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Der IS fährt jetzt mit deutschen Panzern

Bei Kämpfen mit der türkischen Armee um die syrische Stadt al-Bab erbeutete der Islamische Staat (IS) mindestens einen Leopard 2A4-Kampfpanzer aus deutscher Produktion. Der Fall zeigt, wie die Unterstützung Merkels für das despotische Erdogan-Regime den Syrienkrieg weiter anheizt.

Der IS fährt jetzt mit deutschen Panzern

In den let­zten Tagen kam es in der nordsyrischen Kle­in­stadt al-Bab zu schw­eren Kämpfen zwis­chen Milizen der Freien Syrischen Armee (FSA), unter­stützt durch die türkische Armee auf der einen Seite und Ein­heit­en des IS auf der anderen. Dabei wur­den über 100 Zivilist*innen und Kämpfer*innen bei­der Seit­en getötet. Dem IS gelang es, mit Hil­fe eines Selb­st­mord­fahrzeuges, einen türkischen Stützpunkt einzunehmen. Auf diesem kon­nten sie einen, nach anderen Angaben zwei, in Deutsch­land hergestellte Leop­ard 2A4-Panz­er in ihre Gewalt brin­gen.

Bei Anschlä­gen des IS auf die türkische Armee in al-Bab kamen in den ver­gan­genen Wochen bere­its dutzende türkische Soldat*innen ums Leben. Die türkische Luft­waffe bom­bardierte am Don­ner­stag Gebäude und Stel­lun­gen in al-Bab, wobei laut der Syrischen Beobach­tungsstelle für Men­schen­rechte min­destens 88 Zivilist*innen ums Leben kamen.

Erdoğans militärisches Abenteuer in Syrien

Am 24. August startete die Oper­a­tion „Schutzschild Euphrat“: Die türkische Armee rück­te mit etwa 450 Soldat*innen und 20 Kampf­panz­ern des Typs M60 in den syrisch-türkischen Gren­zort Jarablus ein, den der IS zuvor kampf­los aufgegeben hat­te. Ziel des Vorstoßes war es, einen Kor­ri­dor im Nor­den Syriens zu schaf­fen, um die Nach­schub­wege der FSA aus der Türkei zu sich­ern und die Aus­dehnung der kur­dis­ch­er Selb­stver­wal­tung in Roja­va zu ver­hin­dern.

Die mit Erdoğan ver­bün­de­ten Trup­pen der FSA, die sich unter anderem aus jihadis­tis­chen Milizen wie der Jab­hat al-Nus­ra (ehe­mals Al-Nus­ra-Front) zusam­menset­zen, wur­den erst kür­zlich von Assads Trup­pen aus Alep­po ver­trieben. Al-Bab liegt 40 Kilo­me­ter nordöstlich von Alep­po, auf halbem Weg in die von kur­dis­chen Trup­pen gehal­tene Stadt Man­bij. Wer al-Bab kon­trol­liert, hält die Zugangswege zur IS-Haupt­stadt Rak­ka in der Hand.

Doch je weit­er Erdoğan sich in das syrische Chaos vor­wagt, umso gefährlich­er wird das Vorhaben – in den Kämpfen von al-Bab geri­et die türkische Expe­di­tion an ihre Gren­zen. Daher wur­den die Ein­heit­en um mod­erne Leop­ard 2A4 ver­stärkt, von denen jedoch vier Stück inner­halb weniger Tage durch den IS voll­ständig zer­stört wur­den und min­destens ein­er erobert wurde. Auch das Atten­tat am rus­sis­chen Botschafter in Ankara zeigt auf, dass der Syrien-Krieg auch im Innern der Türkei angekom­men ist.

Merkels Waffen heizen den Krieg in Syrien an

Dass der Panz­er in die Hände des IS geri­et, ist nicht nur pein­lich für die türkische Armee. Mit sein­er Kampfkraft stellt er auch eine tödliche Waffe in den Hän­den des IS dar. 2007 kaufte der türkische Staat 354 Leop­ard 2A4 von der Bun­deswehr. Neben ver­al­teten Waf­fen­sys­te­men aus dem Kalten Krieg stellen die mod­er­nen deutschen Panz­er das Rück­grat des türkischen Heeres.

Der direk­te Kampfein­satz deutsch­er Waf­fen­sys­teme zeigt deut­lich­er denn je die Ver­strick­un­gen des deutschen Impe­ri­al­is­mus in den syrischen Bürger*innenkrieg. Seit Ende 2015 beteiligt sich die Bun­deswehr an der Koali­tion gegen den IS mit ein­er Fre­gat­te, sechs Tor­na­do-Aufk­lärungs­flugzeu­gen und 1.200 Soldat*innen, die auf dem türkischen Luft­waf­fen­stützpunkt Incir­lic sta­tion­iert sind.

Die deutsche Regierung unter­stützt das despo­tis­che türkische Regime durch Waf­fen­liefer­un­gen sowie poli­tis­che und finanzielle Abkom­men wie den EU-Türkei-Deal, mit dem die EU Geflüchtete an der Ein­reise nach Europa hin­dert. Das alles nützt Erdoğan, um seine bluti­gen Aben­teuer in Syrien voranzutreiben. Der Krieg wird nur am Laufen gehal­ten durch Waf­fen­liefer­un­gen wie den Leop­ard-Panz­er. Deutsch­land ist der drittgrößte Waf­fen­ex­por­teur der Welt. Inzwis­chen schlägt der Krieg auch nach Deutsch­land zurück, wie beim Anschlag in Berlin.

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