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Žižek antwortet auf Left Voice

Der namhafte Philosoph Slavoj Žižek hatte in einem Interview vor der US-Präsidentschaftswahl gesagt, er würde für Donald Trump stimmen. Left Voice, die englischsprachige Schwesterseite von Klasse Gegen Klasse, hat ihn dafür scharf kritisiert. Nun hat Žižek geantwortet.

Žižek antwortet auf Left Voice

Meine verzweifelte, sehr verzweifelte Hoffnung ist, dass es, falls Trump gewinnt, eine Art großes Erwachen geben wird. Neue politische Prozesse werden in Gang gesetzt werden.

Mit dieser Annahme, der Sieg eines rassistischen und sexistischen Milliardärs könne Vorteile für die US-Linke bringen, begründete der als links geltende slowenische Philosoph Slavoj Žižek, dass er den „widerlichen“ Donald Trump wählen würde, wenn er in den USA seine Stimme abgeben dürfte.

Für Left Voice, die englischsprachige Schwesterseite von Klasse Gegen Klasse, hat Ian Steinman daran noch vor der Wahl eine kurze Kritik formuliert. Eine Übersetzung ins Deutsche erschien auf Klasse Gegen Klasse. Darin nannte Steinman Žižeks Ansicht „akzelerationistisch und katastrophistisch“. Es sei nicht vorherzusagen, wie die erhoffte Neuordnung ausfallen würde. Steinman weiter:

Aber wir wissen, dass die Linke organisiert und vorbereitet sein muss, die Unterstützung der Arbeiter*innenklasse und der Unterdrückten haben muss, um in Krisen intervenieren zu können. Wir können nicht den widerlichen Rassismus und Sexismus unterstützen, der uns spaltet und uns in unseren Kämpfen schwächt. Wir müssen immer auf der Seite der Unterdrückten stehen, unabhängig bleiben und für einen wirklichen linken Ausweg aus der Krise kämpfen.

Selbst wenn Trump für die herrschende Klasse eine Katastrophe wäre, wäre er doch auch für uns eine Katastrophe sein, wenn wir nicht die Grundlagen für eine eigene linken Intervention geschaffen haben. Unsere Unabhängigkeit von allen bürgerlichen Fraktionen zu opfern und dazu noch den rassistischsten Flügel zu unterstützen wird uns nicht auf die Krisen und Kämpfe vorbereiten, die noch vor uns liegen.

In einem kurz darauf veröffentlichten Artikel für In These Times widerspricht Žižek dieser Perspektive auf die US-Wahlen und die Rolle der Linken:

Hillarys Sieg wäre der Sieg eines Status quo, der von der Aussicht auf einen neuen Weltkrieg überschattet wird (und Hillary Clinton ist definitiv eine typische kalte Kriegerin der Demokraten), der Sieg eines Status quo, bei dem wir allmählich, aber unweigerlich auf ökologische, ökonomische, humanitäre und andere Katastrophen zusteuern. Deshalb halte ich Ian Steinmans „linke“ Kritik für extrem zynisch. […]

Es ist wahr, dass die Linke ‘organisiert und vorbereitet sein muss, die Unterstützung der Arbeiter*innenklasse und der Unterdrückten haben muss’ – doch in diesem Fall sollte klar sein, dass die Frage lauten muss: Der Sieg welches Kandidaten würde mehr zur Organisierung der Linken und ihrer Ausweitung beitragen? Ist es nicht klar, dass ein Trump-Sieg viel eher ‘die Grundlagen für eine eigene linken Intervention’ schaffen würde als ein Sieg von Hillary?

Nachdem feststand, dass Trump die Wahl für sich entschieden hatte, erschien Žižeks Artikel auf ZEIT Online in leicht abgewandelter Form. Darin hatten sich nicht nur die Zeitformen geändert. Auch die Polemik gegen Steinman fehlt in der deutschsprachigen Version.

Eine ausführliche Antwort von Left Voice erscheint demnächst.

 

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