Frauen und LGBTI*

Den Klassenkampf gegen den patriarchalen Kapitalismus wieder aufnehmen

Cynthia Burgueño und Josefina Martínez haben das Buch „Patriarchat und Kapitalismus. Feminismus, Klasse und Vielfalt" geschrieben, herausgegeben von Editorial Akal im Spanischen Staat. Wir haben mit den Autorinnen gesprochen.

Den Klassenkampf gegen den patriarchalen Kapitalismus wieder aufnehmen

Dieses Inter­view erschien im Novem­ber 2019 bei Con­tra­pun­to, der Woch­enen­daus­gabe von IzquierdaDiario.es,

Con­tra­pun­to: In let­zter Zeit wer­den ver­mehrt Büch­er über Fem­i­nis­mus veröf­fentlicht. Euer Buch ver­tritt aber einen nicht so häu­fi­gen Stand­punkt, denn es spricht das Ver­hält­nis zwis­chen Geschlecht und Klasse, zwis­chen Patri­ar­chat und Kap­i­tal­is­mus an: Was wollt ihr mit diesem Buch erre­ichen?

Cyn­thia Bur­gueño: Wir gehen von der Idee aus, dass es nicht nur einen Fem­i­nis­mus gibt, son­dern viele Fem­i­nis­men. Wie Andrea D’A­tri im Vor­wort unseres Buch­es fest­stellt, gibt es in der Frauen­be­we­gung ver­schiedene Strö­mungen mit unter­schiedlichen Strate­gien. Es ist eine ten­den­ziell inter­na­tion­al­is­tis­che Bewe­gung, in der sehr junge Mäd­chen eine wichtige Rolle spie­len, wie wir bei den Frauen­streiks vom 8. März, bei den Massendemon­stra­tio­nen in Argen­tinien, im Spanis­chen Staat, in Ital­ien oder jet­zt in Chile gese­hen haben.

Als Teil dieser Bewe­gung, an der wir zusam­men mit unseren Genossin­nen von Brot und Rosen in ver­schiede­nen Län­dern teil­nehmen, wollen wir den Stand­punkt eines marx­is­tis­chen Fem­i­nis­mus ein­brin­gen – eines Fem­i­nis­mus, der notwendi­ger­weise antikap­i­tal­is­tisch, anti­ras­sis­tisch und anti­im­pe­ri­al­is­tisch ist.

Jose­fi­na Mar­tinez: Aus diesem Grund beschäfti­gen wir uns mit ver­schiede­nen, sehr aktuellen The­men wie dem lib­eralen Fem­i­nis­mus, der Fem­i­nisierung der Arbeit­skraft, dem “Anti-Gender”-Kreuzzug der radikalen Recht­en, der Islam­o­pho­bie, dem Ras­sis­mus und der Migra­tion, der Debat­te über Pros­ti­tu­tion, dem Kampf für sex­uelle Befreiung und gegen männliche Gewalt und eini­gen Beiträ­gen zu den neuen Debat­ten des antikap­i­tal­is­tis­chen Fem­i­nis­mus. Der rote Faden, der sich durch das ganze Buch zieht – oder zumin­d­est ver­suchen wir das zu tun – ist, diesen Stand­punkt von einem rev­o­lu­tionären Fem­i­nis­mus aus zu vertreten.

Wir been­den das Buch – wir machen hier einen Spoil­er – mit der Notwendigkeit, für eine neue Art von Gesellschaft zu kämpfen, weil der Kap­i­tal­is­mus einen großen Teil der Bevölkerung dazu ver­dammt, ums Über­leben kämpfen zu müssen. In dieser Gesellschaft gibt es eine Ver­dop­pelung der Unter­drück­ung, die Aus­beu­tung der prekären Jugend und For­men der mod­er­nen Sklaverei, Gewalt gegen Frauen, das Töten von Migrant*innen an den Gren­zen und die Zer­störung des Plan­eten selb­st. Der große Tri­umph des Kap­i­tal­is­mus beste­ht darin, dass wir mehr daran gewöh­nt sind, über Katas­tro­phen und Dystopi­en nachzu­denken, als uns die Möglichkeit vorzustellen, die Gesellschaft auf neuen Grund­la­gen, jen­seits des Kap­i­tals, neu zu organ­isieren. Aber das muss das Ziel ein­er antikap­i­tal­is­tis­chen fem­i­nis­tis­chen Bewe­gung sein, mit ein­er entsprechen­den Strate­gie.

