Welt

"Wir bauen revolutionäre Organisationen nicht nur auf, um Widerstand zu leisten, sondern um zu gewinnen"

Die zentrale Veranstaltung der Zweiten Revolutionären Internationalistischen Sommerakademie der europäischen Gruppen der Trotzkistischen Fraktion-Vierte Internationale zeigte die Dynamik unserer internationalen Strömung auf dem alten Kontinent. Wir kämpfen für den Aufbau revolutionärer Organisationen, als Teil des Kampfes für den Wiederaufbau der Weltpartei der sozialistischen Revolution, der Vierten Internationale.

Am dritten Tag der Debatten der Zweiten Revolutionären Internationalistischen Sommerakademie vom 3. bis 8. Juli in Aveyron (Südfrankreich) fand die Hauptveranstaltung statt: eine große Kundgebung voller Zukunft, die einen Großteil der Ideen zusammenfasste, die alle Tage durchzogen, und sich in einer neuen Generation von revolutionären Kämpfer*innen und wichtigen Delegationen von Arbeiter*innen materialisierte, die herausragende Streiks und Klassenkämpfe angeführt haben.

Die Veranstaltung wurde von Elsa moderiert, der jungen Anführerin von Studierenden der Revolutionär-Kommunistischen Strömung (CCR) aus Frankreich. Die CCR ist Teil der NPA und gibt die Zeitung Révolution Permanente heraus, die als Gastgeberin dieser erfolgreichen zweiten internationalen Sommerakademie fungierte.

Yunus – ein junger türkischer Genosse, studentischer Anführer in Deutschland und Mitglied der Revolutionären Internationalistischen Organisation (RIO), die die Website Klasse Gegen Klasse betreibt – begann die Kundgebung mit einer sehr kraftvollen Rede, in der er die „Krise der neoliberalen Ordnung, die die Tendenzen zur Krise verstärkt, sowie die reaktionären Grenzen und Migrationspolitiken, die Tausende von Migrant*innen zum Tode verurteilen, die ihre Länder wegen der Kriege des Imperialismus selbst verlassen“, anprangerte.

Yunus betonte: Angesichts der ökologischen Krise gibt es nur eine fortschrittliche Lösung für die gesamte Menschheit: „eine antikapitalistische und antiimperialistische Antwort der multiethnischen Arbeiter*innenklasse mit den Frauen an der Spitze“. Abschließend bekräftigte er, dass es gegen neoliberale und fremdenfeindliche Politiken, gleich welcher Form – sei es Merkels Konservatismus oder die Rechtspopulist*innen wie in Italien – nur einen Ausweg gibt: „den Kampf für die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Europa“.

Giacomo Turci, ein junger Anführer der Frazione Internazionalista Rivoluzionaria (FIR) in Italien, wies darauf hin, dass der von Salvini vertretene Rechtspopulismus sich zwar als Veränderung gegenüber den neoliberalen Eliten darstellen will, mit ihnen aber die Grundzüge ihres Wirtschaftsprogramms und die Angriffe gegen die Arbeiter*innenklasse teilt:

„Die italienische Regierung der Fünf-Sterne-Bewegung und der Lega hat sich als die Regierung des Wandels, der Interessen des Volkes gegen die Eliten der EU präsentiert“, aber „diese Regierung hat die arbeiter*innenfeindlichen Gesetze von Mateo Renzi nicht geändert“, erklärte er. „Schlimmer noch, sie hat soziale Kämpfe und soziale Bewegungen angegriffen sowie die Prekären, Frauen und Migrant*innen.“ Aus diesem Grund, sagte er, gibt es „keinen Bruch, keine grundlegende Veränderung in Bezug auf die Regierungen von Liberal, Mitte-Links und Mitte-Rechts.“

„Die Inhaftierung von Sea Watch-Kapitänin Carola Rackete ist der reaktionärste Ausdruck der Migrationspolitik in Europa, das sich mit Zäunen, Maschendraht und Konzentrationslagern für die Inhaftierung von Migrant*innen umgibt.“ Und: „Das wird nie das Europa sein, das wir für uns wollen“, sondern nur das „sozialistische Europa der Arbeiter*innen“.

Während der Kundgebung gab es auch eine bewegende, aber kämpferische Intervention von Imen, einer Freundin von Zineb Redouane, die von der Polizei getötet wurde, als ihr in Marseille bei einer Gelbwesten-Demonstration eine Tränengasgranate an den Kopf geschossen wurde. Imen las einen Brief von Zinebs Tochter Milfet Redouane vor, in dem sie die Kundgebung grüßte und den Kampf für Gerechtigkeit für Zineb forderte, die am selben Tag 81 Jahre alt geworden wäre, wenn sie nicht ermordet worden wäre:

„Der Weg zur Gerechtigkeit wird hart sein und kann lang dauern, aber wir werden diesen Kampf führen“, schrieb Imen im Brief und dankte Révolution Permanente, der Sommerakademie und „allen Menschen, die uns unterstützen, damit Zinebs Name nicht vergessen wird“. Ihre Rede bewegte das Publikum, das mit den Slogans „Gerechtigkeit für Zineb Redouane“ antwortete, aber auch mit Slogans im Gedenken an Zied Bouna Theo und Adama, ebenfalls Opfer von Polizeirepression.

Der algerische Aktivist Abdenour Maouche rührte das Publikum, indem er den Aufstand des algerischen Volkes 57 Jahre nach der Unabhängigkeit Algeriens vom französischen Imperialismus betonte.

