Deutschland

Demo in München: Nach 13 Jahren endlich Gerechtigkeit für Oury Jalloh!

Zeitgleich zur Demonstration in Dessau demonstrieren knapp 150 Menschen in der bayerischen Landeshauptstadt, darunter viele Refugees aus Deggendorf. Die als anti-rassistischer Stadtrundgang konzipierte Demonstration erinnerte an rassistisch motivierte Gewalttaten in München.

Demo in München: Nach 13 Jahren endlich Gerechtigkeit für Oury Jalloh!

Ob Okto­ber­fes­tat­ten­tat, rechter Ter­ror am Olympia-Einkauf­szen­trum oder die Morde des NSU: Nicht nur die his­torischen Ver­brechen der Faschist*innen haben sich in die Geschichte der Stadt einge­bran­nt, auch in der jün­geren Ver­gan­gen­heit kam es zu abscheulichen Tat­en ras­sis­tis­ch­er Prä­gung. Angelehnt an die Ausstel­lung im Münch­n­er NS-Doku­men­ta­tion­szen­trum „Nie wieder, schon wieder, immer noch“, ging es den Demon­stri­eren­den neben der Erin­nerung an den schreck­lichen Tod von Oury Jal­loh vor 13 Jahren auch darum, den Münchner*innen den insti­tu­tionellen Ras­sis­mus und die Kon­ti­nu­ität der Ver­brechen in ihrer Heimat­stadt ins Bewusst­sein zu rufen.

Die Demon­stra­tion begann mit ein­er Schweigeminute. Dem Aufruf zur Demon­stra­tion waren Men­schen aus einem bre­it­en linken Spek­trum gefol­gt. Ange­führt wurde sie von den kämpferischen Men­schen aus den Lagern in und um Deggen­dorf, die in den let­zten Wochen in den blau-braunen Hochbur­gen Nieder­bay­erns für einen „Furor Afdeni­cus“ gesorgt hat­ten. Wäre die Polizei so akribisch bei der Aufk­lärung des Mordes an Oury Jal­loh in Dessau vorge­gan­gen, wie sie die zusam­menge­knoteten Seit­en­trans­par­ente als Aufla­gen­ver­stoß zu Demobe­ginn doku­men­tierte, wären seine Mörder*innen wohl schon längst hin­ter Git­tern.

Während des anti­ras­sis­tis­chen Stadtrundganges wurde immer wieder auf den Zusam­men­hang zwis­chen insti­tu­tionellem Ras­sis­mus und den Angrif­f­en auf Refugees hingewiesen. Am Rande der Demon­stra­tion gab es zahlre­iche Sol­i­dar­itäts­bekun­dun­gen – aber auch viele Pöbeleien und ras­sis­tis­che Äußerun­gen, die ihren Höhep­unkt am Stachus fan­den, wo die Belegschaft des dor­ti­gen Eis­lauf­bahn­be­triebes durch ras­sis­tis­che Äußerun­gen auffiel. Durch das Bahn­hofsvier­tel ging es weit­er zum DGB-Haus, wo die Marx­is­tis­che Jugend München bei ein­er weit­eren Kundge­bung die lück­en­lose Aufk­lärung im Fall Oury Jal­loh sowie den Auss­chluss der Gew­erkschaft der Polizei (GdP) aus dem DGB forderte.

Eine Lüge wird nicht dadurch wahr, dass man sie tausend­mal erzählt. Diesem Staat und seinen Behör­den kön­nen wir und dür­fen wir niemals trauen. Es ist offen­sichtlich: Oury Jal­loh ist nicht durch Selb­stanzün­dung gestor­ben. Er wurde feige von Beamt*innen des deutschen Staates ermordet. Wer Morde an unseren Klas­sen­geschwis­tern deckt, anstatt sie aufzudeck­en, der hat nichts mit uns und der Bewe­gung der Unter­drück­ten gemein. Sie wer­den uns immer wieder angreifen, ob auf Demon­stra­tio­nen, in Lagern oder vor den Werk­storen. Wir fordern daher: GdP raus aus dem DGB!

Wir fordern weit­er­hin eine lück­en­lose Aufk­lärung des Mordes an Oury Jal­loh und des Polizeinet­zw­erkes, das dahin­ter steckt. Ein Net­zw­erk, das übri­gens auch zwei weit­ere Morde in Dessau ver­tuscht!

Mario Bichte­mann und Hans-Jür­gen Rose sind eben­falls inner­halb beziehungsweise in unmit­tel­bar­er Nähe der Dessauer Polizeis­telle ums Leben gekom­men und die Umstände sind bis heute nicht aufgek­lärt.

Ihren Abschluss fand die Demo dann am Ort des Okto­ber­fes­tat­ten­tats an der There­sien­wiese, um die Kon­ti­nu­ität der ras­sis­tis­chen Gewalt zu ent­lar­ven. Was von der Demo bleibt, ist die Erken­nt­nis, dass die Anstren­gun­gen um die Aufk­lärung des Mordes Oury Jal­loh fun­da­men­tale Bedeu­tung im Kampf gegen den staatlichen Ras­sis­mus besitzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.