente beinhaltete, die seit Jahrzehnten nicht mehr zu beobachten waren. Er wies auf die Stärken, aber auch auf die Grenzen der Bewegung hin, besonders in Bezug auf die Verantwortung der Gewerkschaftsbürokratien und der französischen Linken, die eine Trennung zwischen den militanten Tendenzen der Gelbwesten und den zentralen Sektoren der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter*innenbewegung aufrechterhalten hatten. Die Lehren aus diesen ersten Schlachten konnten in einer lebhaften und sehr intensiven Debatte mit Beiträgen von Dutzenden von Gelben Westen, die an der Sommerakademie teilnahmen, gezogen werden.

Am Samstag konnten wir uns auf einen Vortrag der feministischen Intellektuellen François Verges freuen, die ursprünglich aus der französischen Ex-Kolonie Réunion stammt und über dekolonialen Feminismus sprach. Auch an anderen Workshops, die sich mit Debatten über den Linkspopulismus, die Europäische Union und das revolutionäre Programm befassen, gab es eine rege Teilnahme.

Am Nachmittag fanden zwei wichtige Plenarsitzungen von Arbeiter*innen und Jugendlichen aus den verschiedenen Ländern statt, die bei der Sommerakademie anwesend waren.

Der Höhepunkt des Samstags war eine internationalistische Kundgebung, die einen großen Teil der Ideen konzentrierte, die alle Tage durchzogen.

Yunus, ein junger türkischer Genosse, studentischer Anführer in Deutschland und Mitglied der Revolutionären Internationalistischen Organisation (RIO), begann die Kundgebung mit einer sehr kraftvollen Rede, die den deutschen Imperialismus und die Politik des „grünen Kapitalismus“ anprangerte. Giacomo Turci von der italienischen FIR wandte sich gegen die rechtsextreme, homophobe, frauenfeindliche und fremdenfeindliche Politik der Regierung Salvinis, die die Wirtschaftspolitik des Neoliberalismus beibehält.

Der algerische Aktivist Abdenour Maouche rührte das Publikum, indem er den Aufstand des algerischen Volkes 57 Jahre nach der Unabhängigkeit Algeriens vom französischen Imperialismus hervorhob.

Während der Kundgebung gab es auch eine bewegende, aber kämpferische Intervention von Imen, einer Freundin von Zineb Redouane, die von der Polizei getötet wurde, nachdem ihr in Marseille bei einer Gelbwesten-Demonstration eine Tränengasgranate an den Kopf geschossen wurde. Imen las einen Brief von Zinebs Tochter Milfet Redouane las, in dem sie die Kundgebung grüßte und den Kampf für Gerechtigkeit für Zineb forderte.

Das Publikum erhielt mit warmem Beifall eine Videogrußbotschaft von zwei Anführern der argentinischen PTS, dem Abgeordneten im nationalen Parlament Nicolás del Caño, der zurzeit auch Präsidentschaftskandidat für die Front der Linken und der Arbeiter*innen (FIT) ist, und dem Kandidaten für das Amt des Gouverneurs der Provinz Buenos Aires, Christian Castillo. In ihrer Botschaft bekräftigten sie die Notwendigkeit, eine Weltorganisation der sozialistischen Revolution aufzubauen.

Ebenfalls mit starkem Beifalll wurde die Rede von Lucía Nistal von der CRT des Spanischen Staates bedacht: Sie forderte zur aktiven Teilnahme am Aufbau einer revolutionären Linke auf, als echte Alternative zu den reformistischen Parteien wie Podemos und Syriza, die sich an kapitalistische Regime anpassen.

Die Kundgebung endete mit der Rede von Daniela Cobet von der Revolutionär-Kommunistischen Strömung (CCR) in der NPA in Frankreich, die die politische Situation und die Phänomene des Klassenkampfes mit der Notwendigkeit des Aufbaus einer großen internationalen revolutionären Organisation in Verbindung brachte: „Weil es nicht nur darum geht, zu kämpfen, sondern sich auf den Sieg vorzubereiten“. Daniela Cobet rief alle Anwesenden auf, sich „diesem Kampf für Revolution und Sozialismus zusammen mit der Arbeiter*innenklasse“ anzuschließen, was mit großer Begeisterung aufgenommen wurde.

Der intensive Tag am Samstag gipfelte am Abend in einer bewegenden Vorführung eines Films über den Streik bei der outgesourcten Reinigungsfirma Onet, der von den Genoss*innen von Révolution Permanente produziert wurde.

Am Sonntag gab es Zeit für weitere wichtige Workshops wie die Debatte über den Klimawandel und das antikapitalistische und sozialistische Programm angesichts der Umweltkrise, Workshops über Prekarität und Berufskrankheiten, die Debatte über den Feminismus der 99% und sozialistischen Feminismus, und einen Vortrag der Forscherin Sophie Wannich über die Französische Revolution.

Ein spannendes Abschlussplenum der Sommerakademie ermöglichte den Austausch erster Eindrücke und Überlegungen über eine große internationalistische und revolutionäre Aktivität, der alle Anwesenden bewegte.

Als die Delegationen begannen, sich auf die Rückkehr in ihre Länder und Städte vorzubereiten, feierten alle das Klima der Begeisterung, Genossenschaftlichkeit und Verbrüderung.

Eine andere junge Spanierin fasste es gut zusammen:

Ich weiß, dass Internationalismus eine konkrete Erfahrung ist. Heutzutage sprechen wir alle verschiedene Sprachen, aber mit derselben Zunge: Wir sind vereint durch den Kampf für die sozialistische Revolution und den Aufbau einer internationalen revolutionären Partei. Deshalb können wir uns so gut verstehen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Spanisch bei IzquierdaDiario.es.

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