Jugend

Drei Vorschläge für Fridays for Future

Niemand kann die Fridays for Future mehr ignorieren. Um die Forderungen aber durchzusetzen, wollen linke Organisationen aus München die Proteste weiterentwickeln. Das sind ihre Vorschläge an die Bewegung.

Drei Vorschläge für Fridays for Future

In den let­zten Monat­en haben wir die poli­tis­che Land­schaft umgekrem­pelt. 10.000 in München, 30.000 in Berlin und Mil­lio­nen weltweit haben am 15. März und in den Wochen davor den Druck für einen verbindliche Klimapoli­tik weit­er aufge­baut. Die Poli­tik kommt an uns nicht mehr vor­bei. Damit wir unsere Forderun­gen erre­ichen kön­nen, soll­ten wir uns jet­zt über die näch­sten Schritte der Bewe­gung aus­tauschen, Struk­turen vor Ort auf­bauen und Hebel an die Entschei­dungstra­gen­den anset­zen.

1. Für eine demokratische Bewegung

An den Fri­days for Future beteili­gen sich allein in Deutsch­land Hun­dert­tausende mit unzäh­li­gen kreativ­en Ideen und Ein­satz an ihren Schulen, oft gegen Druck von der Schulleitung. Unsere Bewe­gung wächst. Immer mehr wollen sich beteili­gen, gle­ichzeit­ig fehlen uns jedoch die Struk­turen dafür und die Entschei­dungs­gremien auf Bun­de­sebene arbeit­en teils undurch­sichtig und ohne direk­te Kon­trolle durch uns an der Basis.

Im Feb­ru­ar sollte z.B. ein Forderungskat­a­log aus­gear­beit­et wer­den. Dafür fand sich eine ein­stel­lige Zahl an Aktiv­en aus ver­schiede­nen Städten zusam­men. Sie wur­den nie von ihren FFF-Grup­pen gewählt, eine Diskus­sion über das Pro­gramm kon­nte so vor­ab in der Bre­ite gar nicht erst stat­tfind­en. Das müssen wir ändern: Alle FFF-Grup­pen soll­ten Teams wählen, die sich auf Bun­de­sebe­nen tre­f­fen, dort unsere Forderun­gen zusam­men­tra­gen und unsere Grup­pen ver­net­zen. Das­selbe muss für Organ­isierende und Pressekon­tak­te gel­ten: jed­erzeit an- und abwählbar.

Das Kon­sen­sprinzip bei Abstim­mungen wirkt zuerst sehr demokratisch, aber lei­der hat sich gezeigt, dass es Abläufe eher ver­langsamt und wichtige demokratis­che Entschei­dun­gen ver­hin­dert. Deswe­gen schla­gen wir vor, dass in Zukun­ft eine 2/3‑Mehrheit für Beschlüsse aus­re­icht.

Lokal, z.B. an den Schulen, soll­ten sich Grup­pen für die näch­sten Streiks und gegen Repres­sion bilden. Solche Grup­pen oder Schüler*innenkomitees bieten den Schüler*innen einen Raum für poli­tis­che Diskus­sion und stellen unsere Bewe­gung in den näch­sten Monat­en auf noch fes­tere Füße. Dafür kön­nen z.B. What­sApp-Grup­pen und Tre­f­fen vor Ort organ­isiert wer­den.

2. Für eine Bewegung mit klarer Ansage

Wir soll­ten die Ursachen für die kli­maschädliche Wirtschaft direkt anpack­en. Ein Wirtschaftssys­tem, das nur mit der Aus­beu­tung der Arbeit­skräfte und der Über­pro­duk­tion funk­tion­iert, in dem die Konz­erne aus
umwelt­be­las­ten­den Rohstof­fen wie Erdöl und Plas­tik Prof­ite schla­gen, kann nie ökol­o­gisch oder sozial sein. Denn nicht der Gebrauch­swert ist darin das Entschei­dende, son­dern die meist kurz- oder mit­tel­fristige Prof­i­trate, daher set­zen Unternehmen auf bil­ligere Roh- Hil­fs- und Betrieb­sstoffe. Den
Zweck der Art, wie gewirtschaftet wird, kön­nen wir nicht von der Art der Pro­duk­tion, Arbeits­be­din­gun­gen, Massen­tier­hal­tung
oder Lebens­mit­telver­schwen­dung tren­nen. Dazu kommt, dass Konz­erne wie RWE durch ihre Lob­b­yarbeit schlicht ern­sthafte
Maß­nah­men in Rich­tung baldigem Kohleausstieg ver­hin­dern. Das Prob­lem heißt also Kap­i­tal­is­mus.

Deswe­gen soll­ten Energie‑, Auto- und Indus­triekonz­erne in öffentliche Hand über­führt und fos­sile Brennstoffe unter Kon­trolle der Beschäftigten und Umweltschut­zor­gan­i­sa­tio­nen been­det wer­den, damit wir schnell zu nach­haltiger Wirtschaft überge­hen. Das sollte in weni­gen Jahren angepackt wer­den und nicht erst 2038 – und nicht durch die Großak­tionäre, für die der Prof­it und nicht unsere Zukun­ft zählt. Unsere Ver­bün­de­ten sind dabei die Beschäftigten in der Energiebranche, deren Zukun­ft durch die fahrläs­sige Poli­tik von GroKo und Co. nicht gesichert wird. Deswe­gen muss die ganze Energiewirtschaft mit Job­garantie sofort hin zu erneuer­baren Energi­eträgern umgestal­tet wer­den, damit der Wan­del in der Klimapoli­tik nicht zu ihren Las­ten geht.

3. Für eine Bewegung, an der Politik und Wirtschaft nicht mehr vorbeikommen

Um unsere Forderun­gen zu erre­ichen, müssen wir noch mehr Druck auf­bauen. Dafür soll­ten wir die Proteste aus den Schulen in die Unis, Betriebe, Super­mark­tkassen, Kitas und Kranken­häuser tra­gen und uns an die Gew­erkschaften wen­den. Obwohl die Spitze oft wirtschaftliche Sachzwänge akzep­tiert, sind sie die größten und stärk­sten Organ­i­sa­tio­nen, die enor­men Druck auf die Poli­tik auf­bauen kön­nen.

Wir soll­ten die GEW, die Gew­erkschaft der Lehrer*innen und Wissenschaftler*innen, die Dien­stleis­tungs­gew­erkschaft ver.di und die Indus­triegew­erkschaft Berg­bau, Chemie und Energie, die IGBCE, aktiv in unsere Demon­stra­tio­nen und Streiks ein­binden und ver­suchen Kolleg*innen aus ÖPNV und Bahn anzus­prechen, um gemein­sam Investi­tio­nen in einen gratis ÖPNV und bessere Arbeits­be­din­gun­gen zu fordern.

Wir kön­nen unsere Forderun­gen inner­halb der Gew­erkschaften disku­tieren und sie kön­nen ihre Mit­glieder aufrufen, an den Fre­itags-Demos teilzunehmen. Schließlich brauchen wir neben weit­eren kreativ­en Aktions­for­men, z.B. lokal an den Schulen, einen Plan für große Wider­stand­str­e­f­fen mit Men­schen aus allen Bere­ichen, für einen näch­sten bun­desweit­en Streik- und Aktion­stag.

Die Erk­lärung haben die Linksju­gend [’sol­id] München, die Sozial­is­tis­che Alter­na­tive München, die Redak­tion des Druck-Mag­a­zins, die marx­is­tis­che jugend München und Brot und Rosen unterze­ich­net.

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