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Energiekrise: Uni Straßburg bleibt im Winter zwei Wochen lang geschlossen

Um Energie zu sparen, bleibt die Universität Straßburg in diesem Winter zwei Wochen länger geschlossen als gewöhnlich. Den Preis zahlen die Studierenden. Auch in Deutschland sind solche Maßnahmen im Gespräch.

Energiekrise: Uni Straßburg bleibt im Winter zwei Wochen lang geschlossen
Foto: wikimedia commons

Wie Révolution Permanente berichtet, hat der Präsident der Universität Straßburg Michel Deneken am vergangenen Montag angekündigt, dass die Institution in diesem Winter zwei Wochen lang geschlossen bleiben soll. Die Maßnahme diene dem Energiesparen. So soll die Universität während der Weihnachtsferien eine zusätzliche Woche geschlossen bleiben. Eine Woche im Februar lang soll zudem Distanzlehre durchgeführt werden.

Ob durch eine solche Maßnahme jedoch tatsächlich Energie gespart wird, ist mehr als fraglich. Schließlich müssen Studierende und Beschäftigte dann ihre eigenen Wohnungen heizen. Die Universität spart sich auf diese Weise die Kosten und wälzt diese auf Studierende und Beschäftigte ab.

Eine Ausweitung auf weitere Universitäten in Frankreich ist nicht ausgeschlossen. Am Montag warf der Präsident der Universität Gustave Eiffel in einem Interview mit der Zeitung Le Parisien die Frage auf, ob er zu Schließungen oder der Wiedereinführung der Distanzlehre gezwungen sein werde. Man beschäftigte sich intensiv mit diesen Aufgaben.

Doch auch in Deutschland wird längst diskutiert, ob im Winter Universitäten schließen sollten. Schon Anfang August teilte das Präsidium der Universität Frankfurt mit, dass eine Schließung der gesamten Universität für mehrere Tage oder Wochen denkbar sei. Eine Umfrage unter den Wissenschaftsministerien der Länder durch das Nachrichtenmagazin Spiegel ergab im September, dass Hamburg, Saarland, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt verlängerte Weihnachtsferien in Betracht ziehen, um Energie zu sparen. Berlin, Thüringen und Brandenburg wollen die Entscheidung den einzelnen Universitäten überlassen. Auch Rheinland-Pfalz will eine Umstellung auf Onlinelehre nicht ausschließen.

Diejenigen Studierenden, die sich die sprunghaft steigenden Gaspreise inklusive Gasumlage nicht leisten können, werden in einem solchen Fall in kalten WG-Zimmern an ihren Schreibtischen kauern müssen – mit verheerenden Auswirkungen für ihre Gesundheit und ihre Möglichkeit, sich ihrem Studium zu widmen. Soll etwa nur mehr im Warmen lernen können, wer reiche Eltern hat? Eine einmalige Energiepauschale von 200 Euro, wie es das Entlastungspaket der Bundesregierung vorsieht, hilft kaum über den Winter. Die psychischen Belastungen unter Studierenden sind in der Pandemie durch das online-Studieren bereits enorm gestiegen. Eine erneute Isolation und wirtschaftliche Existenzängste würden zweifelsohne zahlreiche junge Menschen zwingen, ihr Studium aufzugeben. Sich gegen all diese Missstände politisch zu wehren, wäre mit einer Rückkehr zur Onlinelehre oder gar der kompletten Schließung der Universitäten und dem Mangel an Demokratie an den Hochschulen noch schwieriger.

Währenddessen wagt die Ampelregierung nicht, die Profite der Energiekonzerne anzutasten. Verstaatlichungen führt sie nur durch, wenn ein Konzern wie Uniper in die Krise gerät – nicht jedoch, um bezahlbare Energie für private Haushalte zu organisieren, sondern um Profite zu bewahren.

Die Drohungen der Wissenschaftsministerien mit Universitätsschließungen zeigt eindrücklich, dass den Regierungen die Interessen der Studierenden egal sind. Ebenso deutlich wird jedoch, dass die Energieversorgung ein lebenswichtiger Sektor ist, der nicht der Profitorientierung der Aktionär:innen überlassen werden darf. Es ist dringend notwendig, die Energiekonzerne zu enteignen und sie unter Kontrolle der Beschäftigten zu stellen, denn nur so kann eine Energieversorgung zu bezahlbaren Preisen sichergestellt und ein echter ökologischer Wandel vollzogen werden. Auch die Studierenden müssen sich diese Forderung unbedingt zu eigen machen und sie gemeinsam mit all den anderen, die von der Gaskrise betroffen sind, auf die Straße tragen.

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