Im ersten Kapi­tel stellt ihr fest, dass die Tat­sache, dass einige mächtige Frauen gläserne Deck­en zer­brechen und Macht­po­si­tio­nen ein­nehmen, keine Verbesserung im Leben der meis­ten Frauen bedeutet. Dabei ver­weist ihr auf das Besip­iel von der Präsi­dentin der San­tander-Bank, Ana Botín, die sich selb­st als Fem­i­nistin beze­ich­net.

JM: Genau. Dies ist die Prämisse des lib­eralen Fem­i­nis­mus, der von „Empow­er­ment“ und „Wahl­frei­heit“ spricht, aber die Tat­sache ver­hüllt, dass nicht alle Frauen die gle­ichen Möglichkeit­en der „freien Wahl“ in dieser Gesellschaft haben.

Um nur einige Zahlen zu nen­nen: Ana Botins per­sön­lich­es Ver­mö­gen wurde 2018 auf mehr als 300 Mil­lio­nen Euro geschätzt und sie ist die Präsi­dentin ein­er der wichtig­sten Finanz­grup­pen der Welt. Die San­tander-Bank finanziert den Berg­bau und die Wasserkraft­nutzung in mehreren lateinamerikanis­chen Län­dern, die wiederum die Vertrei­bung der indi­ge­nen Bevölkerung und die Ver­schmutzung der Flüsse verur­sachen. Es gibt viele Frauen, die dage­gen kämpfen und ver­fol­gt oder getötet wer­den, wie Berta Cáceres. Unser Fem­i­nis­mus ist anti­im­pe­ri­al­is­tisch und antikap­i­tal­is­tisch.

Die Plat­tform der von Hypotheken betrof­fe­nen Men­schen (PAH) im Spanis­chen Staat schätzt, dass allein in den ersten vier Jahren der Krise nach 2008 in Spanien 400.000 Zwangsräu­mungen stattge­fun­den haben, von denen die San­tander-Bank min­destens 10 Prozent durchge­führt haben soll. Wir ste­hen auf der Seite der Nach­barin­nen, die gegen die Zwangsräu­mungen kämpfen, der Arbei­t­erin­nen, die am 8. März demon­stri­eren, gegen Bankerin­nen wie Ana Botin.

Die Debat­te über den lib­eralen Fem­i­nis­mus wird auch mit der Ankun­ft der neuen sozialdemokratis­chen Min­is­terin­nen in der spanis­chen Regierung der PSOE, die als eine der „fem­i­nis­tis­chsten der Welt“ beze­ich­net wird, wieder eröffnet. Wie find­et ihr das?

CB: Zuerst ein­mal sollte fest­gestellt wer­den, was mit­tler­weile offen­sichtlich sein sollte: Die Präsenz von mehr Frauen in hohen poli­tis­chen Posi­tio­nen bedeutet nicht, dass eine Regierung fem­i­nis­tis­ch­er ist, wenn wir mit diesem Begriff meinen, dass sie den meis­ten Frauen zugute kommt. Als Beweis dafür muss man sich nur den Fall Deutsch­lands mit Angela Merkel anschauen. Im Fall der PSOE reicht es, die Kar­riere ein­er „Super­min­is­terin“ wie Nadia Calviño zu betra­cht­en, die zeitweise als Chefin des IWF (eine Organ­i­sa­tion, die weltweit Spar­maß­nah­men durch­set­zt, wie es in Griechen­land oder Argen­tinien der Fall war!) vorge­se­hen war, eine Min­is­terin, die ger­ade von Ana Botín begrüßt wurde, weil somit ihre Geschäfte weit­er­hin blühen wür­den.

