Antirassismus

Bristol: Die Statue eines Sklaventreibers stand für 125 Jahre, die einer Antirassistin für weniger als 24 Stunden.

In Bristol wurde heimlich die Statue einer antirassistischen Aktivistin aufgestellt, um die Statue eines Sklaventreibers zu ersetzen. In weniger als 24 Stunden wurde sie wieder entfernt. Ein politischer Kampf für die Erinnerung an antirassistische Kämpfe und gegen das Erbe der Sklaverei, das von der Kapitalist*innenklasse aufrechterhalten wird.

Bristol: Die Statue eines Sklaventreibers stand für 125 Jahre, die einer Antirassistin für weniger als 24 Stunden.

Vor einigen Wochen brachten Protestierende ihren Hass gegen Rassist*innen und gegen das Erbe der Sklaverei zum Ausdruck: Im Zuge der Mobilisierungswelle gegen den Mord an George Floyd in den Vereinigten Staaten entfernten antirassistische Demonstrant*innen die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston in der britischen Stadt Bristol und warfen sie in das Becken eines nahe gelegenen Hafens.

Tatsächlich wurde diese Statue 1895 in der Stadt errichtet, um diesen Sklaventreiber aus dem 17. Jahrhundert zu ehren, der als der „Gründer“ von Bristol gilt. In den Kolumnen der New York Times vom vergangenen Juni hieß es: „Bristol ist im Grunde genommen die Stadt, die Edward Colston gebaut hat. Der Sturz seiner Statue hat eine schmerzliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit wieder aufgenommen, die diese Hafenstadt mit 460.000 Einwohnern lange Zeit gespalten und ihre Widersprüche aufgedeckt hat. Sie ist multikulturell, aber segregiert, festlich, aber Schüben der Revolte unterworfen, liberal, aber durch die Profite der Sklaverei bereichert“.

Gegen dieses reaktionäre Denkmal, das zum Ruhm jener errichtet wurde, die ihr persönliches Vermögen gemacht haben und die durch die Ausbeutung von Millionen versklavter Menschen den Grundstein des Kapitalismus gelegt haben, richtete sich die Aktion der Demonstrant*innen. All dies in einem Kontext der weltweiten Infragestellung des strukturellen Rassismus im kapitalistischen System.

In diesem Sinne haben antirassistische Aktivist*innen am vergangenen Mittwoch ebenfalls beschlossen, die Statue des Sklaventreibers Colston durch die Statue von Jen Reid, einer nordamerikanischen Aktivistin von Black Lives Matter, zu ersetzen. Die Statue wurde von dem britischen Künstler Marc Quinn geschaffen, der hoffte, dass sein Werk dazu dienen würde, eine Debatte darüber zu eröffnen, wie man „Menschen durch Statuen gedenkt“.

Aber es nützte nichts. Die Stadtverwaltung beschloss, die Statue in weniger als 24 Stunden zu entfernen. „Ich verstehe, dass die Menschen ihre Stimme erheben wollen, aber die Statue wurde ohne Erlaubnis aufgestellt“, sagte der Bürgermeister von Bristol, Marvin Rees, der selbst Sohn eines jamaikanischen Vaters ist.

Die Kapitalist*innen können es nicht ertragen, wenn die Erinnerung an ihre „großen Männer“ von der Arbeiter*innenklasse in Frage gestellt wird, vor allem, wenn dies zu einer allgemeinen Infragestellung ihrer Herrschaft werden kann. So hat die Statue des Sklavenhändlers Colston es vermocht, 125 Jahre stehen zu bleiben – und die einer antirassistischen Aktivistin weniger als 24 Stunden.

Wie wir in Frankreich gesehen haben, wo Macron sich klar gegen die „Zerstörung der Statuen“ positionierte, ist der Kampf für die Erinnerung, für die Geschichte – für unsere Geschichte – auch ein Terrain des Klassenkampfs. Und in der Mobilisierung, im Kampf gegen den Kapitalismus, werden Arbeiter*innen, die Volksmassen und alle Unterdrückten in der Lage sein, ihr Andenken zu bewahren und die Wahrheit über die Unterdrücker*innen und Ausbeuter*innen ans Licht zu bringen, die die Kapitalist*innen als Held*innen feiern.

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