Deutschland

Dessau: Tausende fordern Gerechtigkeit für Oury Jalloh

Am dreizehnten Jahrestag der Ermordung Oury Jallohs durch deutsche Polizisten treffen Aktivist*innen der Schwarzen Diaspora und linke Gruppen in Dessau ein, um die Aufklärung der Todesumstände und Gerechtigkeit für den Ermordeten zu fordern. Mit einer kraftvollen, kämpferischen Demonstration ziehen mehrere tausend Menschen durch die Stadt, um an diesen und andere rassistische Morde durch die Polizei, wie auch an rechte Gewalt zu erinnern.

Dessau: Tausende fordern Gerechtigkeit für Oury Jalloh

In Die Ver­dammten dieser Erde schreibt Frantz Fanon: „When we revolt it’s not for a par­tic­u­lar cul­ture. We revolt sim­ply because, for many rea­sons, we can no longer breathe.“

Dieses Gefühl, nicht atmen zu kön­nen, wird all­ge­gen­wär­tig, wenn man sich die Bru­tal­ität der Kolo­nialgeschichte Deutsch­lands und das seit Jahren steigende Aus­maß an ras­sis­tis­ch­er Poli­tik und rechter Gewalt vor Augen führt. Eine Poli­tik, die Men­schen nach ihrer Nüt­zlichkeit für den Erfolg der Wirtschaft sortiert und die gle­ichzeit­ig von Geflüchteten und Migrant*innen blind­en Willen zur Inte­gra­tion ver­langt, während die deutschen Ver­hält­nisse tat­säch­lich so unmen­schlich sind und bewusst so gestal­tet wur­den, dass Geflüchtete „frei­willig“ wieder in das Land zurück­kehren, aus dem sie geflo­hen sind. Für Geflüchtete und Migrant*innen gibt es in diesem Staat keine Gerechtigkeit. Wed­er durch den NSU-Prozess, noch durch den von der Jus­tiz ver­schleppten Fall des Mordes an Oury Jal­loh. Im Gegen­teil: Dem Kampf für die Aufk­lärung wird alles nur Mögliche ent­ge­genge­set­zt, die Aktivist*innen krim­i­nal­isiert. Sie sehen sich sowohl der Polizei als auch Angrif­f­en von Recht­en aus­ge­set­zt.

Diese Angriffe haben jedoch uner­bit­tliche Kämpfer*innen geformt, die dem Staat keine Ruhe lassen und Jahr für Jahr durch Dessau marschieren wer­den, bis die Ver­ant­wortlichen zur Rechen­schaft gezo­gen wer­den. So ist die diesjährige Demon­stra­tion ist um vieles größer als die Demon­stra­tio­nen der let­zten Jahre. Sicher­lich ist dies der bre­it­en Mobil­isierung der Ini­tia­tive in Gedenken an Oury Jal­loh zu ver­danken, aber auch der aktuellen medi­alen Präsenz der Kam­pagne und der angekündigten Pro­voka­tion der AfD.

Busse aus Köln, Berlin, Ham­burg (gle­ich fünf!) und Aktivist*innen aus allen Teilen Deutsch­lands, eine eigene Aktion in München mit 150 Teil­nehmenden sowie Protes­tak­tio­nen vor den deutschen Botschaften in Sene­gal, Kamerun, Ital­ien, Frankre­ich und Eng­land als Zeichen des Inter­na­tion­al­is­mus!

Der Tod Oury Jal­lohs ist kein tragis­ch­er Einzelfall in ein­er düsteren Kle­in­stadt – Oury Jal­loh ist ein Opfer von Ras­sis­mus, Polizeige­walt und dem deutschen Migra­tionsregime.

Die Reden stellen klar und deut­lich den Bezug von der kap­i­tal­is­tis­chen Unter­w­er­fung der afrikanis­chen Län­der und den postkolo­nialen Machtver­hält­nis­sen zu den Fluchtur­sachen und der ras­sis­tis­chen Poli­tik der BRD in den Vorder­grund. Dementsprechend führt die Demon­stra­tion nicht nur an den für den Mord­fall wichti­gen Orten, Landgericht, Staat­san­waltschaft vor­bei bis zum Polizeire­vi­er, son­dern auch an einem Abschiebege­fäng­nis vor­bei. Auch das ist die bit­tere Real­ität in Dessau: Einige der Mitstreiter*innen der Ini­tia­tive und alte Bekan­nte Oury Jal­lohs wur­den abgeschoben.


Dieser Tag ist von sehr großer Bedeu­tung für die Schwarze Com­mu­ni­ty in Deutsch­land und umso größer ist die Freude, so viele Freund*innen und Genoss*innen zu sehen. Denn „Oury Jal­loh ist nicht tot. Er lebt in unseren Erin­nerun­gen. Er durch­bohrt uns mit seinen Augen wie ein Speer und ver­langt Gerechtigkeit.“ Vor dem Dessauer Polizeire­vi­er ste­hen wir mit gehobe­nen Fäusten, während Nkosi Sikelel’ iAfri­ka, die Hymne des Anti-Apartheid-Kampfes gespielt wird.

Wir wis­sen, dass es Mord war. Keine Repres­sion der Welt kann diese Tat­sache aus­löschen. Um zu ver­hin­dern, dass der deutsche Staat weit­er­hin unsere Geschwis­ter tötet, braucht es die Ein­heit der Unter­drück­ten gegen die Unter­drück­ung.

Das bedeutet vor allem den kom­pro­miss­losen Kampf gegen die deutsche Außen- und Migra­tionspoli­tik. Die mil­itärische Aus­bil­dung von Sicher­heit­skräften und Polizei zur Bekämp­fung von Schleusern und ille­gal­isiert­er Migra­tion, wie zur Zeit in Libyen durch die Bun­deswehr, muss gestoppt und die deutschen Trup­pen aus allen afrikanis­chen Staat­en abge­zo­gen wer­den. Statt der heuch­lerischen Forderung nach Inte­gra­tion, während Geflüchteten der freie Zugang nicht nur zu Bil­dung, Arbeit und Wohn­raum, son­dern selb­st zu Sprachkursen ver­wehrt wird – um dann trotz­dem Men­schen, die hier seit Jahren leben, ein­fach abzuschieben – kämpfen wir für die Gewährung aller Rechte für Geflüchtete und gegen den staatlichen Ras­sis­mus. Unser Kampf ist gren­zen­los und inter­na­tion­al.

Um es mit den Worten von Nkrumah zu sagen:

„We have awak­ened. We will not sleep any­more. Today, from now on, there is a new African in the world!“

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