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Beschäftigte rüsten sich gegen soziale Kaltfront bei Zalando

Beim Online-Modehändler Zalando sind heute die über eintausend Beschäftigte am Standort Brieselang zum Streik aufgerufen. Bereits im Juni haben die Kolleg*innen ihre Arbeit niedergelegt. Sie fordern bessere Bezahlung und tarifliche Bedingungen auf dem Niveau des Einzel- und Versandhandels.

Beschäftigte rüsten sich gegen soziale Kaltfront bei Zalando

Mit coolen Styles gegen die Kalt­front wirbt Zalan­do dieser Tage auf ihrer Home­page für ihre Herb­st­mode. Doch während sich die Kund*innen für diese Kalt­front rel­a­tiv prob­lem­los rüsten kön­nen, kämpfen die Kolleg*innen gegen die soziale Kalt­front des Online-Unternehmens. Stre­it­punkt ist die Tar­i­fan­gle­ichung an den Einzel- und Ver­sand­han­del. Zalan­do ver­langt als Vorbe­din­gun­gen für weit­ere Ver­hand­lun­gen, dass ver.di die Forderung aufgibt.

In ein­er Pressemit­teilung erk­lärte ver.di:

So bot die Arbeit­ge­ber­seite am Ver­hand­lungstag nichts Neues, son­dern behar­rte auf Ver­schlechterun­gen bei der Arbeit­szeit ohne auch nur eine Andeu­tung von Verbesserun­gen bei den Einkom­men der Beschäftigten anzu­bi­eten. Einen neuen Ver­hand­lung­ster­min gibt es derzeit nicht.

Zum konkreten Ange­bot des Arbeit­ge­bers heißt es:

Die Arbeit­ge­ber­seite bietet bish­er lediglich die Beibehal­tung des aktuellen Niveaus bei Vergü­tun­gen, Arbeit­szeit­en, Urlaub, Urlaubs- und Wei­h­nachts­geld sowie Zuschlä­gen an. Das sind Stun­den­löhne in Höhe von 10,12 € bzw. 1.754 € monatlich, eine 40-Stun­den-Woche, Urlaubs- und Wei­h­nachts­geld, Urlaub sowie Zuschläge weit weg vom branchenüblichen Niveau. Stattdessen fordert Zalan­do eine extreme Flex­i­bil­isierung der Arbeit­szeit­en mith­il­fe eines Arbeit­szeitkon­tos mit ±120 Stun­den und jährlich bis zu 96 Stun­den verpflich­t­ende Mehrar­beit. Auch bei der Forderung nach mit­tel­fristiger Stan­dort­sicherung hat Zalan­do bish­er lediglich einen Zeitraum bis zum Jahre 2019 ange­boten.

Die Ungle­ich­be­hand­lung der Kolleg*innen im Ver­gle­ich zum Einzel- und Ver­sand­han­del ist abso­lut unangemessen. Für Zalan­do bietet sie aber einen gün­sti­gen Wet­tbe­werb­svorteil gegenüber Einzel­han­del­sun­ternehmen wie Otto oder H & M. Darüber hin­aus sind rund ein Drit­tel der Beschäftigten am Stan­dort Briese­lang befris­tet oder dauer­haft in Lei­har­beit beschäftigt. Ganz nach dem Vor­bild des größeren Nach­barn Ama­zon, dessen Werk in Briese­lang direkt gegenüber von Zalan­do ste­ht. Auch die Kolleg*innen bei Ama­zon kämpfen seit Jahren für eine tar­i­fliche Angle­ichung an den Einzel- und Ver­sand­han­del und haben dort schon wichtige Teil­er­folge erzielt. Erst am Mon­tag wur­den wieder sechs Stan­dorte bestreikt. Lei­der ist aus­gerech­net das Ama­zon-Werk in Briese­lang das einzige, wo es noch keine Streiks gibt.

Auch ins­ge­samt sind die Bedin­gun­gen im Einzel­han­del in Berlin und Bran­den­burg schlecht. Im Juli hat­te ver.di tausende Beschäftigte des Einzel­han­dels zum Streik aufgerufen. Auch dort forderte die Gew­erkschaft eine Anhebung der Löhne um bis zu sechs Prozent. Für den Erfolg bei­der Kämpfe wäre es notwendig, die Streiks zusam­men­zuführen und poli­tisch gegen Befris­tung und Lei­har­beit auszuweit­en. Denn es sind keine Phänomene, die auf Zalan­do oder Ama­zon beschränkt sind, son­dern in Deutsch­land in den let­zten Jahren flächen­deck­end durch die Decke geschossen sind.

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