Geschichte und Kultur

Don’t Look Up: Ein Spiegel der Realität

Ein Komet, der alles Leben auszulöschen drohe, rast auf die Erde zu. Was würdest du tun? Was würde die Regierung tun? Eine Filmrezension.

Don’t Look Up: Ein Spiegel der Realität
Bild: Marko Aliaksandr / Shutterstock.com

Mit dem Szenario einer drohenden Apokalypse und dem Umgang von Gesellschaft und Regierung damit beschäftigt sich die schwarze Komödie Don’t Look Up vom Regisseur Adam McKay (The Big Short). Der in den USA produzierte Film erschien am 24. Dezember auf Netflix. In den Hauptrollen sind die renommierten Schauspieler:innen Leonardo DiCaprio, Jennifer Lawrence, Meryl Streep, Cate Blanchett und Robb Morgan zu sehen.

Die Astronomin und Doktorandin Kate Dibiasky (Jennifer Lawrence) entdeckt einen bisher unbekannten Kometen. Die Freude über die Entdeckung ist allerdings nur von kurzer Dauer, denn laut der Berechnungen ihres Professors Dr. Mindy (Leonardo DiCaprio) wird der Komet in 6 Monaten und 14 Tagen auf die Erde einschlagen und sämtliches Leben auslöschen. Ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse werden zunächst weder von der Öffentlichkeit noch von der Regierung ernst genommen und so werden sie Opfer von Sexualisierung und Verspottung. Verleugnung und Verschwörungstheorien bahnen sich ebenfalls ihren Weg. Die entscheidende Aktion, den Kometen mit Atombomben von der Erde abzulenken, wird abgebrochen, nachdem bekannt wurde, welche kostbaren Ressourcen der Komet bereitstelle. 

Entgegen den Erwartungen an uns bereits bekannten Katastrophenfilmen, wird uns dieses Mal der Spiegel der Realität vorgesetzt. Das ist besonders schockierend, überraschend, unterhaltsam und geht nahe. Denn das, was im Film passiert, passiert auch zu Zeiten von Corona: Die Don’t-Look-Up-Bewegung im Film, die sich buchstäblich weigert, nach oben zum Kometen zu schauen, ist vergleichbar mit der Bewegung der Querdenker:innen. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden von Gesellschaft und Politik nicht ernst genommen und in Frage gestellt. In der Konsequenz profitieren vor allem Rechtspopulist:innen von der ungehinderten Verbreitung von Falschinformationen und Verschwörungstheorien. Im Film wie im echten Leben laufen Wissenschaftler:innen Gefahr Opfer von jener Wissenschaftsfeindlichkeit zu werden und das nur, weil sie ihren Job machen. Dr. Mindys emotionaler Ausbruch während eines Fernsehauftritts bringt die Frustration besonders auf den Punkt:

Es ist wahr, es existiert ein riesiger Komet, der auf die Erde zusteuert und wir wissen um die Existenz dieses Kometen, weil wir ihn mit unseren eigenen Augen gesehen haben. Wir haben ihn gesehen, mit unseren eigenen Augen, durch ein Teleskop. Verfluchte Scheiße, wir haben ein beschissenes Foto davon gemacht! Was für einen Beweis brauchen wir denn noch?

Bisher unerwähnt blieb der Charakter Peter Isherwell (Mark Rylance). Er verkörpert sämtliche stinkreichen und seelenlosen Kapitalist:innen wie Elon Musk, Jeff Bezos oder auch Jens Spahn in nur einer Person. Peter Isherwell tut das, was alle Kapitalist:innen tun: Er schlägt aus dem Leid anderer Profite. Zumindest versucht er das, denn es ist doch sehr größenwahnsinnig zu glauben, man könne einen Kometen, der fast so groß ist wie jener, der die Dinosaurier ausgelöscht hat, ausbeuten, um sein Technikimperium zu maximieren. Dass es kein unendliches wirtschaftliches Wachstum auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen gibt, scheint er missverstanden zu haben. Sein Vorhaben klingt absurd und unrealistisch. Aber ebenso unrealistisch wäre es, dass ein Kapitalist mit seinem vielen Geld und Einfluss alles tun würde, um den Planeten zu retten… Stichwort: Impfstoff-Patente.

Wer den Film bislang nicht gesehen hat, sollte das schleunigst nachholen. Er trifft den Nerv der Zeit und bietet innerhalb der Flut an Netflix-Schrott eine echt unterhaltsame Abwechslung. Wer abseits der Realität gerne den Kopf ungläubig schütteln, nicken und lachen möchte, dem bietet sich hier in 138 Minuten genügend Gelegenheit.

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