Brot und Rosen

8. März: „Frauenkampf heißt Arbeitskampf“

Bei der Kundgebung "Wir kriegen die Krise" am 8. März in Berlin waren die Stimmen von Arbeiterinnen im Gesundheitssystem nicht zu überhören. Wir haben Lea vom "Walk of Care" und Simone von "Freie Träger, faire Löhne" interviewt.

8. März:
Die Walk of Care Band am 8. März in Berlin. Foto: copyright Philippe Pernot

Arbeiter:innen im Gesundheitssektor stehen an vorderster Front gegen die Gesundheits- und Wirtschaftskrise in der Corona-Pandemie. Deshalb waren sie auch die Protagonist:innen des Frauenkampftages in Berlin.

Simone von der Initiative „Freie Träger, faire Löhne“ machte klar, warum: „In der Coronakrise wurde festgestellt: Ganz viele Berufe sind systemrelevant. Aber das sieht man auf dem Gehaltszettel nicht.“

Die Initiative ist ein Zusammenschluss von Beschäftigten, die bei freien Trägern im sozialen Bereich arbeiten. Sie fordern eine Bezahlung nach dem Tarifvertrag der Länder wie ihre Kolleg:innen im öffentlichen Bereich. Doch aktuell haben viele freie Träger entweder gar keinen Tarifvertrag oder nur schlechtere Haustarifverträge.

Wie es dazu kam, erklärt Simone im Interview: „In den 90er Jahren wurde ganz viel outgesourct und viele freie Träger gegründet, egal ob in Pflege, Kindererziehung, Jugendclubs, alles was im Care-Bereich liegt, und diese Bereiche wurden kaputt gespart.“ Das führt dazu, dass „Wenn du im freien Trägerbereich arbeitest, verdienst du heute mehr als 500€ weniger als im öffentlichen Bereich, obwohl du die gleiche Arbeit machst.“

Deshalb ist die Losung ganz klar: „Frauenkampf heißt Arbeitskampf. Wir kämpfen um die Anerkennung unserer Arbeit“.

Lea von der Initiative „Walk of Care“ erklärt den Zusammenhang zwischen feministischen Forderungen und dem Kampf für ein menschenwürdiges Gesundheitssystem ganz einfach: „Wir sind in den Pflegeberufen überwiegend Frauen.“

„Walk of Care“ ist eine Bewegung von Pflegenden und weiteren Arbeiter:innen im Gesundheitsbereich. Wie Lea sagt: „Wir machen fünf konkrete Forderungen laut, mit denen wir aktuell jede Woche auf die Straße gehen“, und zwar schon seit September 2020 mit wöchentlichen Kundgebungen vor dem Bundesministerium für Gesundheit in Berlin.

Die fünf Forderungen von „Walk of Care“ sind: mehr Personal durch eine gesetzliche Personalbemessung, eine bessere Ausbildung, kontinuierliche Fort- und Weiterbildung
gerechte Finanzierung, sowie mehr politisches Mitspracherecht.

Denn die Probleme in der Pflege sind politisch gemacht: „In den letzten 20 Jahren sind viele Pflegende entlassen worden, weshalb wir jetzt viele Probleme haben.“

Dagegen will sich „Walk of Care“ organisieren. Wie Lea sagt: „Wir wollen die Pflegenden mit Selbstbewusstsein füttern.“

Als Brot und Rosen und Klasse Gegen Klasse fordern wir die Verstaatlichung des gesamten Gesundheitssektors unter Kontrolle der Beschäftigten, wie wir auch in unserer Rede zum 8. März betont haben. Simones Meinung können wir nur teilen: „Frauenkampf heißt Arbeitskampf!“

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