„Eins, zwei, drei, lang lebe Algerien!“, antworteten hunderte Menschen im Chor. Mit seiner Rede sorgte Abdenour dafür, dass alle im Saal aufstanden und ihre Unterstützung der algerischen Bevölkerung zeigten, die „seit fünf Monate lang massiv mobilisiert, um Nein zum korrupten Regime zu sagen“. Abdenour wies darauf hin, dass dieses System „nicht aufgehört hat, die herrschenden Klassen in Algerien zu bereichern“, weshalb „jeden Freitag Studierende, Frauen, Arbeiter*innen und Arbeitslose in ganz Algerien demonstrieren, um zu sagen: Es reicht!“

Abdenour erinnerte auch an die „Hafenarbeiter*innen in Marseille und in Italien, die sich weigerten, Waffen für Saudi-Arabien zu verladen, mit denen jemenitische Volk bombardiert werden soll“. Außerdem äußerte er antiimperialistische Solidarität gegen den Militärputsch im Sudan. Abschließend wies er darauf hin, dass ein Sieg der Algerier*innen auch den Imperialismus, Macron und Trump schwächen würde.

Das Publikum erhielt mit warmem Beifall eine Videogrußbotschaft von zwei Anführern der argentinischen PTS, dem Abgeordneten im nationalen Parlament Nicolás del Caño, der zurzeit auch Kandidat für das Amt des Präsidenten für die Front der Linken und der Arbeiter*innen ist, und dem Kandidaten für das Amt des Gouverneurs der Provinz Buenos Aires, Christian Castillo. In ihrer Botschaft bekräftigten sie die Notwendigkeit, eine Weltorganisation der sozialistischen Revolution aufzubauen.

Dann weckte die Rede von Lucía Nistal, Forscherin an der Universidad Autónoma de Madrid und junge Anführerin der spanischen CRT, Applaus und Begeisterung im Publikum. Lucía erklärte: „Zehn Jahre nach Beginn der kapitalistischen Krise mangelt es nicht an Erfahrungen von Kampf und Widerstand, von der 15M-Bewegungen bis zu den 30 Generalstreiks in Griechenland. Allerdings“, betonte sie, „wurden Parteien wie Syriza und Podemos gegründet, die sagten, dass wir die Straßen verlassen müssten, um Räume in den Institutionen zu belegen.“ Und: „Syriza versprach, die Angriffe der Troika rückgängig zu machen, aber als sie an die Macht kamen, dauerte es nur sechs Monate bis sie auf ganzer Linie kapitulierten“, während im Spanischen Staat „Pablo Iglesias sagte, dass es keine andere Alternative gab“.

Lucía wies darauf hin, dass „wir angesichts dieser reformistischen und angepassten Linken eine antimonarchistische Linke brauchen, die für die Selbstbestimmung der Völker und gegen die Repression kämpft“, „eine klassenkämpferische und revolutionäre Linke, die für verfassungsgebende Prozesse kämpft, um über alles zu entscheiden.“ Weiter:

Denn wir sind nicht bereit, weiterhin Untertanen zu sein, die ausgebeutet und unterdrückt werden. Wir sind nicht damit zufrieden, Widerstand zu leisten, wir sind nicht zufrieden mit Krümeln! Wir wollen Brot, wir wollen Rosen, wir wollen Kommunismus, wir wollen alles!

Der ganze Saal sprang auf, um zu applaudieren.

Daniela Cobet, Anführerein der CCR in der NPA, hob zum Abschluss der Kundgebung die Qualität der Sommerakademie hervor, an der viele Arbeiter*innen teilnahmen, die eine zentrale Rolle im Klassenkampf spielten, wie eine große Delegation von Eisenbahnarbeiter*innen, Gewerkschaftsmitgliedern aus verschiedenen Sektoren, Gelbwesten, junge Aktivistinnen und auch Streikende im siegreichen Kampf der Bahnhofsreinigungskräfte von ONET.

Daniela betonte die Radikalität der Gelbwestenbewegung und die Tatsache, dass sie „nur ein Anfang ist“, wie sie im französischen Mai ’68 sagten, weshalb „sie sehr ermutigend“ ist und zukünftige Phänomene vorankündigt: „Man kann sie mit einem Vulkan vergleichen, der noch vor der Explosion stehen könnte.“ Denn: „Die großen Bastionen der Arbeiter*innenklasse sind noch nicht auf die Bühne getreten, aber die Radikalität der Gelbwesten könnte in den Eisenbahnen, Krankenhäusern, Fabriken ansteckend wirken.“

Angesichts dessen bekräftigte Daniela Cobet die Dringlichkeit, in Frankreich und international für den Aufbau von Organisationen mit einer revolutionären und klassenkämpferischen strategischen Perspektive zu kämpfen und die Unklarheiten des ursprünglichen Projekts der NPA zu überwinden. Denn nur so „können wir uns auf zukünftige Ausbrüche der Massenbewegung vorbereiten“.

Abschließend forderte Cobet alle Anwesenden auf, „sich diesem Kampf für Revolution und Sozialismus zusammen mit der Arbeiter*innenklasse anzuschließen“ und revolutionäre Organisationen aufzubauen, „denn es geht nicht nur darum, Widerstand zu leisten, sondern uns auf den Sieg vorzubereiten“.

Die Begeisterung im Raum war sehr groß. In den Gesprächen unter Genoss*innen, die unsere Organisationen kennenlernen und die zusammen mit den verschiedenen Delegationen aus Frankreich, Deutschland, Italien und dem Spanischen Staat nach Aveyron reisten, wurde eine Idee bekräftigt, die in verschiedenen Sprachen ausgesprochen wurde: „Ich will für die Revolution kämpfen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf Spanisch bei IzquierdaDiario.es.

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