Für uns geht es nicht darum, eine Quote für eine kleine Gruppe von Frauen inner­halb der patri­ar­chal-kap­i­tal­is­tis­chen Struk­turen zu erre­ichen. Was wir wollen, ist sie in die Luft zu jagen.

JM: Das auf­greifend, was mehrere Autorin­nen vor uns gesagt haben, behaupten wir, dass der Neolib­er­al­is­mus einige isolierte Begriffe vom Fem­i­nis­mus über­nom­men hat, mit einem stark indi­vid­u­al­is­tis­chen For­mat. Worte wie „Empow­er­ment“ und „Wahl“ wur­den zum Angelpunkt der Diskurse von NGOs oder in Uni­ver­sitäten. Und in den let­zten Jahrzehn­ten kam es zu dem, was eine Autorin als „eine gefährliche Beziehung“ zwis­chen Fem­i­nis­mus und Neolib­er­al­is­mus definierte.

Aber heute entste­ht etwas ganz anderes. Die Möglichkeit, das Korsett des lib­eralen Fem­i­nis­mus zu durch­brechen, zeigt sich bere­its in den mächti­gen Frauen­streiks im Spanis­chen Staat, Polen und Argen­tinien, in den Kämpfen der Arbei­t­erin­nen, Bäuerin­nen und indi­ge­nen Frauen und vor allem in dem, was wir in den let­zten Wochen beobachtet haben: eine neue Welle des Klassenkampfes in Chile, Bolivien oder Ecuador, wo auch die Frauen an der Spitze ste­hen.

Die Feminisierung der Arbeitskraft

In dem Buch kon­trastiert ihr die Geschichte von Ana Botín mit der von Ana López, eine Wan­der­ar­bei­t­erin, die Hotelz­im­mer reinigt und sich in Las Kellys organ­isiert. Während einige wenige die gläserne Decke durch­brechen, fegen viele andere die kle­bri­gen Böden…

CB: Wir haben Arbei­t­erin­nen von Las Kellys, Call-Cen­ter-Mitar­bei­t­erin­nen, Pan­ri­co-Fab­rikar­bei­t­erIn­nen, Migran­tinnen und Hau­sangestellte befragt. Mit ihnen allen haben wir Ver­samm­lun­gen, Demon­stra­tio­nen und Streiks durch­lebt. Deshalb woll­ten wir ihre Aus­sagen in dem Buch haben.

Die Kellys sind – wie viele andere – Frauen, die gegen Aus­beu­tung, Vertrei­bung und männliche Gewalt kämpfen, um von diesen kle­bri­gen Boden wegzukom­men, und zeigen, dass die Klassen­zuge­hörigkeit ihre Unter­drück­ung ein­rahmt. In diesen Erfahrun­gen zieht sich die Last der Aus­beu­tung als Arbei­t­erin­nen und der Unter­drück­ung als Frauen und Migran­tinnen wie ein rot­er Faden durch.

Deshalb schla­gen wir vor, die untrennbaren Binome von Klasse und Geschlecht, von Unter­drück­ung und Aus­beu­tung zu analysieren. Das ist für uns fun­da­men­tal, um über Emanzi­pa­tion­sstrate­gien gegen den patri­ar­chalen Kap­i­tal­is­mus nachzu­denken. Denn wir wollen wed­er die Unter­drück­ung von den Aus­beu­tungsver­hält­nis­sen abstrahieren, noch in eine mech­a­nis­tis­che und reduk­tion­is­tis­che Klassen­vi­sion ver­fall­en, die Machis­mus oder Ras­sis­mus als etwas Zweitrangiges betra­chtet. Wir sagen, dass der Kampf gegen die vielfälti­gen Unter­drück­un­gen der Frauen Teil der Geschichte des Klassenkampfes ist, und in diesem Kampf ste­hen Ana Botin und Ana Lopez auf ent­ge­genge­set­zten Seit­en.

