Frauen und LGBTI*

Wie Frauen* die Krise bezah­len müs­sen

Wie Frauen* die Krise bezahlen müssen

Die Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre markierte das Ende einer Wachstumsphase. Im Sinne der Erzielung von Profiten für Kapitale der imperialistischen Länder kam es in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Neuorganisation der internationalen Arbeitsteilung. Es wurden immer mehr Frauen*, zum Teil im globalen Süden, und selektiv auch Migrant*innen in den zentralen Ländern, in die kapitalistische Produktion integriert, allerdings fast ausschließlich als flexible, unterbezahlte Arbeitskräfte. So sind beispielsweise in der BRD Frauen* besonders von Prekarisierung betroffen: 83% der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen* (auch wenn dies vielfach nicht ihren Wünschen entspricht), die Hälfte von ihnen damit geringfügig beschäftigt, ebenso wie 64% derjenigen, die einen oder mehrere Minijobs als Hauptbeschäftigung ausüben. Außerdem sind sie tendenziell in schlechter entlohnten Bereichen beschäftigt. So verdienen in der BRD Frauen* durchschnittlich 23% weniger als Männer*.

Aber auch wenn beachtet wird, dass Frauen* und Männer* unterschiedlich beschäftigt sind, verdienen Frauen* weniger: Bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit verdienen Frauen* je Stunde durchschnittlich 8% weniger als Männer* (Statistisches Bundesamt). Auf globaler Ebene sind Frauen* öfter arbeitslos als Männer* (ILO) und stellen 60% der working poor, das heißt derer, die nach UN-Kriterien auch trotz Arbeit arm sind. Dies führt oft dazu, dass vor allem Mädchen* schon früh zum Haushaltseinkommen beitragen müssen.

Diese Benachteiligung von Frauen* bei der Lohnarbeit stützt sich auf sexistische Geschlechterrollen, nach denen Frauen* für die unbezahlte Hausarbeit zuständig sind und Männer* als Familienernährer gesehen werden. Selbst das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gibt an, dass in der BRD Frauen* im Schnitt knapp doppelt so viel unbezahlte Hausarbeit verrichten wie Männer*. Frauen* sind so einer Doppelbelastung ausgesetzt, die ihnen besser bezahlte Lohnarbeit verunmöglicht. Ebenso werden bestimmte Berufe vor allem im Sorgebereich (z.B. Alten- und Krankenpflege, Kindererziehung) als frauen*typisch markiert und damit abgewertet, da sie sonst unentgeltlich verrichtet werden.

Und auch global sind Frauen* stärker der Doppelbelastung von Lohnarbeit und Hausarbeit ausgesetzt. Kapitalist*innen machen sich in ihrem eigenen Profitinteresse die Möglichkeit zunutze, aufgrund der sexistischen Spaltung der Arbeiter*innen, schlechte Bezahlung für Frauen* durchzusetzen und von ihrer unbezahlten Hausarbeit zu profitieren. Frauen* werden somit als eine Reservearmee in der internationalen Arbeitsteilung missbraucht.

Die Krise verschärft die beschriebene ökonomische Situation von Frauen* in aller Welt noch weiter. Vor allem in den Ländern des Südens sind viele Arbeiterinnen* in Industrien, die Textilien, Schuhe und Spielzeug herstellen, arbeitslos geworden, insgesamt sind seit 2008 13 Millionen Frauen* arbeitslos geworden (ILO). Die Zahl der Hungernden stieg in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 um 50 Millionen auf fast eine Milliarde Menschen an, in einer sexistischen Gesellschaft trifft auch dies vor allem Frauen* und Mädchen*.

In der BRD betraf die Krise zunächst die von männlichen* Beschäftigten dominierte Export- und Bauindustrie, zum Beispiel die Automobilbranche, in der zwei Drittel der Beschäftigten Männer* sind. Diese Sektoren wurden dann durch staatliche Konjunkturprogramme mit ungefähr 70 Milliarden Euro unterstützt. Nach und nach breitete die Krise sich auch auf andere Sektoren wie den Dienstleistungssektor und den Handel aus, in Bereiche also, in denen zum Großteil Frauen* beschäftigt sind. Diese Bereiche wurden dann im Gegensatz nicht staatlich unterstützt (zum Beispiel Schlecker oder Arcandor). Das Einkommen von Männern*, die Familien zu ernähren haben, erschien wohl wichtiger; dass dies auch Sektoren mit mehr Potential für Gewinne für Kapitalist*innen und mit strategischer Bedeutung für den kapitalistischen Standortwettbewerb sind, mag sein Übriges dazu beigetragen haben.

Parallel zu den Entwicklungen der Beschäftigung wurden massiv öffentliche Ausgaben gestrichen und Sozialabbau betrieben. Dies betrifft vor allem Frauen*, die in höherem Ausmaß von öffentlichen Leistungen abhängen und oft genau in den Bereichen beschäftigt sind, in denen gekürzt wird. Sie müssen durch Mehrarbeit im Haushalt Lohnkürzungen und Sozialabbau ausgleichen, mit zwei Mini-Jobs die eigene Entlassung ausgleichen oder mit Selbsthilfe das Schrumpfen öffentlicher Leistungen abfedern. Außerdem ist zu erwarten, dass Kapitalist*innen die Krise dazu nutzen werden, immer mehr Leih-und prekäre Arbeit durchzusetzen.

Frauen* sind also weltweit im hohen Maße von kapitalistischer Ausbeutung betroffen, sei es wenn ihnen prekäre Beschäftigungsverhältnisse aufgezwungen werden, sie unbezahlte Hausarbeit leisten müssen, sie als Reservearmee gesehen werden, die im Moment der Krise fallen gelassen wird. Deshalb ist eine antikapitalistische Strategie essentiell für die Befreiung von Frauen*.

Um dem rein gesellschaftlichen Charakter der Zwei-Geschlechtlichkeit Rechnung zu tragen, markieren wir bestimmte Begriffe mit einem *.

Dieser Text erschien in dem Flugblatt „Brot und Rosen“, dass zum 8.März 2013 von unabhängigen Frauen* und RIO erstellt wurde.

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