Hintergründe

Was sind gelbe Gewerkschaften und was nicht?

Eine der dreistesten Union-Busting-Methoden sind gelbe Gewerkschaften. Doch was ist das eigentlich? Und sind DGB-Gewerkschaften eigentlich „gelb“?

Was sind gelbe Gewerkschaften und was nicht?
Foto: nitpicker/Shutterstock.com

Im Kampf gegen die Arbeiter:innen und ihre Organisierung benutzen die Bosse oft sehr schmutzige Methoden. Zum Beispiel bei Gorillas: Dort haben die Bosse die Beschäftigten aus dem Kernbetrieb ausgliedert, um damit die Gründung des Betriebsrats zu sabotieren, die bereits im Gange war. Doch im „Portfolio“ der Bosse finden sich weitere Gewerkschafts- und Arbeiter:innenfeindliche Methoden. Eine davon sind die sogenannten „gelben Gewerkschaften“.

Gelbe Gewerkschaften sind Organisationen, die von Unternehmen gegründet wurden, um die Arbeiter:innenklasse zu spalten. Das waren historisch in Deutschland die sogenannten „Hirsch-Dunkerschen Gewerkvereine”, die sich gegen die „roten” sozialistischen Gewerkschaften gründeten und stattdessen die Interessen der Bosse in der Arbeiter:innenbewegung vertraten. Auch heute werden solche Organisationen von großen Unternehmen gegründet oder gefördert, die dann mit ihnen schlechtere Tarifverträge abschließen, denen die „roten” Gewerkschaften, allen voran ihre Basis, nie zugestimmt hätten. Es ist eine Methode, um die eigentlich starke Gewerkschaft zu umgehen. Anstatt zu Streiks aufzurufen und das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, kommen diese reaktionären Organisationen den Bossen so weit entgegen, wie nur irgendwie möglich. Hinter dem Rücken der Beschäftigten werden also geräuschlos verbindliche Tarifverträge geschlossen, die die Beschäftigten dann aufgedrückt bekommen. Vorwürfe eine solche Gewerkschaft zu sein, gab es gegen die DHV, eine christliche Kleinstgewerkschaft. Auch bei Amazon versuchte das Management, Betriebsratslisten durchzusetzen, die auf der Seite der Bosse standen, gegen die von ver.di organisierten Arbeiter:innen.

Manche Linke behaupten allerdings, dass auch DGB-Gewerkschaften, wie ver.di, gelbe Gewerkschaften wären. Schließlich besteht ihre sozialpartnerschaftliche Praxis oft darin, einen lauwarmen Kompromiss zu schließen. In einigen Fällen gab es nicht mal Streiks gegen Entlassungen, wie bei Goodyear Fulda, wo einige hundert Stellen abgebaut wurden, ohne dass die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) dagegen gekämpft hat.

Doch im Gegensatz zu gelben „Gewerkschaften” verfügen sie auch über eine echte Verankerung unter den Beschäftigten. Um diesen sozialpartnerschaftlichen Kurs zu verstehen, müssen wir zwischen Basis und Führung unterscheiden. Das Problem bei den allermeisten Gewerkschaften ist, dass sie von Bürokrat:innen kontrolliert werden, die finanziell von der Vermittlung zwischen Arbeiter:innen und Bossen profitieren. Die Gehälter der Führung sind getrennt von denen der Basis, es gibt wenig Elemente von Gewerkschafts- und Streikdemokratie und keine ständige Wähl- und Abwählbarkeit. Um ihre Funktion als Verhandler:innen mit den Bossen zu sichern, verraten sie ihre Mitglieder.

Dennoch haben die großen Gewerkschaftsapparate eine Basis von Millionen Beschäftigten, die sich gegen schlechte Arbeitsbedingungen und für bessere Löhne organisieren. Die Funktion von Gewerkschaften ist eben, eine Organisation zu sein – in der die größtmögliche Zahl von Beschäftigten, egal ob kommunistische oder sozialdemokratische – gemeinsam gegen die Bosse kämpfen und den allgemeinen Organisationsgrad unter den Arbeiter:innen erhöhen. Es wäre falsch, diese Organisationen einfach nur zu verlassen und vermeintlich linkere Gewerkschaften zu gründen. Dabei wird der Kernpunkt – der gemeinsame Kampf gegen die Bosse – künstlich gespalten. Anstatt nur von außen zu kritisieren, muss ein Kampf gegen die bürokratische Führung geführt werden und die breitest mögliche Gewerkschafts- und Streikdemokratie gefördert werden.

Dazu ist es notwendig, zugleich einen Kampf für die größtmögliche Einheit der Arbeiter:innen zu führen, damit sie sich in Organisationen und Versammlungen zusammenschließen, die ihre grundlegenden Interessen gegen das Kapital und seinen Staat verteidigen. Das beinhaltet sowohl den Kampf für die Ausweitung gewerkschaftlicher Organisierung, als auch für eine Einheitsfront mit allen Organisationen der Arbeiter:innenklasse für konkrete Forderungen. Nur mit einer Einheitsfront können wir der Spaltung der Klasse entgegenwirken, die ja die Bürokratien gerade mit durchsetzen, indem sie nur einen kleinen Teil der Klasse zu organisieren versuchen. Zugleich braucht es innerhalb der Gewerkschaften und innerhalb der Organe der Einheitsfront wie Streikkomitees und Versammlungen aller Beschäftigten, den Aufbau einer antibürokratischen und klassenkämpferischen Strömung, die sich vornimmt, die Gewerkschaften wieder aus den Händen der Bürokratie zurückzuerobern. Denn der Zweck der Einheitsfront ist nicht das Schmieden kleinster gemeinsamer Nenner, sondern der politische Kampf um die Führung der Arbeiter:innenbewegung.

2 thoughts on “Was sind gelbe Gewerkschaften und was nicht?

  1. Evangeline Effertz sagt:

    Hierzu kann ich nur das Buch von Werner Rügemer empfehlen „die Fertigmacher“ Professionelle Gewerkschaftsbekämpfung Verlag PapyRossa

  2. Hartmut sagt:

    Mein Großvater (1910 – 2002), war 75 Jahre Mitglied der Gewerkschaft. Als junger Gewerkschaftsvertrauensmann in der Weimarer Republik, hat man neue Kollegen nach dem Gewerkschaftsstatus befragt. „Rotschlipse“ und die Welt war in Ordnung. Unorganisierte waren den Kollegen eher suspekt, diese hatten wie mein Großvater es zu sagen pflegte „ohne Rückgrat“. Ich habe meinen Töchtern es empfohlen, die Kampfkraft der Gewerkschaft zu stärken. So ist die Gewerkschaft wie eine Familienbande.

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