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Wer bezahlt die Schäden in Hamburg? Nachfrage bei einem linken Versicherungsmakler

Die Hamburger Innenstadt gleicht einem Trümmerfeld – so klingt es zumindest, wenn man in diesen Tagen Zeitung liest. Bürgerliche Medien und Politiker*innen zeigen sich endlos besorgt über Autobesitzer*innen und kleine Gewerbetreibende, die ihr Hab und Gut verloren haben. Ein linker Versicherungsmakler sagt: Unsinn.

Wer bezahlt die Schäden in Hamburg? Nachfrage bei einem linken Versicherungsmakler

Michael Prütz verkauft Ver­sicherun­gen in Berlin-Kreuzberg seit 30 Jahren. Außer­dem ist er seit 1968 in der radikalen Linken in (West-)Berlin aktiv. Immer wieder tritt er als Anmelder der rev­o­lu­tionären 1. Mai-Demon­stra­tion in Erschei­n­ung. Also ein Men­sch, der viel über Krawalle und auch die Fol­gen weiß. Am Mon­tag schrieb er auf Face­book:

Unbeschadet der poli­tis­chen Debat­te möchte ich mal auf die tat­säch­lichen Schä­den und ihre Reg­ulierung hin­weisen. Natür­lich wird jet­zt in der Presse das Bild der ver­armten allein­erziehen­den Mut­ti geze­ich­net, die durch das abge­bran­nte Auto nun völ­lig am Ende ist. Natür­lich Unsinn.

95 Prozent aller Autobesitzer*innen sind teilka­skover­sichert. Ist das Auto abge­fack­elt, übern­immt die Teilka­skover­sicherung die gesamten Kosten. Eben­so bei Glas­bruch. Die Prämie steigt nicht.

Natür­lich haben Ladenbesitzer*innen eine Geschäftsver­sicherung. Die zahlt bei Glas­bruch. Hat ein “Ran­dalier­er” den Laden betreten, gilt das als Ein­bruch und der wird umfänglich bezahlt. Eben­so ver­sichert ist der Van­dal­is­muss­chaden in vollem Umfang. Kann das Geschäft zum Beispiel eine Woche nicht öff­nen, wird zusät­zlich der Umsatzaus­fall bezahlt. Selb­stver­ständlich steigt deswe­gen keine Prämie. Hat ein “Ran­dalier­er” die Her­aus­gabe eines Handys ver­langt, ist das Raub und wird über die Haus­ratver­sicherung bezahlt.

Natür­lich ist die Bürokratie ner­vend. Aber kein Men­sch soll mir erzählen, dass die Ran­dale zur völ­li­gen Ver­ar­mung der Geschädigten führt. Kol­le­gin Keller­mann und ich haben in unser­er Ver­sicherungsagen­tur täglich mit solchen Schä­den zu tun. Und das seit 30 Jahren.

Ist es nicht komisch, dass die bürg­er­lichen Politiker*innen sich plöt­zlich Sor­gen machen um allein­erziehende Müt­ter, weil möglicher­weise ihre Autos abge­fack­elt wur­den? Wie wäre es mit Sor­gen, dass sie nur Teilzeitjobs bekom­men? Beim Job­cen­ter auf­s­tock­en müssen? Keine Kita­plätze find­en? Das sind alles wesentlich größere Prob­leme für arbei­t­ende Frauen mit Kindern in diesem Land als ran­dalierende Autonome.

One thought on “Wer bezahlt die Schäden in Hamburg? Nachfrage bei einem linken Versicherungsmakler

  1. D.W. sagt:

    Das ist ja aus­ge­sprochen tröstlich, Der Hak­en dabei ist nur, dass viele von den Klein­wa­gen von ihren Besitzern genutzt wur­den, um das tägliche Brot zu ver­di­enen. Für die paar Pim­per­linge, die eine Ver­sicherung dann zahlt, bekommt der Besitzer niemals einen gle­ich­w­er­ti­gen Wagen. Und wenn mir ein Handy ger­aubt wird, soll der dafür ger­ade ste­hen, der es raubt und nicht irgend eine Ver­sicherung, die heute auch nicht mehr jed­er hat. Lasst die Recht­fer­ti­gungsver­suche, sper­rt die Ver4antwortlichen solange in den Knast, bis sie den Schaden abgear­beit­et haben. Aber das kann man ja nicht ver­lan­gen — dann würde ja die linke “Elite” im Knast sitzen. Pfui Deibel.…..

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