Es gibt in eurem Buch auch eine Analyse der Verän­derun­gen in der Arbeitswelt. Ihr sprecht von ein­er fem­i­nisierten und ras­si­fizierten Arbeiter*innenklasse.

JM: Zum ersten Mal in der Geschichte des Kap­i­tal­is­mus sind etwa 40 Prozent der weltweit­en Beschäftigten Frauen. Diese riesige weib­liche Arbeit­skraft ermöglicht einen Bruch mit der Idee ein­er Arbeiter*innenklasse, die sich auf den männlichen Arbeit­er, den einzi­gen Ernährer und Fam­i­lienober­haupt, ein­heimisch und weiß, reduziert. Jedoch gehen diese Verän­derun­gen mit ein­er Ver­schlechterung der Arbeits­be­din­gun­gen, ein­er Frag­men­tierung und ein­er inter­nen Aufteilung in mehrere Kat­e­gorien ein­her.

Der Kap­i­tal­is­mus macht sich die geschlechtliche Arbeit­steilung zunutze und fördert sie: nicht nur jene, die his­torisch zwis­chen Heim und Arbeit existiert, son­dern auch in der Pro­duk­tion selb­st, mit fem­i­nisierten und prekär­eren Jobs. Das Sys­tem hält, mit vie­len Wider­sprüchen, die Idee der weib­lichen Häus­lichkeit aufrecht, indem es Arbei­t­erin­nen dazu ver­dammt, eine weit­ere Arbeitss­chicht – die unbezahlte Arbeit im Haushalt – zu übernehmen.

Diesen Debat­ten über Hausar­beit und ihrem Ver­hält­nis zum Kap­i­tal­is­mus ins­ge­samt wid­men wir ein ganzes Kapi­tel, in dem wir auf die Ausar­beitun­gen ver­schieden­er Strö­mungen des Fem­i­nis­mus von den 1970er Jahren bis zur Gegen­wart hin­weisen. Wir wer­den aber nicht alles ver­rat­en, damit ihr es lesen kön­nt…

Ein weit­eres sehr aktuelles The­ma ist der Anti-Geschlechter-Kreuz­zug der extremen Recht­en. Die Partei VOX hat ger­ade 52 Sitze im spainschen Par­la­ment gewon­nen. Wie disku­tiert ihr das?

JM: Dieser Anti-Geschlechter-Kreuz­zug ist ein inter­na­tionales Phänomen. Wir behaupten, dass dieser Diskurs gegen die „Gen­der-Ide­olo­gie“ vom Vatikan bis zu Don­ald Trump genutzt wird.

Diese neue kon­ser­v­a­tive und christliche Rechte hat starke glob­ale Ten­takel. Aber erin­nern wir uns daran, dass der Begriff der „Gen­der-Ide­olo­gie“ vom Vatikan stammt, um fem­i­nis­tis­che und Queer-The­o­rien zu ver­teufeln. Obwohl viele Bergoglio als einen fortschrit­tlichen Papst präsen­tieren, kam er mit einem sehr kon­ser­v­a­tiv­en Lebenslauf in den Vatikan. 2010 war er Erzbischof von Buenos Aires und wider­set­zte sich der Erlas­sung des Geset­zes zur gle­ichgeschlechtlichen Ehe; er sagte, es sei eine Bewe­gung des Teufels, „um das Werk Gottes zu zer­stören“. Evan­ge­likale Kirchen ste­hen eben­so an der Spitze des antifem­i­nis­tis­chen Kampfes; ihr Wach­s­tum ist ein Schlüs­se­lele­ment für recht­spop­ulis­tis­che Pro­jek­te, in den USA und im Brasilien von Bol­sonaro.

Dieses Phänomen kann nicht ver­standen wer­den, ohne die organ­is­che Krisen in mehreren Län­dern zu analysieren, d.h. die Krisen der Repräsen­ta­tion und die tiefe poli­tis­che Polar­isierung, in dessen Zuge Recht­spop­ulis­men auf­taucht­en, die sich eines aggres­siv­en Diskurs­es bedi­enen, um auf reak­tionäre Weise Kap­i­tal aus dem durch die neolib­erale Poli­tik erzeugten sozialen Unmut zu schla­gen.

