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Was steckt hinter dem Fall des Erdölpreises, der die Finanzmärkte in die Tiefe reißt?

Der Preis für ein Fass Rohöl ist an einem Tag um 30 % gefallen, der größte Rückgang seit dem Golfkrieg 1991. Wie erklärt sich dieser Rückgang?

Was steckt hinter dem Fall des Erdölpreises, der die Finanzmärkte in die Tiefe reißt?

Der Preis für ein Fass Rohöl ist an einem Tag um 30 % gefall­en, der größte Rück­gang seit dem Golfkrieg 1991. Dieser Absturz wurde zum neuen Aus­lös­er für den Börsen­sturz, der let­zte Woche begann. Zu dem Zeit­punkt wurde bekan­nt, dass die wirtschaftlichen Auswirkun­gen des Coro­n­avirus das weltweite Wach­s­tum um die Hälfte drück­en kön­nten – wenn das “opti­mistis­che” Szenario, dass die Aus­bre­itung des Virus bis Mitte des Jahres eingedämmt wird, einge­hal­ten wird. Son­st kön­nte der Rück­gang noch viel größer sein.

Was sind die Gründe für den Rück­gang des Erdöl­preis­es?

Geringere Nachfrage aus China

Chi­nas Wirtschaft ist im Feb­ru­ar um 12% oder mehr gefall­en, ver­glichen mit dem gle­ichen Monat im Jahr 2019. Wenn man bedenkt, dass die chi­ne­sis­che Regierung die Beschränkun­gen zur Eindäm­mung der Ansteck­ung aus dem Jan­u­ar wieder aufge­hoben hat und auch Kon­junk­tur­maß­nah­men ergreift, wird das erste Quar­tal des Jahres besten­falls mit einem Rück­gang enden, der das diesjährige Wach­s­tum um einen oder mehrere Punk­te ver­ringert. Einige sagen, dass Chi­nas BIP in diesem Jahr nur um bis zu 2,5% wach­sen kön­nte. Das wäre weniger als die Hälfte im Ver­gle­ich zu 2019 und nur ein Vier­tel von den Wach­s­tum­srat­en, die Chi­na noch vor eini­gen Jahren hat­te. Für die ölpro­duzieren­den Län­der dro­ht diese Ver­langsamung die Märk­te abzuschnei­den.

Die Inter­na­tionale Energieagen­tur (IEA) veröf­fentlichte heute eine nach unten gerichtete Prog­nose der weltweit­en Ölnach­frage für das Jahr 2020. In diesem Jahr wird für 2020 eine Nach­frage von 99,9 Mil­lio­nen Bar­rel pro Tag (bpd) prog­nos­tiziert, was einem Rück­gang von 90.000 bpd entspricht – was zum ersten Mal seit 2009 ein Rück­gang der Nach­frage ist. Die vorherige Prog­nose lag bei einem Wach­s­tum von 825.000 bpd, was das Aus­maß der Ver­schlechterung verdeut­licht.

Der “Krieg” zwischen Russland und Saudi-Arabien

Angesichts dieses Szenar­ios ein­er gerin­geren Nach­frage ist es der Organ­i­sa­tion Erdöl exportieren­der Län­der (OPEC), die mehrere große Expor­teure zusam­men­führt und von Sau­di-Ara­bi­en ange­führt wird, let­zte Woche nicht gelun­gen, mit anderen Län­dern, die nicht Mit­glied des Kartells sind – vor allem Rus­s­land –, eine Vere­in­barung über die Ver­ringerung der Pro­duk­tion zu erzie­len. Eine Reduzierung der Pro­duk­tion hätte dazu beige­tra­gen, den Preis­druck zu ver­ringern und eine Sät­ti­gung des Welt­mark­tes zu ver­mei­den. Rus­s­land lehnte eine weit­ere kollek­tive Reduzierung der Pro­duk­tion der 23 Län­der, die die OPEC plus Part­ner (die so genan­nte OPEC+) bilden, um 1,5 Mil­lio­nen Bar­rel pro Tag ab, wie von Sau­di-Ara­bi­en vorgeschla­gen. Nach Angaben rus­sis­ch­er Medi­en war die rus­sis­che Del­e­ga­tion von ein­er weit­eren Drosselung der Pro­duk­tion nicht überzeugt und wollte das seit Anfang 2017 gel­tende Abkom­men ver­längern, in dem sich die OPEC+-Mitglieder bere­its verpflichtet hat­ten, 1,2 Mil­lio­nen Bar­rel pro Tag vom Markt zu nehmen.

Daraufhin und nach dem Scheit­ern der Ver­hand­lun­gen beschloss Sau­di-Ara­bi­en am Son­ntag die größte Senkung der Bar­rel-Preise seit 20 Jahren.

Benzin ins Feuer für die globale Finanzlage

Die in der ver­gan­genen Woche begonnenen Kursver­luste an den Aktien­märk­ten haben sich am Mon­tag ver­stärkt, angetrieben durch den Rück­gang der Ölpreise. Die Finanzmärk­te durch­leben Tage wie seit 2008 nicht mehr – dem Höhep­unkt der Finanzkrise, der den Beginn der Großen Rezes­sion markierte.

Let­zte Woche kündigte die US-Noten­bank Fed­er­al Reserve, die Zen­tral­bank des Lan­des, eine Not­fall-Zinssenkung um 0,5 Prozent­punk­te an. Weit davon ent­fer­nt, die Märk­te zu beschwichti­gen, wurde dieser Schritt als Zeichen dafür gew­ertet, dass auch die von Jerome Pow­ell geführte Insti­tu­tion in Panik geri­et.

In ein­er von Schulden belagerten Welt, in der alle “Fun­da­men­tal­dat­en” seit langem Anze­ichen dafür liefern, dass wir am Rande ein­er Rezes­sion in den wichtig­sten Volk­swirtschaften der Welt ste­hen, wer­den “schwarze Schwäne” wie der Coro­n­avirus zum Aus­lös­er von Schocks, die die wirtschaftliche Ver­schlechterung beschle­u­ni­gen.

Heute hat der IWF zur Koor­dinierung zwis­chen den Län­dern aufgerufen, um auf die Finanz­panik zu reagieren. In Zeit­en von “Han­del­skriegen” und Span­nun­gen mit den his­torischen Part­nern des US-Impe­ri­al­is­mus und mit Don­ald Trump und sein­er “Amer­i­ca First”-Rhetorik wird es sehr viel unwahrschein­lich­er, dass das US-Finanzmin­is­teri­um die Führung in ein­er koor­dinierten Reak­tion auf einen glob­alen Schock übernehmen wird, wie es 2008 mit der Krise geschah, die dieses Land als Epizen­trum hat­te.

Dieser Artikel bei La Izquier­da Diario

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