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Revolutionäre Plattform in der NPA gebildet

Revolutionäre Plattform in der NPA gebildet

Manuel Geor­get und Vin­cent Duse sind zwei der wichtig­sten Arbeit­er­vertreter der Plat­tform 4. Geor­get ist Gen­er­alsekretär der Gew­erkschaft CGT EGP Dreux und Delegiert­er [Ver­trauensmann] in der Philips-Fernse­hfab­rik in Dreux. Die Fab­rik ist vor Kurzem geschlossen wor­den, nach Jahren des Kampfs gegen Ent­las­sun­gen und Stan­dortver­lagerung, die in ein­er kurzen Erfahrung der Pro­duk­tion unter Arbei­t­erIn­nenkon­trolle im let­zten Jan­u­ar gipfel­ten. Geor­get war fast 30 Jahre lang Mit­glied der Ligue Com­mu­niste Révo­lu­tion­naire (LCR), der Vor­läufer­or­gan­i­sa­tion der NPA. Er führte die Kan­di­datIn­nen­liste der NPA im Departe­ment Eure-et-Loir bei den let­zten Region­al­wahlen an und ist ein Mit­glied der Koor­dinierung des Kollek­tivs für eine Rev­o­lu­tionäre Ten­denz (CTR). Duse ist Arbeit­er in der Peu­geot-Fab­rik in Mul­house, wo mehr als 10.000 Arbei­t­erIn­nen angestellt sind, und seit 10 Jahren Gen­er­alsekretär der CGT in der Fab­rik. Er ist ein Mit­glied des Nationalen Poli­tis­chen Komi­tees der NPA und der Koor­dinierung des CTR.

Im Feb­ru­ar wird die NPA ihren zweit­en Kongress abhal­ten, den ersten seit dem Grün­dungskongress. Unter den Ten­den­zen, die alter­na­tive Posi­tio­nen und Doku­mente für den Kongress vor­legen, ist die Plat­tform 4, die durch das CTR ins Leben gerufen wurde, und in der GenossIn­nen der FT-CI Mit­glied sind. Die Plat­tform 4 wurde ursprünglich von der Mehrheit des Nationalen Poli­tis­chen Komi­tees (CPN) mit der Begrün­dung abgewiesen, dass sie gegen die Grün­dung­sprinzip­i­en der Partei ver­stoßen würde. Nach ein­er demokratis­chen Kam­pagne und Sol­i­dar­itäts­bekun­dun­gen von AktivistIn­nen und Führungsmit­gliedern, die diesen Angriff auf grundle­gende demokratis­che Rechte ablehn­ten, und mit der Wende der poli­tis­chen Sit­u­a­tion, die durch die starke Massen­be­we­gung auf den Straßen Frankre­ichs her­beige­führt wurde, wurde die Plat­tform allerd­ings von der let­zten Sitzung des CPN akzep­tiert. Dies ist ein demokratis­ch­er und poli­tis­ch­er Sieg für Rev­o­lu­tionärIn­nen.

Pierre-François Grond von der Nationalen Exeku­tive der NPA sagte der Nachricht­e­na­gen­tur AFP im Anschluss an die CPN-Sitzung: “Eine vierte Ten­denz ist auch um einen Arbeit­er von Peu­geot Mul­house gebildet wor­den, um die NPA als eine rev­o­lu­tionäre trotzk­istis­che Partei neu zu definieren”.

Ihr habt eine Plat­tform für den anste­hen­den NPA-Kongress aufgestellt. Wie wurde sie gebildet, und was ist der Unter­schied zwis­chen ihr und den anderen drei Plat­tfor­men?