Und was schlägt der antikap­i­tal­is­tis­che Fem­i­nis­mus angesichts ein­er solchen reak­tionären Offen­sive vor?

CB: Wir denken, der Fem­i­nis­mus muss sich erneut als eine Bewe­gung auf­stellen, die sich gegen Frem­den­feindlichkeit und Ras­sis­mus posi­tion­iert. Deshalb wid­men wir ein Kapi­tel den Kämpfen der Wan­der­ar­bei­t­erin­nen, die “dreifach unter­drückt, aber auch dreifach kämpferisch­er” sind, wie die migrantis­chen Genossin­nen von Pan y Rosas immer sagen.

Und tat­säch­lich find­et sich diese anti­ras­sis­tis­che Sichtweise nicht nur in einem Kapi­tel, son­dern zieht sich durch alle The­men hin­durch, von Fra­gen der Arbeits­be­din­gun­gen oder männlich­er Gewalt bis hin zu poli­tis­cheren The­men. Wir analysieren ins­beson­dere die Fälle der Arbei­t­erin­nen der Erd­beer­felder in Andalusien, oder der Arbei­t­erin­nen, die in ihren Herkun­ft­slän­dern angestellt wur­den, Hau­sangestellte in ver­schiede­nen Län­dern oder Alten- und Kinder­be­treuerin­nen in Ital­ien, Rein­gungskräfte, usw.

Und wir sind auch der Ansicht, dass der anti­ras­sis­tis­che Fem­i­nis­mus gle­ichzeit­ig antikap­i­tal­is­tisch und anti­im­pe­ri­al­is­tisch sein muss, denn es ist keine Frage der indi­vidu­ellen Ein­stel­lun­gen, son­dern der materiellen Struk­turen, die eine weit­ere Aus­beu­tung und Unter­drück­ung von Mil­lio­nen von Men­schen in den impe­ri­al­is­tis­chen Län­dern und im Rest der Welt ermöglichen.

Die Debat­te über Marx­is­mus und Fem­i­nis­mus ist seit eh und je voll von Begeg­nun­gen und Mei­n­ungsver­schieden­heit­en, Polemiken und Debat­ten.

JM: Wir denken, dass es wichtig ist, um die kom­plex­en Beziehun­gen zwis­chen Fem­i­nis­mus und Marx­is­mus anzuge­hen, die Tra­di­tion des sozial­is­tis­chen Fem­i­nis­mus wieder zu beleben oder den Faden einiger Über­legun­gen zur Emanzi­pa­tion der Frau, die im marx­is­tis­chen Denken von Anfang an aufge­wor­fen wur­den, wieder aufzunehmen.

Zum Beispiel analysierte Flo­ra Tristán schon Mitte des 19. Jahrhun­derts die Beziehung zwis­chen Klasse und Geschlecht und erk­lärte, dass die Arbei­t­erin­nen die Pro­le­tari­er unter den Pro­le­tari­ern seien. Marx und Engels haben ihrer­seits die Notwendigkeit des Kampfes für die Emanzi­pa­tion der Frau schon in ihren ersten Tex­ten wie Die Heilige Fam­i­lie oder Die Lage der arbei­t­en­den Klasse in Eng­land behan­delt und das tat­en sie weit­er in Werken wie das Kom­mu­nis­tis­che Man­i­fest oder in Engels’ bedeu­tend­stem Werk zu dieser Frage: Der Ursprung der Fam­i­lie, des Pri­vateigen­tums und des Staates.

Diese frühen Ausar­beitun­gen wur­den von sozial­is­tis­chen Fem­i­nistin­nen wie Eleonor Marx und Clara Zetkin aufge­grif­f­en. Let­ztere organ­isierte inter­na­tionale Kon­gresse der sozial­is­tis­chen Frauen und gegen den impe­ri­al­is­tis­chen Krieg. Und bei diesem Kampf stand sie mit ihrer Fre­undin Rosa Lux­em­burg in der ersten Rei­he. Alexan­dra Kol­lon­tai leit­ete zusam­men mit anderen Aktivistin­nen wie Ines­sa Armand die Debat­te über die Frage der Frauen­e­manzi­pa­tion in der Bolschewis­tis­chen Partei. Da gibt es eine wichtige Geschichte, die es wieder auszu­graben gilt.

