Brot und Rosen

Die 6 heuchlerischsten Unternehmen mit Pinkwashing-Kampagnen

Der Juni ist offizieller Pride Monat. Viele Unternehmen werben gerade jetzt mit LGBTQIA Freundlichkeit, fahren auf Pride Paraden auf oder färben ihr Logo in Regenbogenfarben ein. Der Kampf um sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung verkommt zum reinen Werbezweck, obwohl ein Großteil der Unternehmen sogar aktiv gegen LGBTQIAs Hetzen und hintenrum feindliche Politik finanziert. Wir wollen euch die 6 hinterhältigsten Unternehmen mit Pinkwashing Kampagnen vorstellen.

Die 6 heuchlerischsten Unternehmen mit Pinkwashing-Kampagnen
Foto: WhiteHaven / Shutterstock.com

1. Daimler

Die Daimler AG, die vor allem als Fahrzeughersteller bekannt ist, wirbt dieses Jahr sogar mit einem ganz eigenen Daimler Pride Month. Sie sagen: “Daher fordern und fördern wir eine Kultur der Wertschätzung und des Respekts, in der Herkunft, Alter, Geschlecht und geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung keine Rolle spielen. Mit Daimler Pride zeigen wir genau dafür Flagge. Und zwar weltweit.” Nur blöd, wenn gerade sie es sind, die gleichzeitig Rüstung an queerfeindliche Regimen liefern. Daimler produziert nicht nur selbst Militärfahrzeuge, sondern ist auch noch der größte private Anteilshaber der Airbus Group. Die Airbus Group ist derzweitgrößte Rüstungskonzern Europas und hat in den letzten Jahren explizit und implizit durch die Wartung und Auslieferung von Waffen und Equipment an beispielsweise Saudi Arabien und Libyen, die Verfolgung von LGBTQIA+s, sowie Kriege unterstützt. Stolz zeigte sich Daimler dennoch zusammen mit der deutschen Kriegsindustrie auf dem CSD.

2. Amazon

Natürlich versucht auch Amazon sich als Unterstützer von queeren Menschen zu brüsten. Auf dem Amazon-Blog werben sie mit einer glamazon Affinity Group, einem Zusammenschluss von Mitarbeiter:innen, deren Ziel es ist, “ein offenes und tolerantes Arbeitsklima zu fördern, Chancengleichheit [zu] unterstütz[en] und Talente [zu] aktivier[en]”. Kein Wort zu der Anzahl der Mitglieder, oder zu den Methoden, mit denen die Ziele umgesetzt werden sollen. Das ist auch überaus logisch, denn Amazon geht es nicht um die Arbeitsbedingungen ihrer queeren Mitarbeiter:innen, sondern um ihr Image und noch viel wichtiger ihre Profite.  Der Konzern ist schließlich bekannt für schlechte Löhne und schreckliche Arbeitsbedingungen: Angefangen von Gesprächs-Verboten bei der Arbeit, getimten Klo-Pausen bis hinzu FFP2-Maskenverbot. Brisant dabei ist, dass unterdrückte Gruppen wie LGBTQIA+s besonders häufig zu Risikogruppen zählen. Als sich die Beschäftigten in einer Gewerkschaft zusammenschließen wollten, um für wirkliche Verbesserungen und Arbeitsbedingungen zu kämpfen, stellte sich Amazon mit den dreckigsten Mitteln dagegen, um dies zu verhindern.

Vor diesem Hintergrund erscheinen folgende Sätze aus einem Blog Post absurd:

“Wir ergreifen Maßnahmen, um sicherzustellen, dass alle Mitarbeiter:innen sich als Teil des Teams fühlen, dass sie wissen, dass sie wertgeschätzt werden und dass wir ihnen alle Möglichkeiten bieten möchten, sich weiterzuentwickeln.”

Amazon ist mit seinen lächerlichen Versuchen durch die Aneignung von queeren Themen ihre Ausbeutung “bunt zu färben” das Paradebeispiel von Regenbogen Kapitalismus. Die Mitarbeiter:innen, insbesondere die der LGBTQIA+ Community sind dem Konzern egal, warum sonst verkaufen sie weiterhin rechte Propaganda-Artikel oder spenden regelmäßig an homophobe Politiker:innen.

3. BMW Group

Die BMW Group prahlt auf ihrer Webseite unter der Kategorie “Diversity” damit, in den TOP 5 Platzierung beim DAX 30 LQBT+ Diversity Index 2020 zu stehen. Aber was hat es mit diesem Diversity Index auf sich? “Das Ranking [des Unternehmens UHLALA Group] zeigt auf, wie stark sich die DAX 30 Unternehmen für eine diverse Unternehmenskultur einsetzen, die offen gegenüber lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Mitarbeitenden (Abk.: LGBT+) ist.”, steht im Report. In vier übergeordneten Kategorien werden dabei teilnehmende Unternehmen abgefragt. Probleme gibt es einige: Die Unternehmen (das heißt natürlich, die Unternehmensführungen) beantworten den Fragebogen, dessen Angaben nicht einmal gegengecheckt werden.

