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Air Berlin: Millionen für den Boss, Kündigungen für tausende Beschäftigte

Die Pleite von Air Berlin trifft tausende Kolleg*innen sehr hart. Pilot*innen, Kabinen- und Bodenpersonal haben ihrem Wut Ausdruck verliehen. Nun muss es darum gehen, einen Kampfplan zur Erhaltung aller Arbeitsplätze aufzustellen.

Air Berlin: Millionen für den Boss, Kündigungen für tausende Beschäftigte

Mit einem „Wasser­salut“ wurde die let­zte Air-Berlin-Mas­chine am 27. Okto­ber in Berlin-Tegel begrüßt. Kaufen kön­nen sich die tausenden Kolleg*innen davon nichts. Nur 4.000 Beschäftigte sollen von den neuen Eigentümer*innen Eurow­ings und Easy­Jet über­nom­men wer­den, „lei­der zu unsäglich schlechteren Kon­di­tio­nen“, wie ein Pilot auf seinem let­zten Flug in ein­er beein­druck­enden Rede beklagte.

Den restlichen 4.000 dro­ht die Kündi­gung. In einem anony­men Schreiben haben Beschäftigte der Lufthansatochter Eurow­ings die arbeitssuchen­den Beschäftigten von Air Berlin vor ihren Jobs gewarnt. Lohn­dump­ing, Tar­if­flucht, mieser Kündi­gungss­chutz sind All­t­ag bei Eurow­ings – und wohl auch bei vie­len anderen Fluglin­ien. Egal, wie die Lösung der Kapitalist*innen nun konkret ausse­hen wird: Am Ende wer­den die Beschäftigten unter der Konkur­renz zu lei­den haben.

Eine Transfergesellschaft ist keine Lösung

Der Berlin­er Sen­at hat sich mit Air Berlin auf die Grün­dung ein­er Trans­fer­ge­sellschaft für 1.128 Beschäftigte in der Haupt­stadt geeinigt. Diese Gesellschaft ist auf sechs Monate angelegt und soll den Kolleg*innen zur Über­brück­ung dienen, bis sie neue Jobs gefun­den haben. Sie ver­di­enen dort unge­fähr ein Drit­tel weniger als an ihren bish­eri­gen Arbeit­splätzen.

Die Gew­erkschaft ver.di hat­te zuvor auch mit dem Bund, Nor­drhein-West­falen und Bay­ern über die Errich­tung solch­er Trans­fer­ge­sellschaften ver­han­delt. Let­ztlich erfol­g­los. Die Berlin­er Lösung mag für viele Beschäftigte immer noch das kleinere Übel sein. Immer­hin kam die Ankündi­gung der Insol­venz denkbar kurzfristig, als dass Kolleg*innen genug Zeit hat­ten, sich um einen neuen Job zu küm­mern. Doch die Hoff­nung, durch eine solche Gesellschaft durch Weit­erqual­i­fizierung an bess­er bezahlte Jobs zu kom­men, sind angesichts der Konkur­renz unter den Air­lines wohl kaum real­is­tisch.

Konz­erne wie die Lufthansa kön­nen durch Out­sourc­ing, Lohn­dump­ing und Tar­if­flucht auf dem Rück­en der Beschäftigten Mil­liar­dengewinne ein­fahren und sich so am Markt behaupteten. Dass die Bun­desregierung und auch die Lan­desregierung von Nor­drhein-West­falen nicht ein­mal bere­it waren, solche Trans­fer­ge­sellschaften zu finanzieren, ist ein klein­er Vorgeschmack auf die kom­mende Jamai­ka-Koali­tion. Denn in NRW regieren seit Juni CDU und FDP. Ger­ade die FDP hat bei der Ent­las­sung von 11.000 Schleckerbeschäftigten vor fünf Jahren ihre Arbeiter*innenfeindlichkeit präsen­tiert. Diese Poli­tik führen sie kon­se­quent bei Air Berlin fort.

Auch die Führung der zuständi­gen Gew­erkschaft, ver.di, hat wie schon bei der Insol­venz von Ten­gel­mann lieber hin­ter ver­schlosse­nen Türen mit den Bossen ver­han­delt, als die Kolleg*innen gegen der Ver­lust ihrer Arbeit­splätze zu mobil­isieren. Mit dieser Strate­gie der Sozial­part­ner­part­ner­schaft sind sie nun erneut gescheit­ert. Und das, obwohl die Beschäftigten selb­st in den let­zten Monat­en immer wieder durch spon­tane Aktio­nen und Kundge­bun­gen auf ihre Mis­ere aufmerk­sam gemacht hat­ten.

Kampf der Kolleg*innen

Seit der Verkün­dung der Insol­venz im Juli haben die Kolleg*innen von Air Berlin gegen den Ver­lust ihrer Arbeit­splätze gekämpft. In einem „wilden Streik“ melde­ten sich über hun­dert Beschäftigte auf ein­mal krank. Im Sep­tem­ber demon­stri­erten rund 200 Men­schen ihre Sol­i­dar­ität mit den Kolleg*innen. Beson­ders die spon­ta­nen Krankmel­dun­gen waren ein stark­er Aus­druck der Wut der Beschäftigten auf ihre Bosse.

Doch anstatt den Druck auf Air Berlin und die neuen Eigentümer*innen durch Streiks an Flughäfen zu erhöhen, hat die Gew­erkschafts­führung den Kampf um die Arbeit­splätze gar nicht erst aufgenom­men.

Gegen diese Poli­tik müssen die Beschäftigten aller Air­lines einen Kampf­plan auf­stellen. Schleck­er, Ten­gel­mann und jet­zt Air Berlin – all diese Beispiele zeigen, dass Bosse bere­it sind, die Exis­tenz von tausenden Kolleg*innen aufs Spiel zu set­zen, um ihre eige­nen Prof­ite zu ret­ten. Deshalb braucht es Mobil­isierung und Streiks von Kolleg*innen aller Air­lines gegen die fak­tis­che Massent­las­sung bei Air Berlin.

Das geht nicht in Ver­hand­lun­gen mit den Bossen, son­dern nur gegen sie – durch Selb­stor­gan­isierung an der Basis und massen­hafte Streiks. Wir fordern ein Ver­bot von Ent­las­sun­gen sowie die Ver­staatlichung aller Air­lines unter Arbeiter*innenkontrolle. Denn unter der Insol­venz lei­den wed­er der Air-Berlin-Chef Thomas Winkel­mann, der jährlich über eine Mil­lio­nen Euro bis 2021 kassiert, noch die Gew­erkschafts­bonzen um Bsirske und Co., die mehr am Tropf des deutschen Kap­i­tals hän­gen, als vom Erfolg dieses Kampfes der Beschäftigten abhängig sind.

In dem Sinne zitieren wir gerne noch ein­mal die Worte des Air-Berlin-Piloten auf seinem let­zten Flug.

Aber sich­er ist: Diese starke Truppe lässt sich nicht von gieri­gen Man­agern, ren­ditesüchti­gen Aktionären und blind­en Poli­tik­ern unterkriegen.

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