CB: Wir greifen auch die Erfahrun­gen der frühen Jahre der Rus­sis­chen Rev­o­lu­tion auf, als die Emanzi­pa­tion der Frauen zu den vor­rangi­gen The­men gehörte. Lenin schrieb, dass der Auf­bau des Sozial­is­mus erst dann wirk­lich begin­nen könne, wenn die Gle­ich­berech­ti­gung der Frauen erre­icht sei, wenn sie von der Last der Hausar­beit befre­it wür­den, was viele Jahre der Trans­for­ma­tion erfordern würde.

Darüber hin­aus wurde der große Rückschritt, den der Stal­in­is­mus in diesem Bere­ich bedeutete, von Anführern wie Leo Trotz­ki bekämpft. Für ihn waren die Argu­mente, die von der Bürokratie benutzt wur­den, um die Frauen wieder in die patri­ar­chale Fam­i­lie zu brin­gen, „Philoso­phie eines Pfaf­fen, der zudem die Macht des Gen­dar­men ausübt”. All diese Debat­ten ste­hen in der Tra­di­tion der Arbeiter*innen- und der Frauen­be­we­gung. Und sie zu ken­nen ist der Schlüs­sel, um nicht wieder bei Null anfan­gen zu müssen.

Weit­ere wichtige Polemiken des sozial­is­tis­chen Fem­i­nis­mus gab es in den 1970er Jahren, und mit eini­gen davon beschäfti­gen wir uns, wie z.B. die Debat­ten mit dem radikalen Fem­i­nis­mus, dem mate­ri­al­is­tis­chen Fem­i­nis­mus und den The­o­rien des dualen Sys­tems oder den Vertreterin­nen eines ein­heitlichen Sys­tems.

Schließlich stellt ihr in dem Buch die These auf, dass die Frauen­be­we­gung vielle­icht eine Rück­kehr zum all­ge­meineren Klassenkampf vorankündigt. Und es scheint, als ob die Real­ität das bere­its bestätigt, nicht wahr?

JM: Natür­lich! Wir müssen das Buch bere­its mit den Kämpfen der let­zten Wochen in Chile, Ecuador, Bolivien und Hon­duras aktu­al­isieren. Wir kön­nen das für die zweite Auflage machen (lacht). Diese Kämpfe auf dem Gebi­et des Klassenkampfes zeigen die zen­trale Rolle, die arbei­t­ende Frauen und Bäuerin­nen zusam­men mit ein­er rebel­lis­chen Jugend und der Arbeiter*innenklasse als Ganzes gegen den patri­ar­chalen Kap­i­tal­is­mus spie­len kön­nen.

CB: Diese neue weib­liche Arbeit­skraft konzen­tri­ert sich in strate­gis­chen Posi­tio­nen, die für das Funk­tion­ieren der kap­i­tal­is­tis­chen Wirtschaft zen­tral sind, in den großen Metropolen, weit ent­fer­nt von der „Neben­rolle“, die den Frauen his­torisch aufer­legt wurde. Das erk­lärt auch, warum die Arbei­t­erin­nen bei diesen Streiks und Kämpfen an vorder­ster Front aufzutreten begin­nen. Arbeiter*innen, die mit neuen Gen­er­a­tio­nen junger Men­schen auf der Straße ste­hen und eine poten­zielle Her­aus­forderung für das patri­ar­chale kap­i­tal­is­tis­che Sys­tem darstellen.

Das Buch kann man bei Akal.com kaufen: Patri­ar­ca­do y cap­i­tal­is­mo. Fem­i­nis­mo, clase y diver­si­dad. Edi­ciones Akal, 2019.

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