Es verwundert natürlich nicht, dass auch ein selbst ernanntes “Sozialunternehmen” wie die UHLALA Group keine Lösungen für die Queerfeindlichkeit von Unternehmen anbieten kann: Sie ist nämlich in der profitorientierten Natur eines jeden Unternehmen verwachsen, das im Kapitalismus von der Unterdrückung unterschiedlicher Menschen profitiert.

Während BMW sich in Deutschland und Europa mit Regenbogen Instagram-Posts schmücken, setzen sie ihre Kampagne in Saudi-Arabien und Russland aus. Dort gibt es extreme queerfeindliche Gesetze und Repressionen. Das zeigt, dass es BMW mit ihrer Pride-Month-Kampagne nicht wirklich um die Rechte von LGBTQIA+ geht, sondern um Profite. Die Doppelmoral ist kaum zu ertragen.

4. H&M

Auch H&M versucht mit Pink Washing Kampagnen ihr Image aufzupolieren und mehr Klamotten zu verkaufen. Kein Wunder, denn die LGBTQIA+ Gemeinschaft hat eine riesige Kaufkraft, geschätzt wird sie zwischen ca. 1 Billionen bis 3 Billionen Euro weltweit. So investiert der Konzern viel Geld in bunte Werbekampagnen, anstatt ihre Verkäufer:innen oder Näher:innen ordentlich zu bezahlen und ihnen ordentliche Arbeitsbedingungen zu ermöglichen.

Eine meist kurzlebige Werbestrategie kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Unternehmen auf genau ihren Rücken Milliarden-Profite erwirtschaften konnte. Zwar hat das Unternehmen immer wieder Anteile der Erlöse an Organisationen gespendet, doch wir brauchen keine Almosen, wenn wir von Anfang an ordentliche Bezahlung erhalten und mitbestimmen könnten, was und wie wir produzieren.

Zuletzt hat H&M sogar sehr negativ auf sich aufmerksam gemacht, indem sie vor allem Mütter entlassen haben. Genauso wie Greenwashing Kampagnen von H&M helfen sie uns kein Stück, die Wurzeln des Problems anzugehen, sondern sind lediglich lukrative Werbung für Konzerne.

5. Microsoft

Auch Microsoft versucht den Pride Month zu nutzen, um seine Vergangenheit rein zu waschen. Sie spenden insgesamt 150.000 US Dollar an LGBTQIA+ NGOs auf der ganzen Welt, also stolze 0,00034% des Gewinns, den das Unternehmen 2020 erwirtschaftete.

Dabei hat die konservative Politik des Unternehmens eine lange Geschichte. Schon Ende der 1990er gaben sie queer-Feind und Kriegstreiber George W. Bush große Spenden für seinen Wahlkampf, der Microsoft im Gegenzug in der damaligen Kartellklage half.

2005 zogen sie ihre Unterstützung für ein Antidiskriminierungsgesetz im US-Bundesstaat Washington zurück und machten anschließend Geschäfte mit Ralph Reed, der jahrelang als Vorsitzender der “Christian Coalition” extrem konservative Stimmung gegen Schwule und Lesben verbreitete.

Und während sie dieses Jahr Pride-XBox-Controller an Influencer verteilt, schweigen sie darüber, wie sie 2008 auf derselben Plattform das Wort “gay” gesperrt haben. Keine Entschuldigung, nichts.

6. Gorillas

Auch der Lebensmittel-Lieferant Gorillas beweist in einem Instagram ihren ganzen Zynismus. Sie posten fröhlich ein Bild von ihren Rucksäcken und schreiben #happypridemonth dazu. Das ist zynisch, weil sie den Beschäftigten nicht erlauben, die Lebensmittel auf einen Gepäckträger zu laden, sondern zwingt sie dazu diese Rucksäcke zu tragen. Gleichzeitig gehen sie gegen die streikenden Beschäftigten vor und laden nicht nur bei den Rucksäcken die ganze Last auf den Rücken der Beschäftigten ab. Und weil diese gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen und ihre fake Unterstützung zum Pride-Month noch nicht reichen, gibt es auch vermehrt Berichte von transfeindlichen Beleidigungen gegen Mitarbeiter:innen, auf die das Unternehmen nicht reagiert hat.

Pinkwashing bringt Profite

Den Unternehmen geht es nicht darum, wirklich für die Rechte von LGBTQIA+ zu kämpfen, sondern es ist eine Marketing-Kampagne wie jede andere auch. Und das lohnt sich: Die Kaufkraft der Queeren-Gemeinschaft ist immens und wird in Deutschland „rosa Geld“ genannt. Experten des britischen Marktforschungsunternehmens LGBT-Capital schätzen das rosa Geld der Welt auf 3,7 Billionen US-Dollar pro Jahr, doppelt so viel wie die gesamte Kaufkraft von Kanada.

Wir brauchen keine bunten Werbekampagnen, keine geheuchelte Unterstützung. Wir brauchen einen Kampf um ein wirkliches Recht auf Selbstbestimmung. Das können wir nur selber tun, nicht die gleichen Konzerne, die von der materiellen Grundlage unserer Unterdrückung profitieren und uns ausbeuten.

Für einen revolutionären Pride Month!

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