Manuel Geor­get: Wir sind Mit­glieder der NPA aus ver­schiede­nen Back­grounds, und die meis­ten von uns unter­stützten die Plat­tform B in der nationalen Mit­glieder­be­fra­gung der Partei über die Region­al­wahlen. Sie war die einzige Plat­tform, die gegen Wahlbünd­nisse mit der Linken Front (Front de Gauche) war. Damals wurde uns klar, dass das Prob­lem über die Wahl­frage hin­aus­ging, dass es darum ging, was für eine Partei wir auf­bauen wollen. Angesichts des Scheit­erns der Diskus­sio­nen mit der Plat­tform B und ihrer Abnei­gung, im Kampf gegen das Pro­jekt ein­er „bre­it­en Partei“ bzw. für eine wirk­lich rev­o­lu­tionäre Partei bis zum Ende zu gehen, entsch­ieden wir uns dafür, uns für die Grün­dung ein­er rev­o­lu­tionären Ten­denz einzuset­zen, und mit der Vor­bere­itung eines alter­na­tiv­en Pro­gramms und ein­er alter­na­tiv­en Ori­en­tierung zu begin­nen (alter­na­tiv zur gegen­wär­ti­gen Führung und zu allen drei Plat­tfor­men, die sich während der Debat­te über die Region­al­wahlen gebildet hat­ten). Wir forderten dann alle GenossIn­nen, die eine rev­o­lu­tionäre NPA woll­ten, dazu auf, diesen Aufruf zu unter­stützen, damit wir vorankom­men und die rev­o­lu­tionäre Ten­denz poli­tis­che Wirk­lichkeit wer­den kann.

Es war notwendig, die Poli­tik der Führung und der recht­en Ele­mente in der NPA her­auszu­fordern, die die Partei in eine Sack­gasse führen. Es war notwendig, einen ide­ol­o­gis­chen und poli­tis­chen Kampf zu führen, damit die NPA eine rev­o­lu­tionäre Partei wird, eine Partei, die die Tra­di­tion der großen rev­o­lu­tionären marx­is­tis­chen DenkerIn­nen Marx, Engels, Rosa Lux­em­burg, Lenin und Trotz­ki aufn­immt, und ein echt­es Werkzeug in der Hand von bewussten Arbei­t­erIn­nen wird, um den Kap­i­tal­is­mus zu stürzen, den Staat zu zer­schla­gen und eine eigene Regierung zu bilden.

Vin­cent Duse: Ich war Teil der Gruppe von Mit­gliedern des CPN, die die Plat­tform B schufen. Nach ein­er Weile war ich von der Notwendigkeit überzeugt, eine rev­o­lu­tionäre marx­is­tis­che Ten­denz inner­halb der NPA aufzubauen, aber später begriff ich, dass die Führung der Plat­tform B nicht bere­it war, dies zu tun. Alles, was sie woll­ten, war die Bil­dung ein­er ‚neuen Mehrheit‘ durch einen Kom­pro­miss mit einem Teil der Führungsmehrheit. Dann entsch­ied ich mich zusam­men mit anderen GenossIn­nen aus dem Elsass dafür, die Plat­tform B zu ver­lassen und das CTR aufzubauen. Danach lernte ich die GenossIn­nen der FT-CI ken­nen, mit denen wir viele poli­tis­che Ansicht­en teilen. Sie sprachen mit mir über ihr Pro­jekt, eine Ten­denz mit den­jeni­gen aufzubauen, die bere­its in der Ten­denz CLAIRE waren, sowie mit anderen Arbei­t­erIn­nen und GenossIn­nen wie Manu, die sich diesem Pro­jekt verpflichteten.

Was uns von den restlichen NPA-Plat­tfor­men unter­schei­det, ist mein­er Mei­n­ung nach, dass wir die Einzi­gen sind, die offen für eine rev­o­lu­tionäre Arbei­t­erIn­nen­partei kämpfen und die Zwei­deutigkeit­en der NPA zurück­weisen. Deshalb müssen wir so viel Repres­sion durch die Führung ertra­gen, die kurz davor war, die Statute der Partei zu zer­reißen und unsere Plat­tform nicht zu bestäti­gen, wozu sie kein Recht hat, beson­ders weil ich Mit­glied der Führung war! Schließlich wurde sie gezwun­gen, unsere Plat­tform doch noch zu bestäti­gen, obwohl sie nicht aufge­hört hat, mit der Anklage, dass wir der Partei gegenüber feindlich sind eine dauer­hafte Kam­pagne gegen uns zu führen.

Wir haben die Ereignisse in Frankre­ich im let­zten Herb­st ver­fol­gt. Wie war Eure Beteili­gung, und welche Bilanz zieht Ihr aus der Bewe­gung?

