Jugend

1. Mai: Leere Tradition oder Kampftag der Arbeiter*innen?

In diesem Jahr wird zum 131. Mal auf der ganzen Welt der 1. Mai „gefeiert“. Die Notwendigkeit der Anführungszeichen liegt in der Entstehung des 1.Mai, der kein Feier-, sondern ein Kampftag ist.

1. Mai: Leere Tradition oder Kampftag der Arbeiter*innen?

Die Geschichte des 1. Mais geht bis ins Jahr 1856 zurück, als die australische Arbeiter*innenbewegung mit einer Massendemonstration den Acht-Stunden-Arbeitstag forderte. 30 Jahre später, am 1. Mai 1886, rief dann die nordamerikanische Arbeiter*innenbewegung zum Generalstreik auf, um ebenfalls für den Acht-Stunden-Tag zu protestieren. Der Streik in der Industriestadt Chicago wurde jedoch von der Polizei blutig niedergeschlagen. Auf dem Gründungskongress 1889 der Zweiten Internationale, einem Bund von sozialistischen Parteien, wurde dann der 1. Mai in Gedenken an die Opfer von Chicago zum Kampftag der internationalen Arbeiter*innenbewegung ausgerufen. Bereits ein Jahr später gingen rund um die ganze Welt Gewerkschaften auf die Straße, um für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Eine zentrale Losung blieb der Acht-Stunden-Tag: acht Stunden arbeiten, acht Stunden schlafen und acht Stunden Freizeit und Erholung.

Doch was hat dieser heroische Kampf der Arbeiter*innen im 19. Jahrhundert mit den aktuellen Veranstaltungen am 1. Mai in Berlin zu tun? Vielmehr hat dieser Tag mit seinen zahlreichen Straßenfesten einen Partycharakter. Mit dem MyFest und zahlreichen Festivals wollen das politische Establishment, die Polizei und die kleinbürgerlichen Partyorganisator*innen den 1. Mai entpolitisieren und des kämpferischen und proletarischen Charakters berauben. Auch ganz konkret wird das MyFest dazu benutzt, das Demonstrationsrecht im linken Stadtteil Kreuzberg einzuschränken.

Was ist aus der Tradition geworden?

Nun könnte man glauben, dass den Anführer*innen der Arbeiter*innenklasse heute etwas daran gelegen sei, diesen Angriffen auf den 1. Mai eine politische Antwort zu geben. Falsch gedacht! Im Gegenteil organisieren die Gewerkschaftsführungen, zum großen Teil mit einem Parteibuch der SPD ausgestattet, seit Jahrzehnten eine relativ kleine Demonstration am Morgen, zu der sie nur einen geringen Teil ihrer Basis mobilisieren und die komplett von den aktuellen Kämpfen und Forderungen der Arbeiter*innen losgelöst ist. Danach genießen traditionell Tausende bei Bier und Wurst den Feiertag, während die Gewerkschaftsbürokrat*innen ihre sozialpartnerschaftlichen Reden halten. Damit leisten auch die aktuellen Gewerkschaftsführungen ihren Beitrag zur Entpolitisierung des 1. Mai.

Und wie sieht es mit der Revolutionären 1. Mai-Demonstration aus, die seit 1987 jedes Jahr Abends in Kreuzberg stattfindet? Sie wird von einem Bündnis aus zahlreichen linken Organisationen organisiert und propagiert seit Jahren immer wieder die Forderung der „sozialen Revolution weltweit“. In diesem Jahr richtet sich der Aufruf gegen die Festung Europa, die fremdenfeindliche AfD und die Mitschuld des Kapitals an ihrem Aufstieg und die Immobilienspekulation, die auch linke Räume bedroht. Doch anstelle sich der Entpolitisierung von Senat, Polizei und Gewerkschaftsbürokratie konsequent entgegenzustellen, wird eine eigene, kämpferische „Folklore“ erschaffen, die von den aktuellen Kämpfen der Arbeiter*innen und Jugendlichen losgelöst ist. Anstatt sich an die arbeitende Mehrheit der Stadt zu richten, bleibt sie in den „linken Kiezen“.

Unsere Perspektive

Wir von der Revolutionär-kommunistischen Jugend (RKJ) beteiligen uns sowohl an der Demonstration des DGB als auch an der Revolutionären 1.Mai-Demonstration. Auf beiden verfolgen wir die gleichen Ziele: Wir sagen klar und deutlich, dass eine antirassistische Jugendbewegung gegen Abschiebungen, Krieg und den EU-Türkei-Deal ihre Forderungen nur gegen die Regierung und die fremdenfeindliche Rechte auf der Straße durchsetzen kann, wenn sie die Verbindung mit der Arbeiter*innenklasse sucht.

Diese hat die Macht durch Streiks und Besetzungen die gesamte Wirtschaft lahmzulegen, um der Ausbeutung und Unterdrückung ein Ende zu setzen und die Gesellschaft auf einer sozialistischen Grundlage zu organisieren. Doch die bürokratischen Führungen bremsen den Kampf und hindern die Zusammenführung. Deshalb gehen wir sowohl am 27. April als auch am 1. Mai auf die Straße: Nicht um an öden oder folkloristischen Demos teilzunehmen, sondern um an den historischen Kampf der Arbeiter*innen um ihre Befreiung zu erinnern. Das geht nur, indem wir uns heute an die Seite der Kämpfe derselben Klasse stellen, wie sie im Botanischen Garten, bei den angestellten Lehrer*innen, bei Real, Amazon und an den Berliner Krankenhäusern stattfinden.

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