Unsere Klasse

“Alle Kopierer stehen still” – Streiks der studentischen Beschäftigten gehen weiter

Am Mittwoch haben fast 200 studentische Beschäftigte durch die Freie Universität demonstriert. Es war ihr achter Warnstreiktag im Kampf für einen neuen Tarifvertrag (TVStud).

“Alle Kopier­er ste­hen still, wenn dein stark­er Arm es will.” Eine leichte Abwand­lung eines ural­ten Liedes der deutschen Arbeiter*innenbewegung stand auf einem Trans­par­ent vor der Freien Uni­ver­sität Berlin. Die stu­den­tis­chen Beschäftigten waren erneut im Streik – sie arbeit­en an den Berlin­er Hochschulen in den Bib­lio­theken, in der Forschung und Lehre und in der Ver­wal­tung. Nicht nur die Kopier­er hän­gen von ihnen ab. Ihr Mot­to lautet: “Ohne uns läuft hier nix!”

“Der FU-Präsi­dent Peter-André Alt hat gestern bei einem Protest gesagt, dass wir ganz vernün­ftig bezahlt wer­den”, sagte Lucas Laier in ein­er Rede. Die Forderung wird seit Jahren erhoben – schließlich haben die stu­den­tis­chen Beschäftigten seit 2001 keine Lohn­er­höhung bekom­men. In den Ver­hand­lun­gen mit den Hochschulen block­iert die FU am stärk­sten. “Wir wer­den nicht gehört”, so Laier. Deswe­gen demon­stri­erten die Streik­enden hin zum Hen­ry-Ford-Bau, wo ger­ade der Erweit­erte Akademis­che Sen­at der FU tagte.

Ronald Tamm vom Botanis­chen Garten sagte: “Seit dem 1. Jan­u­ar bin ich auch Beschäftigter der FU Berlin.” Früher hat er bei ein­er Tochter­fir­ma gear­beit­et, die die FU extra gegrün­det hat­te, um die Löhne zu drück­en. Nach einem jahre­lan­gen Arbeit­skampf haben die “Harten vom Garten” ihre Wiedere­ingliederung erkämpft. “Hal­tet durch, und ihr werdet euer Ziel erre­ichen”, so Tamm.

Am Don­ner­stag und Fre­itag wer­den weit­ere Warn­streiks stat­tfind­en. Am 16. Jan­u­ar war der erste Warn­streik, der Arbeit­skampf läuft also seit fast genau einem Monat. In der ganzen Zeit haben die Hochschulen kein besseres Ange­bot vorgelegt. Hov­hannes Geworkian erin­nerte daran, dass die Kam­pagne bis zu 1.500 Men­schen mobil­isiert hat. “Wir wer­den weit­er streiken!”, rief er.

Im Akademis­chen Sen­at woll­ten sich ger­ade Bewerber*innen für die Präsi­dentschaft der Freien Uni­ver­sität vorstellen. Die stu­den­tis­chen Beschäftigten woll­ten in diese öffentliche Sitzung hinein, aber wur­den zuerst durch bewaffnete Polizist*innen aufge­hal­ten.

In der Sitzung sprachen sich Vertreter*innen der Studieren­den sowie des Gesamt­per­son­al­rats für eine Lohn­er­höhung für die stu­den­tis­chen Beschäftigten aus. Aber von den Ver­ant­wor­lichen gab es nur leere Floskel. Peter-André Alt wün­schte sich eine “gütliche Lösung” in den näch­sten Wochen, von den Professor*innen kamen Phrasen über “Wertschätzung”, aber nichts über finanzielle Wertschätzung. Kan­z­lerin Andrea Bör meinte ein­er­seits, dass ein neues Ange­bot mit den anderen Hochschulen abges­timmt sei – und gle­ichzeit­ig, dass dieses Ange­bot erst über­mit­telt wird, wenn die Gew­erkschaften an den Ver­hand­lungstisch zurück­kehren.

“Wir wer­den so lange weit­er­streiken, bis es ein ver­han­del­bares Ange­bot gibt”, erk­lärte Sophie Obinger. Ihre Kolleg*innen applaudieren.

Klein­er Nach­trag:

Eine Vertreterin des AStA fragte in der Sitzung, weshalb das Haupt­ge­bäude nach einem glühen­den Anti­semiten Hen­ry Ford benan­nt sei. Der AStA hat­te bere­its 2007 eine Namen­sän­derung angeregt, aber mehr als zehn Jahre später prangert der Name des Hitler-Bewun­der­ers und Juden*Jüdinnen-Hassers weit­er auf der größten Uni­ver­sität in der deutschen Haupt­stadt. Auch hierzu gab es nur leere Floskeln: Man müsse “Men­schen ander­er Mei­n­ung tolerieren” (!), sich “Gedanken darüber machen”, “eine Diskus­sion führen” und “genau prüfen”. Die Umbe­nen­nung sollte nur im “äußer­sten Fall” in Frage kom­men. Vor eini­gen Jahren hat­te die FU-Leitung behaupten, das Gebäude sei in Wirk­lichkeit nicht nach Hen­ry Ford, son­dern nach seinem gle­ich­nami­gen Sohn benan­nt. Darauf gibt es keine Hin­weise in den Archiv­en.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.