Vin­cent Duse: Die erste Schlussfol­gerung beste­ht darin, dass – ganz unab­hängig vom unmit­tel­baren Ergeb­nis des Kon­flik­ts – die Arbei­t­erIn­nen­klasse ihr Haupt erhoben hat. Gegen das ganze Gerede von Sarkozy und den Bossen zeigten Sek­toren des Indus­triepro­le­tari­ats wie die Raf­finer­ie- und die Hafen-Arbei­t­erIn­nen, dass ohne sie das Land nicht funk­tion­ieren kon­nte. Und auch wenn die Regierung es schließlich dank der aktiv­en Mitar­beit der Gew­erkschafts­führun­gen schaffte, ihre Reform durchzubrin­gen, so kon­nte doch diese sehr wichtige Lehre nicht ein­fach weggewis­cht wer­den, die den Anfang ein­er Wieder­her­stel­lung des Ver­trauens der Arbei­t­erIn­nen­klasse in ihre eige­nen Kräften erlaubt. Diese Lehre wirkt weit­er, sog­ar im Fall von Arbei­t­erIn­nen, die nicht Teil des Streiks waren, wie die Autoar­bei­t­erIn­nen. Bei Peu­geot war es über­raschend, wie die Arbei­t­erIn­nen, die nicht streik­ten, sich freuten, als wir das ganze Werk zwei Stun­den lang block­ierten. In den Fab­riken gibt es eine neue Poli­tisierung und viel Unzufrieden­heit, vor allem unter jun­gen Leuten mit prekären Verträ­gen. Es ist eine Zeit­bombe, die früher oder später explodieren wird.

In dieser Sit­u­a­tion hätte eine lan­desweite Partei wie die NPA eine sehr wichtige Rolle spie­len kön­nen, wenn: 1) sie wirk­lich dort ver­ankert wäre, wo die Arbei­t­erIn­nen­klasse konzen­tri­ert ist; 2) sie ein klares Pro­gramm hätte, um die Frage des Gen­er­al­streiks und der poli­tis­chen Macht zu artikulieren; 3) sie die Selb­stor­gan­i­sa­tion auf allen Ebe­nen fördern würde, sei es in Streikkomi­tees oder in den „Inter­pro­fes­sionelles“ [betriebs- und branchenüber­greifende Ver­samm­lun­gen]. Alles in allem stärkt unsere Bilanz der Bewe­gung unsere Entschlossen­heit, für eine rev­o­lu­tionäre Arbei­t­erIn­nen­partei zu kämpfen.

Manuel Geor­get: Im Departe­ment Eure-et-Loir haben wir dafür gekämpft, ent­ge­gen der Poli­tik der nationalen Bürokratie eine radikalere Ten­denz in der CGT aufzubauen. Diese Ten­denz hat es geschafft, einen gewis­sen Druck auf die Gew­erkschafts­führun­gen auf Departe­ment-Ebene auszuüben, die deswe­gen die Kämpfe der radikalisiertesten Sek­toren unter­stützen mussten. Mehrere Wochen lang organ­isierten wir „Interprofessionelles“-Versammlungen der CGT, Block­aden von Indus­triebe­trieben, den freien Zugang an Maut­stellen, und das Entsenden von Arbei­t­erIn­nen­del­e­ga­tio­nen, um andere Streik­posten wie die der Total-Raf­finer­ie in Grand­puits zu unter­stützen.

Eine junge Genossin von uns, eine Schü­lerin von der Rev­o­lu­tionären Ten­denz im NPA-Komi­tee von Chartres, war an der Spitze der Schü­lerIn­nen­be­we­gung. Sie ver­stand es im Rah­men des Kampfs, die poli­tis­che Per­spek­tive aufzuzeigen bis sie zum berechtigten Sprachrohr der radikalisierten Jugend wurde.

