Jugend

3 Jugendliche aus Nürnberg seit G7 in Haft: “Kein Kontakt zu unseren Kindern!”

Sie wollten zum Urlaub ins Baskenland, jetzt sitzen sie im Gefängnis. Drei Jugendliche aus Nürnberg, zwischen 18 und 22 Jahre alt, wurden im Rahmen der für den G7-Gipfel in Frankreich eingeleiteten repressiven Maßnahmen verhaftet und befinden sich nun seit fast zwei Wochen in Haft. Ihre Eltern sind schockiert und schrieben einen offenen Brief, den wir hier spiegeln. Wir fordern die sofortige Freilassung und erklären uns solidarisch gegen die Willkür und die Repression des G7-Regimes!

3 Jugendliche aus Nürnberg seit G7 in Haft:

Sehr geehrte Damen und Her­ren,

wir wen­den uns in unser­er Verzwei­flung an Sie, da unsere Kinder unter rechtsstaatlich frag­würdi­gen Umstän­den in Frankre­ich ver­schwun­den sind.

Unsere Kinder sind am Mittwoch, den 21.8.2019 auf dem Weg ins nordspanis­che Basken­land ver­schwun­den. Ins­ge­samt waren etwa 10 Per­so­n­en zu einem gemein­samen Campin­gurlaub dort unter­wegs. Am 23.8. hat uns eine Per­son aus der Reiseg­ruppe aus dem Zielort in Nordspanien kon­tak­tiert, dass ein Fahrzeug mit unseren Söh­nen an Bord nicht am Zielort angekom­men sei. Zuerst war die Befürch­tung, dass es sich um einen Verkehrsun­fall han­deln kön­nte. Jedoch kam eine andere uner­wartete Schreck­en­snachricht: die 3 Per­so­n­en wur­den an ein­er Auto­bahnkon­troll­stelle nach Biar­ritz festgenom­men. Die Polizeiak­tion fand im Zuge der Sicher­heit­sar­chitek­tur des nahen­den G7 in Biar­ritz statt.

Seit dem Vor­fall sind nun 12 Tage ver­gan­gen – und wir als Eltern haben bis­lang kaum offizielle Infor­ma­tio­nen.

Ver­schiedene Medi­en (zuerst die Welt, dann Süd­deutsche, Spiegel online etc.) berichteten von dem Vor­gang – inklu­sive Schilderung, dass Waf­fen (Pfef­fer­spray oder Trä­nen­gas – je nach poli­tis­ch­er Zuord­nung) und linksradikale Lit­er­atur aufge­fun­den wurde; das reicht offen­sichtlich in Frankre­ich, um den Vor­wurf eines „spon­ta­nen Zusam­men­schlusses ein­er Gruppe zur Vor­bere­itung von Gewalt­tat­en“ zu kreieren und die drei daraufhin zu verurteilen. Fraglich ist, was genau zu dieser Verurteilung zu 2 und 3 Monat­en Haft führte, wenn es sich im Gepäck um kein­er­lei Waf­fen han­delte, von der Anklage des Waf­fenbe­sitzes wur­den sie näm­lich freige­sprochen. Bis­lang haben wir trotz mas­siv­er Inter­ven­tion keinen Zugang zu den Verurteil­ten. Es wurde kein Wahlvertei­di­ger bis­lang zuge­lassen, son­dern auss­chließlich Pflichtvertei­di­ger. Einen Tag nach der Verurteilung wur­den die drei (18–22-jährige junge Män­ner) auf drei unter­schiedliche Gefäng­nisse verteilt. Eines der Gefäng­nisse hat laut Medi­en­bericht­en katas­trophale Bedin­gun­gen für die Häftlinge und ist kom­plett über­belegt.

In eher linken Medi­en (u.a. Radio Dreyeck­sland) wurde die These aufgestellt, dass die drei jun­gen Män­ner auf ein­er „Liste“ des BKA standen und diese an die franzö­sis­che Polizei weit­ergegeben wurde. Darauf basierend wurde zuge­grif­f­en. Wir haben für diese These bis­lang keine Belege, es passt jedoch ins Bild, dass keine offizielle Stel­lung­nahme von nie­man­den zu haben ist. Der Redak­teur von Radio Dreyeck­sland war auch auf ein­er solchen Liste und ist des Lan­des ver­wiesen wor­den.

Die Deutsche Botschaft wiegelte anfangs ab, indem sie uns sagte, es gäbe keine Infor­ma­tion bzw. die Inhaftierten wün­scht­en keinen Kon­takt, was aber über­haupt nicht belegt wurde. Es sollte doch zur Pflicht der Aus­landsvertre­tung gehören, diese Behaup­tung selb­st zu prüfen durch ein Tele­fonat mit den Inhaftierten. Mit­tler­weile wurde auch von Botschafts­seite ver­sucht, Kon­takt herzustellen, bish­er ohne Erfolg. Auf eine Anfrage der Bun­destagsab­ge­ord­neten Sevim Dağde­len ver­sicherte das Auswär­tige Amt, Kon­takt zu den Inhaftierten herzustellen, was aber schein­bar nur über den Post­weg möglich ist und deshalb bis zu drei Wochen dauern kann. Kein­er der drei spricht franzö­sisch und kein­er hat momen­tan einen Rechts­bei­s­tand. In einem Presseartikel war sog­ar die Rede davon, dass Polizist*innen als Dolmetscher*innen ver­wen­det wur­den. Die Inhaftierten durften bish­er höchst­wahrschein­lich auch nicht tele­fonieren, da kein­er von uns einen Anruf von ihnen bekam. Allein von dem 18-jähri­gen haben uns Briefe erre­icht.

Die Frist zum Wider­spruch gegen dieses absurde Urteil läuft am Mon­tag, den 2.9.19 ab und wir haben keine Möglichkeit, unseren Kindern einen Rechts­bei­s­tand zur Seite zu stellen, da es kein­er­lei Kon­takt gibt und die franzö­sis­chen Behör­den nicht kooperieren.

Bitte helfen Sie uns Ange­höri­gen der drei Ver­schwun­de­nen.

Christa und Michael Münt­nich, Diana und Alexan­der Kurtz, Ange­li­ka Kro­n­awit­ter und Christof Med­er

 

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