Jedoch zeigt uns die Krise, dass wir uns auf noch zuge­spitztere Sit­u­a­tio­nen als die ger­ade erlebten, vor­bere­it­en soll­ten. Auch bei dieser starken Mobil­isierung – trotz der Tat­sache, dass sich ein poli­tis­ches Bewusst­sein in der Arbeit­erk­lasse zu entwick­eln begin­nt – haben wir es bis jet­zt nicht geschafft, die Frage der Macht in den Mit­telpunkt zu stellen, und noch hat sich keine rev­o­lu­tionäre Sit­u­a­tion entwick­elt. Wir soll­ten uns jedoch auf eine rev­o­lu­tionäre Sit­u­a­tion in der nahen Zukun­ft vor­bere­it­en. Diese Bewe­gung endete wed­er mit ein­er echt­en Nieder­lage für die Arbei­t­erIn­nen­klasse noch mit einem echt­en Sieg der Bour­geoisie, obwohl let­ztere mit der Unter­stützung der Gew­erkschafts­dachver­bände rech­nen kon­nte, die nie die Polizeire­pres­sion gegen Arbei­t­erIn­nen verurteil­ten, genau­so wenig wie die Räu­mung der Raf­fine­r­ien und die Unter­drück­ung des Streikrechts. In der Frage des Gen­er­al­streiks woll­ten sie nie Partei ergreifen – obwohl das die einzige Alter­na­tive war, die zu einem Sieg hätte führen kön­nen. Das Ergeb­nis des Krieges wird in zukün­fti­gen Schlacht­en entsch­ieden, und unsere Klasse muss auf der Hut sein. In diesem Sinne war der Kampf gegen die Renten­re­form, als eine Art Gen­er­al­probe, gar nicht so schlecht.

Europa ist das Epizen­trum der Wider­sprüche der kap­i­tal­is­tis­chen Krise. Nach Griechen­land und Irland haben wir gese­hen, dass Spanien und Por­tu­gal in dieser Woche mit ihren wirtschaftlichen Schwierigkeit­en und dem Wider­stand der Arbei­t­erIn­nen auf den Titel­seit­en der Zeitun­gen waren. Wie ver­sucht die Plat­tform 4, sich dieser Sit­u­a­tion zu stellen?

Manuel Geor­get: Die Sit­u­a­tion in Europa ist sehr ernst. Ins­beson­dere nach den Protesten in Griechen­land, Frankre­ich und Spanien ist es notwendig, genau auf die poli­tis­che Sit­u­a­tion in Europa zu acht­en, sowie die Entwick­lun­gen der Krise in der EU (das Ret­tungspaket für Irland, die Zer­brech­lichkeit der por­tugiesis­chen Wirtschaft usw.) und die neuen Angriffe (wie Maß­nah­men der Kurzarbeit und des „Lohn­verzichts“ in Frankre­ich usw.) zu analysieren.

Die mächti­gen Kap­i­tal­istIn­nen, die einen Angriff auf alle sozialen und demokratis­chen Errun­gen­schaften auf dem Kon­ti­nent organ­isieren, fordern den Arbei­t­erIn­nen immer größere Opfer ab: Alles wird mit dem Ziel durch den Fleis­chwolf gedreht, immer saftigere Gewinne für die winzige Min­der­heit zu erzeu­gen, die die Arbei­t­erIn­nen­klasse erwürgt. Das Epizen­trum der Krise ist Europa, und während sie sich hier aus­bre­it­et, dro­ht sie, sich auf andere Kon­ti­nente auszus­treck­en. Angesichts dieser Ausweitung, sei es in Europa oder ander­swo, wer­den sich die Arbei­t­erIn­nen und Jugendlichen erheben.

Um jedoch gegen den Kap­i­tal­is­mus und die bürg­er­lichen Staat­en kämpfen zu kön­nen, müssen die Arbei­t­erIn­nen ein Klassen­be­wusst­sein erlan­gen – d.h. sie müssen ein Bewusst­sein ihrer gesellschaftlichen Rolle gemäß der marx­is­tis­chen The­o­rie erlan­gen –, und Ver­trauen in ihre Fähigkeit gewin­nen, die Gesellschaft zu organ­isieren, ohne sich der herrschen­den Klasse unterzuord­nen. Das ist die Bedeu­tung unseres Kampfs inner­halb der NPA.

Über­set­zung: Sys­tem­crash, für RIO

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